Frau Rossa, wie sind Sie dazu gekommen, sich so aktiv für die Küssaburg, die auf der Gemarkung Küssaberg liegt, einzusetzen?

Mein geschichtliches Interesse war schon immer sehr groß. Nachdem im Jahr 2009 der Küssaburgbund sein 75-jähriges Jubiläum gefeiert hat, und das Museum Küssaberg (dessen erste Vorsitzende ich damals war) parallel dazu eine Ausstellung über die Küssaburg zeigte, war es für mich naheliegend, dass ich mich in der folgenden Zeit sehr intensiv mit der Geschichte der Burg beschäftigte.

Dabei geholfen hat mir der damals neu erschienene Küssaburgführer von den beiden Historikern Andreas Weiß und Christian Ruch, die die Geschichte der Küssaburg in diesem Buch sehr eindrucksvoll beschreiben. Während des Lesens dieses Führers ist dann auch die Idee gewachsen, an diesem Wissen über die Burg auch andere Geschichtsinteressierte teilhaben zu lassen. Dass ich damit bis heute richtig liege, bestätigen mir während der Führungen auch sehr viele Teilnehmer, in dem sie mir immer wieder sagen: wir kennen die Burg zwar sehr gut, aber wissen tun wir nichts darüber.

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Wieviel Sanierungen, bzw. Baumaßnahmen wurden in den letzten Jahrzehnten auf der Burg durchgeführt und welche haben Sie seitdem mitbekommen?

Nachdem die Küssaburg im Jahr 1978 für 2.191,50 DM – wie es zu diesem Kaufbetrag kam, davon wird in den Führungen erzählt – vom Land Baden-Württemberg an den Landkreis Waldshut überging, hat man dann auch zeitnah mit den Sanierungsarbeiten begonnen. 1978 wurde ein Betrag von knapp 300.000 DM investiert, im Jahr 1981 420.000 DM. Jeweils circa die Hälfte davon wurden vom Landesdenkmalamt übernommen.

2009 wurde Professor Schwing vom Regierungspräsidium Freiburg mit einer Untersuchung der historischen Mauern beauftragt. Das Ergebnis war, dass eine Sanierung der Maueransichtsflächen, die das Entfernen des Bewuchses, den Mauerwerksbau und die Neuverfugung beinhaltete, in den nächsten Jahren durchgeführt werden muss. Ab 2014 konnte ich dann die Sanierungsarbeiten mit verfolgen und ich hatte immer sehr interessante Gespräche mit den ausführenden Handwerkern.

2014 wurde ein Teil des Mauerwerks des Bergfriedes, der Schildmauer, und der „neuen Küche“ in Angriff genommen. Hierfür wurden gut 125.000 Euro investiert, wieder je zur Hälfte vom Landkreis des Landesdenkmalamtes und einem kleinen Beitrag des Küssaburgbundes. 2017 wurde die Brücke für 100.000 Euro neu erstellt und 2018/2019 die „Innenwand“ des Bergfriedes und das Mauerwerk hinter dem Tor, was 140.000 Euro kostete.

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Wieviel Mitglieder hat der Verein aktuell?

Momentan zählen wir 42 Mitglieder, darunter sieben Kommunen. Der Küssaburgbund ist wahrscheinlich einer der sehr wenigen Vereine, bei dem mehr oder weniger keine Vereinsarbeit anfällt. Seit drei Jahren führen wir im Herbst eine Mauerputzaktion durch, dazu treffen wir uns für vier Stunden auf der Burg und beseitigen den Mauerbewuchs bis auf Kopfhöhe, und das ganze wird dann mit einem Vesper abgeschlossen. Dann haben wir noch unsere Hauptversammlung und wenn möglich noch einen Grillplausch auf der Burg. Das war‘s dann auch schon.

Also, wenn Sie einen Verein unterstützen möchten und keine Arbeit dabei haben wollen sind Sie bei uns richtig aufgehoben (lacht). Da die Küssaburg ja das Wahrzeichen vom Landkreis Waldshut-Tiengen ist, würden wir uns sehr freuen, wenn wir auch aus weiter entfernten Kommunen, nicht nur um die Küssaburg herum, Neu-Mitglieder begrüßen dürften.

