Erdbeeren gehören zu des Deutschen liebster Frucht. Und ich muss ehrlich gestehen, dass 500 Gramm bei uns innerhalb von Minuten aufgegessen sind. Als Kind war ich oft mit meiner Mutter auf einem der vielen Erdbeerfelder zum Selbstpflücken. Heutzutage sind diese Felder fast nicht mehr zu finden. Auch normale Erdbeeranbauflächen kleinerer Betriebe sind rar geworden.

Erdbeeren auf einem Hektar Anbaufläche

Familie Stoll aus Kadelburg hat eine ein Hektar große Anbaufläche und dank des familieneigenen Hofladens, in dem neben vielen anderen regionalen Produkten die Früchte verkauft werden, lohnt sich der Anbau von Erdbeeren in dieser Größenordnung noch. Zum Vergleich – große Anbieter wie zum Beispiel das Hofgut Fritz Wassmer in Bad Krotzingen, deren Verkaufstände wir alle hier im Umkreis kennen, hat rund 200 Hektar Anbaufläche.

Geschmack und Farbe hängen von der Sorte ab

Einige Bereiche des Feldes der Familie Stoll werden frühzeitig mit einem Tunnel oder einem Vlies abgedeckt. Das schützt die Pflanzen vor Kälte und fördert das Reifen der Früchte noch vor dem offiziellen Saisonbeginn um den 20. Mai. Die dadurch bereits reifen Erdbeeren an den Pflanzen sehen unglaublich lecker aus. Geschmack und Farbe, erklärt mir Clemens Stoll, hängen von der Sorte der Pflanze ab und ob sie einjährig oder zweijährig wächst. Das Wetter spielt natürlich auch eine wichtige Rolle. Aktuell arbeiten drei Mitarbeiter auf der Plantage, in der Hauptsaison sind es bis zu acht Personen.

Erdbeeren ernten ist keine leichte Aufgabe. Mir hat es zwar viel Spaß gemacht, aber ich werde sie wohl auch zukünftig lieber frisch kaufen.
Erdbeeren ernten ist keine leichte Aufgabe. Mir hat es zwar viel Spaß gemacht, aber ich werde sie wohl auch zukünftig lieber frisch kaufen. | Bild: Tina Prause

Von dem Feld in den Laden und auf den Teller

Ein echter Vorteil kleinerer Anbauflächen sind die kurzen Wege. Tagfrisch können die Erdbeeren der Familie Stoll verkauft werden. „Idealerweise wird morgens gepflückt, vormittags verkauft und nachmittags der Erdbeerkuchen gegessen“, sagt Clemens Stoll. Dem kann ich nur zustimmen. Ich wollte wissen, ob meine Kindheitserinnerungen an das eher spielerische Erdbeerpflücken realistisch sind und lasse mir erklären, wie Erdbeeren, die für den Verkauf gedacht sind, gepflückt werden müssen und was einen guten Pflücker ausmacht.

Geübter Pflüger schafft 30 Körbchen in einer Stunde

Denn, dass die Erdbeeren zeitnah im Laden verkauft werden können, geht auch nur dank guter Mitarbeiter auf dem Feld, die bereits seit über 20 Jahren für die Familie Stoll arbeiten und ihren Job kennen. „Ein geübter Pflücker“, sagt Clemens Stoll „schafft in einer Stunde drei Paletten mit je zehn Körbchen“. Das sind ungefähr fünf Kilogramm Erdbeeren. Ungeübt kann man auf zwei kommen.

Langsam beginnen die Rückenschmerzen

Ich habe für eine Palette 27 Minuten gebraucht und liege damit sehr stolz knapp unter dem Durchschnitt. Während des Pflückens überlege ich mir Erdbeerkuchen-Rezepte, um nicht auf die beginnenden Schmerzen im Rücken achten zu müssen. Ein leichter Job ist es nicht. Geerntet wird meist von 6 Uhr morgens bis 12 Uhr Mittags.

Riesengroßer Respekt vor der Arbeit

Mein Respekt für die Arbeit, die mit einem Körbchen Erdbeeren verbunden sind, wird riesengroß. Am Wochenende ist Pfingsten und dazu gehört für viele Familien der Erdbeerkuchen, so auch bei uns. Ich freue mich schon, meine frischen Erdbeeren im Hofladen zu kaufen und die eine oder andere respektvoll zu vernaschen, bevor sie auf dem Kuchen landen kann.