Stefan Kurczynski

Kaum ist die Hochzeitsausstellung vorüber, kommt schon das nächste Glanzlicht ins Museum Küssaberg. Das Herz jedes Modelleisenbahners schnellt in die Höhe, wenn er die neue Ausstellung besucht. Mit viel Liebe zum Detail haben der Museumsverein, seine Mitarbeiter und auch die Leihgeber jede freie Minute genutzt, um diese Ausstellung aufzubauen. „Wir sind zwar nicht in Hamburg, bei der sehr schönen und großen Modellbahnanlage, aber wir haben durchaus etwas zu bieten“, sagt der Vorsitzende Jürgen Barabas. Das kann man bestätigen, wenn man die Exponate sieht.

Modelleisenbahnen in den Spurbreiten H0, N, TT, Z sind zum Beispiel zu sehen. Einige in der Vitrine, andere auf der aufgebauten Anlage. Und es gibt auch eine Duplo Eisenbahn für Kinder. Zu bewundern ist sogar eine sehr alte, bei der man die Lok noch aufziehen musste, wie ein Uhrwerk. Eine Holzeisenbahn für die Kleinsten ist auch da. Es gibt Modelleisenbahnen, denen man ansieht, dass mit ihnen gespielt und gebastelt wurde. Aber es gibt auch Sammlerstücke, die am besten nur in der Vitrine zu bewundern sind. Sogar eine mit viel Liebe zusammengebaute Modelleisenban Spur TT aus der ehemaligen DDR ist dabei.

Ein kleiner Teil der aufgebauten Anlage.
Ein kleiner Teil der aufgebauten Anlage. | Bild: Stefan Kurczynski

Die Geschichte der Modelleisenbahn wird auch verdeutlicht, wie alles angefangen hat. Als Beginn der Modelleisenbahn-Geschichte kann das Jahr 1784 angesehen werden. Der englische Ingenieur William Murdock baute in diesem Jahr ein Versuchsmodell eines gleislosen Dampfwagens. Anfangs waren es einfache Holzeisenbahnen, aber ab 1866 begann die Firma Ernst Planck in Nürnberg, Spielzeugeisenbahnen aus Blech zu bauen.

Sogar an der Ausstellungseröffnung wird noch Hand angelegt, damit alles im Museum funktioniert.
Sogar an der Ausstellungseröffnung wird noch Hand angelegt, damit alles im Museum funktioniert. | Bild: Stefan Kurczynski

Die ersten Eisenbahnen waren sogenannte Bodenläufer ohne Schienen, ohne Antrieb zum Nachziehen, aber auch schon spiritusbeheizte, kleine Dampfmodelle. Als kleinere Spur folgte 1898 die Spur 0 und 1935 die Spur 00 (später Halb Null oder H0, wie wir sie heute noch kennen). Märklin und Bing waren die Platzhirsche auf dem Spielzeugmarkt, aber auch die Firmen Issmayer, Carette und Doll (alle aus Nürnberg) spielten in den Anfangsjahren eine große Rolle. Ihr Marktanteil sank mit zunehmender Dominanz der Firma Märklin.

Der Museumsdirektor legt selbst Hand an und lässt die Eisenbahn für die Besucher laufen.
Der Museumsdirektor legt selbst Hand an und lässt die Eisenbahn für die Besucher laufen. | Bild: Stefan Kurczynski

Die Längste Modelleisenbahn-Strecke hat eine Gesamtlänge von 15.400 Metern. Die Länge reicht aus, um Sie bis zum Mount Everest und 6000 Meter auf der anderen Seite zurückzubringen. Was man auch im Museum sehen kann, ist ein Bild eines Weltrekords der Rhätischen Bahn in der Schweiz. Dort ist ein Personenzug abgebildet, der sich aus 25 Zugkompositionen mit 100 Waggons auf einer Länge von 1910 Metern erstreckt. Der Weltrekord für Graubünden. Der Rekordzug wurde von sieben Lokomotivführern gefahren und hat die Strecke von Preda via Bergün bis Alvaneu ohne Zwischenfälle überstanden. Auf jeden Fall ist diese Ausstellung einen Besuch wert, für alle alten, jungen und junggebliebenen Eisenbahnfans.

Eine kleine Winterlandschaft mit Bahnhof.
Eine kleine Winterlandschaft mit Bahnhof. | Bild: Stefan Kurczynski