Herr Schuster, erinnern Sie sich noch an den Moment, als Sie der Faszination alter Traktoren erlegen sind?

Ja, das war Mitte der 90er-Jahre, als mein Vater zwei alte Traktoren vom Schrottplatz holte und mit viel Engagement und Finanziellem Aufwand restaurierte. Als Gastfahrer beim OTCK habe ich dann in Tiengen an einem Traktorentreffen in der Altstadt teilgenommen. Es war schönes Wetter und zahlreiche Zuschauer bestaunten die alten Fahrzeuge. Durch die erhöhte Sitzposition bekommt man einen besonderen Blick auf Land und Leute. Zeit spielt keine Rolle. Eine Traktorenausfahrt entschleunigt sehr.

Wie viele Traktoren gehören Ihnen persönlich und was sind deren Besonderheiten?

Ich besitze einen IHC Mc Cormick D-217 F Baujahr 1956. Die Besonderheit ist die Wespentaille. Der Trag-Schlepper kann Arbeitsgeräte im Zwischenachs-Bereich aufnehmen.

Alte Technik funktionstüchtig zu halten, erfordert Zeitaufwand. Wie viele Stunden im Monat verbringen Sie mit der Wartung und Reparatur der alten Traktoren?

Wichtig ist, dass man die zahlreichen Schmiernippel regelmäßig mit der Fettpresse abgeht. Ölstand und Kühlwasser sollten vor jeder Ausfahrt kontrolliert werden. Es sind aber wenige Stunden im Monat, die man für die Wartung aufwenden muss. Bei Reparaturen sieht es anders aus: weil nicht immer alle Ersatzteile zur Verfügung stehen, muss man das im Internet suchen.

In diesem Jahr feiert Ihr Verein sein 30-jähriges Bestehen. Mit wie vielen Mitgliedern und Traktoren hat 1990 alles angefangen?

Die Gründung erfolgte im Campingstüble in Kadelburg. Die Idee war unter Kegelfreunden entstanden, welche sich das Ziel gesetzt hatten, einen Ausflug im Sattel eines Traktors durchführen zu wollen. Horst Amman aus Kadelburg hat dann Traktoren organisiert. Bei der Gründungsversammlung waren 18 Mitglieder versammelt. Die Wahl wurde damals von Rolf Haberstock (Kadelburg) geleitet. Vorsitzender wurde August Geiler (Rheinheim), sein Stellvertreter Günter Faschian (Lauchringen); Schriftführer war Jochem Deck (Kadelburg), Kassierer Otto Schwarz (Tiengen), Tourenwart Egon Daniel (Lauchringen), Beisitzer waren Horst Amman und Lothar Preis (Kadelburg), Georg Rünzi (Laufenburg) und Gerd Stotmeister (Weizen)

Wie viele Mitstreiter und Fahrzeuge hat der Club heute?

Wir haben aktuell 75 Mitglieder vom Schwarzwald über das Wutachtal bis in die Schweiz hinein.

Der Oldie-Traktorenclub Küssaberg feiert in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen.
Der Oldie-Traktorenclub Küssaberg feiert in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen. | Bild: Privat/Schuster

Sind alte Traktoren ein reines Männer-Ding oder haben Sie auch weibliche Traktoren-Fans in Ihren Reihen?

Unser Club hat nur eine Frau Mitglied. Außerdem hilft uns die Tochter von Manfred Huber aus Kadelburg, der viele Fahrzeuge vom Unimog, Hürrlimann bis zum alten Deutz besitzt, manchmal aus, wenn Fahrer-Mangel bei Ausfahrten besteht.

Wie tief muss man in die Tasche greifen, wenn man sich beispielsweise einen Lanz-Bulldog aus den 1940er Jahren oder einen 70 Jahre alten Hürlimann D-100 zulegen möchte?

Je nach Fahrzeugzustand muss man da schon einen mittleren 5-stelligen Betrag aufbringen. Willi Nussperger aus Weizen hat seinen Lanz Bulldog vor Jahren aus Griechenland überführt – ein sogenannter Scheunen-Fund. Restauriert wurde der Bulldog dann in Eigenregie. Im Laufe der Jahre waren da zahlreiche Investitionen notwendig.

Bremst die Corona-Pandemie auch Ihre 30-Jahrfeier aus, oder können Sie das Fest-Programm wie geplant durchführen?

Ja, die Corona-Krise hat uns dieses Jahr sämtliche Veranstaltungen vermasselt. Einzig unsere Abschlussfahrt vom 27. September, die uns zur Besichtigung von Schloss Hohenlupfen nach Stühlingen führte, konnten wir durchführen. Schade ist, dass wir unser Jubiläumsjahr nicht gebührend feiern können.

Gibt es einen Traktoren-Traum, den Sie sich gerne noch erfüllen würden?

Ich träume von einem Lanz Bulldog. Das Starten eines Glühkopf-Traktors ist sehr imposant und benötigt ein wenig Vorbereitung, da der Glühkopf zunächst mittels Gasbrenner auf Temperatur gebracht werden muss.