Dem aufmerksamen Beobachter sind sicher in den vergangenen Wochen Lastwagen am Ufer des Rheins aufgefallen, die Kies entleerten. Diese hängen nicht, mit den geplanten Renaturisierungs-Maßnahmen im Zuge der Neukonzessionierung des Kraftwerks Reckingen zusammen. Sie sind Teil der Ausgleichs- und Aufwertungsmaßnahmen des Kraftwerks Eglisau, welches bereits 2011 die neue Bewilligung erhalten hat. Bürgermeister Manfred Weber ist wegen der bereits bestehenden Hochwasser-Problematik nicht erfreut über die Kiesschüttungen.

Bagger verteilen anschließend den Kies im Wasser.
Bagger verteilen anschließend den Kies im Wasser. | Bild: Tina Prause

Für das Land Baden Württemberg und den Kanton waren die Kieszugaben auf beiden Seiten des Rheins damals mit die wichtigste Ausgleichsmaßnahme. Mit den Kiesschüttungen will man die vor dem Bau der Kraftwerke vorhandenen natürlichen Abtrag von Steilböschungen nachempfinden, der besonders dem Fischbestand, aber auch sonstigen Wasserlebewesen zugute kommt.

Die aufgeschüttete Kiesinsel in Höhe Rheinheim hat die Strömung bereits im Rhein verteilt.  Bilder: Tina Prause
Die aufgeschüttete Kiesinsel in Höhe Rheinheim hat die Strömung bereits im Rhein verteilt. Bilder: Tina Prause | Bild: Tina Prause

Besonders erfreut ist man in Küssaberg nicht über die Renaturisierungsmaßnahme. Die Gemeinde verfügt über die letzten Kilometer frei fließender Strecke des Rheins und ist aus diesem Grund seit vielen Jahren Schauplatz von diversen Naturschutzmaßnahmen. Was prinzipiell positiv gesehen wird. Bei den nun angelaufenen Kiesschüttungen hatte sich die Verwaltung allerdings mit mehreren Gemeinderatsbeschlüssen dagegen ausgesprochen.

Verschlechterung der Hochwassersituation

„Dabei stellen wir nicht die ökologische Verbesserung in Frage“ stellt Bürgermeister Manfred Weber klar. „Wir befürchten eine Verschlechterung der ohnehin laufend gegebenen Hochwassersituation“, so der Bürgermeister zu den seit diesem Jahr laufenden Schüttungen. Gerade im Frühjahr beobachten Bürgerinnen und Bürger den Pegelstand des Rheins besonders kritisch, der dann durch die Kombination aus Schneeschmelze und anhaltender Regen gerne mal über das Ufer geht. Nicht selten sind es nur wenige Zentimeter, die die direkten Anwohner von der Überflutung trennen.

Das könnte Sie auch interessieren

Testzugaben, um unter anderem zu sehen, wie sich der Rhein durch Kieszugaben verändert, fanden bereits im Jahr 2001 unterhalb des Kraftwerks Reckingen statt. Die positiven Erfahrungen hieraus konnten allerdings die Bedenken der Gemeinde nicht vermindern. Das Land Baden Württemberg geht weiterhin davon aus, dass ein Großteil des zugegebenen Kies noch vor Eintreffen des Hochwassers durch den Fluss weiter befördert wird.

Das könnte Sie auch interessieren

Neben dem Ansteigen des Pegels, befürchtet die Gemeinde, eine Beeinträchtigung für Flora, Fauna und Habitate durch den nun mehrmals jährlich fahrenden Kiesverkehr. Diesem versucht man bestmöglich entgegenzuwirken. In diesem Jahr wurden an zwei Stellen des Rheins zwei Kiesinseln „geschüttet“. Unterhalb des Ortsteil Reckingen wurden an drei Tagen 1700 Kubik verarbeitet. Weiter unten in Rheinheim, in Höhe des Gemeindezentrums waren es 1200 Kubik. Diese Insel ist dank der aktuell starken Strömung bereits nicht mehr zu sehen. Das Material hat sich, so wie geplant, im Rhein verteilt.

Die Kiesschüttung

Für jede Kiesschüttung werden drei Arbeitstage eingeplant. Gut 60 Laster-Ladungen werden pro Insel benötigt. Eine weitere Stelle für Kiesschüttungen ist im Bereich Weidengrien auf der Gemarkung Kadelburg. Hier handelt es sich um ein Naturschutzgebiet. Die nächste Kiesschüttung ist im Herbst 2020 geplant.