Es ist erst gut vier Monate her, dass der Rhein aufgrund starker Regenfälle deutlich über seine Ufer trat. Aktuell zeigt sich der Fluss allerdings mit einem extrem niedrigen Wasserpegel von einer ganz anderen Seite. „Es gibt immer mal wieder solche Perioden“, informiert Thomas Häfeli, Betriebsleiter der Kraftwerk Reckingen AG. Dank eines doch eher verregneten Sommers sei der Jahresdurchschnitt noch in einem normalen Umfang, erklärt er weiter. Der momentan sehr trockene Herbst sei die Ursache für den niedrigen Pegelstand. Tendenziell, so bestätigt Thomas Häfeli auch, hat der Klimawandel Einfluss auf den Pegelstand des Rheins.

Was gilt als normal?

Auf Höhe der Gemeinde Küssaberg liegt der Jahresdurchschnitt des Rheinabflusses bei circa 440 Kubikmetern pro Sekunde. Einen historisch niedrigen Jahresmittelwert gab es 1949 mit 252 Kubikmetern pro Sekunde. Mit 250 Kubikmetern pro Sekunde zeigt sich der Rhein aktuell mit einem zwar niedrigen, aber dennoch vertretbaren Bereich im Hinblick auf den Jahresmittelwert. Von einem historischen Tiefstand des Rheinabflusses spricht man ab einer Größenordnung von weniger als 200 Kubikmetern pro Sekunde. Während des Hochwassers im Juli lag der Rheinabfluss bei mehr als 1000, am 9. Juli sogar im Maximum bei 1465 Kubikmetern pro Sekunde.

Im Juni 2021 gab es in Rheinheim in Höhe der sogenannten Vogelinsel Hochwasser.
Im Juni 2021 gab es in Rheinheim in Höhe der sogenannten Vogelinsel Hochwasser. | Bild: Tina Prause

Vorteil für Fische

Gut für die Fische und die im Rhein lebenden Insekten ist es, dass der aktuell niedrige Pegelstand in diesem Jahr in die kältere Jahreszeit gefallen ist. Ausgelöst durch einen extrem trockenen Sommer im Jahr 2018, zeigte sich der Rhein-Abschnitt entlang von Küssaberg, ähnlich wie aktuell, damals mit gut 250 Kubikmetern Wasserdurchfluss pro Sekunde. Die anhaltend hohen Temperaturen heizten zudem das Gewässer auf, was ein relativ hohes Fischsterben zur Folge hatte.

An vielen Stellen ragen bereits Steine und Kies aus dem Wasser. Der Rhein hat aufgrund des sehr trockenen Herbstes einen Niedrigstand erreicht.
An vielen Stellen ragen bereits Steine und Kies aus dem Wasser. Der Rhein hat aufgrund des sehr trockenen Herbstes einen Niedrigstand erreicht. | Bild: Tina Prause

Prognosen

Tendenziell ist davon auszugehen, dass sich an der momentanen Situation bis zum Frühjahr nicht viel ändern wird. „Aktueller Niederschlag bleibt erfahrungsgemäß liegen“, sagt Thomas Häfeli und verweist damit auf den kommenden Frost und Schnee. Dabei spielt der Niederschlag im Landkreis Waldshut keine große Rolle für den Rhein und seinen Pegel. Wichtig sind die Schweizer Flüsse Thur und Töss sowie die Alpen und der Bodensee. Hier entscheidet sich, wie viele Kubikmeter Wasser pro Sekunde entlang der Gemeinde Küssaberg den Rhein hinab fließen.