Aus wie vielen Personen besteht aktuell das Team für die Führungen?

Das Führungsteam besteht aus vier Personen: Joachim Zippel aus Lauchringen, Hubert Hartmann aus Klettgau, Isabella Rossa aus Tiengen und ich als Küssabergerin. In Notfällen hilft uns Hubert Baumgartner aus Tiengen. Wir sind alles überzeugte Küssaburg-Fans und jede Führung ist sehr individuell, da die Führer ihre Tour selbst zusammenstellen und jeder einen anderen Schwerpunkt zur Geschichte der Burg hat. Es macht uns sehr viel Spaß und wir würden uns freuen, wenn wir noch jemand Neuen in unserem Team begrüßen dürften.

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In diesem Jahr waren es sicherlich nicht besonders viele Führungen auf der Burg. Wie sieht ein „normales“ Jahr bei Ihnen aus?

Als wir 2014 mit den Führungen auf der Burg begonnen haben, dachten wir, dass das Interesse zwei bis drei Jahre anhält und dann nachlässt. Aber stattdessen hat sich die Nachfrage mittlerweile von anfänglich 18 Führungen auf durchschnittlich 34 pro Jahr eingependelt. Insgesamt durften wir in diesen sechs Führungsjahren 2.230 Erwachsene und 470 Kinder auf der Burg begrüßen. Dieses Jahr fällt natürlich aus dem Rahmen.

Durch die Corona-Pandemie hatten wir nur fünf Führungen mit maximal zehn Personen. Aber wir freuen uns schon jetzt, im neuen Jahr wieder viele Küssaburg-Interessierte bei uns auf der Burg begrüßen zu dürfen. Außer den bekannten Führungen sind auch wieder die sehr beliebten Nachtführungen vorgesehen. Außerdem ist auch ein Vortrag über das allgemeine Leben im Mittelalter geplant und bei Weiterem Interesse wird dieser Vortrag in einzelne Themen, zum Beispiel Frauen, Adelige, Stadtbewohnerinnen, Bäuerinnen, über Essen und die Mode, Rittertum, Handel und so weiter erweitert.

Gibt es eine Frage, die immer gestellt wird und was ist für Sie die spannendste Frage im Zusammenhang mit der Geschichte der Küssaburg?

Kinder fragen regelmäßig, wo der Kerker war. Erwachsene interessieren sich sehr dafür ob und wo es Geheimgänge weg von der Burg gibt. Für mich persönlich ist es der wahre Hintergrund über die Zerstörung der Küssaburg am 8. März 1934. Mehr verrate ich hier nicht (lacht).

Gibt es einen besonderen Moment, an den Sie sich immer gerne wieder erinnern?

Die Burg bei Nacht und nur im Schein der Fackeln zu erleben ist an sich schon ein unglaublich schönes Erlebnis. Wenn man dann noch nach der Führung mit dem kompletten Führungsteam in historischer Kleidung am Lagerfeuer bei einem Glühwein und Plätzchen steht und sich austauscht, fühlt man sich fast ins Mittelalter zurückversetzt. Ein ganz besonderer Moment war für mich die erste Nachtführung anlässlich eines Events auf der Burg. Meine Familie hat dabei die Rolle der Gespenster samt Kettengerassel und Stöhnen übernommen und das Ganze war dabei so authentisch, dass einem die Gänsehaut über den Rücken gelaufen ist (lacht).

Final würde uns sicher alle interessieren... gibt es eigentlich ein Gespenst oder einen Geist auf der Burg?

Wie gesagt, ich bin doch schon einige Male im Dunkel alleine auf der Burg gewesen und es kann ganz schön gruselig sein, wenn es an allen Ecken und Enden raschelt und man denkt, man hört jemanden schnaufen, aber ein echtes Gespenst oder ein Geist ist mir Gottseidank noch nicht über den Weg gelaufen oder geschwebt, aber wer weiss?