Herr Weber, Sie waren in der Nacht des Unwetters und am Morgen danach direkt vor Ort in Kadelburg. Wie haben Sie die Situation erlebt?

Ich bin an diesem Abend von einem Termin in Rheinheim direkt nach Kadelburg gerufen worden. Vor Ort haben sich die telefonischen Schilderungen von Feuerwehr und Bauhofleiter vollumfänglich bestätigt. An allen drei neuralgischen Stellen Im Spitz, Im Stahlbächle und über den oberen Teil des Trottenwegs ergossen sich unvorstellbare Wassermassen, Kies, Geröll und Schlamm in die tieferliegenden Ortsbereiche Freudenspiel, Kroh, unterer Trottenweg, Deckwiesen bis zur Ortsmitte und darüber hinaus in Richtung Schulstraße.

Küssabergs Bürgermeister Manfred Weber.
Küssabergs Bürgermeister Manfred Weber. | Bild: (privat)

Auch Teile des Oberdorfs waren über den Eckhaugraben betroffen. Durch den bereits seit Tagen in der gesamten Region gesättigten Untergrund und durch das zusätzliche Unwetter auf den großen Hangflächen oberhalb des Ortsteils waren alle vorhandenen Sicherheitseinrichtungen und auch das Kanalsystem selbst um ein Vielfaches überlastet. Die nächtlichen Eindrücke aus den Naturgewalten waren für alle, für Geschädigte, weitere Anwohner, Hilfskräfte und auch für mich selbst besonders bewegend.

Mehr oder weniger befahrbar war am Morgen die Straße Im Kroh.
Mehr oder weniger befahrbar war am Morgen die Straße Im Kroh. | Bild: Tina Prause

Welche Schäden sind nach einer ersten Bestandsaufnahme am schwerwiegendsten?

Es ist mir an dieser Stelle wichtig, zunächst auf unsere betroffenen Einwohner, auf die Hauseigentümer und gleichfalls in Mitleidenschaft gezogenen Mieter in unterschiedlichen Anwesen hinzuweisen. Viele Keller oder gar Einliegerwohnungen standen in kürzester Zeit vollständig unter Wasser. Der sachliche Umgang schon in den Nachtstunden, dann aber auch am folgenden Tag war für mich beeindruckend. Allen Betroffenen gilt mein besonderer Respekt und meine Hochachtung, angesichts der auch im privaten Bereich eingetretenen großen Schäden und der dortigen Vermögensverluste. Nach den Sofortmaßnahmen und den ersten Aufräumarbeiten am Mittwoch sind wir selbst aktuell an unterschiedlichen Schadensbehebungen im Kanalsystem, natürlich mit hinzugezogenen Fachfirmen.

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Gibt es bereits so etwas wie eine Prioritätenliste für die Gemeinde? Dinge, die sofort repariert werden oder Maßnahmen, die noch etwas warten können und so mit anderen Sanierungen verbunden werden können?

Das von uns beauftragte Ingenieurbüro ist an einer ersten Bestandsaufnahme. Absolut Vorrang wird sicherlich der vollständig in Mitleidenschaft gezogene obere Teil des Trottenwegs haben. Die Zufahrt zu den dortigen Anwesen ist vollständig entfallen und dort wird sich ganz sicher auch der größte Einzelschaden zeigen. Die Gespräche laufen bereits. Nachrangig sind die vielen ebenfalls in Mitleidenschaft gezogenen Feld-, Wald- und Wanderwege. Das gibt dort zweifellos eine längere Durststrecke. Da ist aber das Verständnis auch in der Bevölkerung da.

Ohne die Hilfe der Feuerwehr und der freiwilligen Hilfe der aus Küssaberg stammenden Unternehmen wäre dieses Auto sicher noch in der gleichen Situation.
Ohne die Hilfe der Feuerwehr und der freiwilligen Hilfe der aus Küssaberg stammenden Unternehmen wäre dieses Auto sicher noch in der gleichen Situation. | Bild: Tina Prause

Was bedeutet das prinzipiell für die Gemeinde Küssaberg?

Die endgültigen Entscheidungen wird der Gemeinderat treffen. Aber wir werden um eine neue Prioritätenbeurteilung bei der Lösung unserer vielfältigen Aufgaben im Gemeindegebiet nicht umhin kommen. Voraussichtlich werden wir zugunsten der Unwetterschäden andere Straßensanierungen bis auf weiteres zurückstellen müssen. Aber es wäre heute wirklich noch zu früh, hier schon abschließende Vorschläge vorzulegen.

Finanziell gesehen, worauf muss die Gemeinde sich einstellen?

Schon direkt nach dem Unwetter wurden erste Schadenssummen für die Gemeinde gehandelt. Ich möchte mich an diesen groben Schätzungen bewusst nicht beteiligen. Eines ist aber sicher. Der Schaden für die Gemeinde selbst wird sich in einem einstelligen Millionenbetrag bewegen. Erste Gespräche wegen möglicher Hilfen laufen bereits.

Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr während seines Einsatzes in der Grundschule Kadelburg. Für den zum Abpumpen notwendigen Schlauch musste ein Fenster geöffnet werden. Bei der Höhe des Wassers entschied sich der Feuerwehrmann für den Einsatz eines Bootes.
Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr während seines Einsatzes in der Grundschule Kadelburg. Für den zum Abpumpen notwendigen Schlauch musste ein Fenster geöffnet werden. Bei der Höhe des Wassers entschied sich der Feuerwehrmann für den Einsatz eines Bootes. | Bild: Tobias Furtwängler/Sven Haberstock

Von Anwohnern wurden die schnellen Aufräumarbeiten schon am nächsten Tag gelobt.

Dank des unermüdlichen Einsatzes unserer Feuerwehr, aller Bauhofmitarbeiter und mehrerer ganz kurzfristig, teilweise sogar noch während der Nachtstunden hinzugezogener Küssaberger Firmen konnten große Teile von Kies, Geröll und Schlamm tatsächlich schon am Mittwoch aus dem Ortsbereich abgefahren werden. Allen meist bis zur Erschöpfung im Einsatz befindlichen Kameradinnen und Kameraden der Feuerwehr und den versierten Kräften unserer Unternehmen gilt mein großer Dank und meine absolute Anerkennung, dies ganz besonders auch im Namen unseres gesamten Gemeinderates.