In Kadelburg setzt die Barz-Fähre über den Rhein, traditionell und ganz ohne CO2-Ausstoß. Einzig die Rheinströmung treibt das Boot an einem Drahtseil von einem Ufer zum anderen. Diese einzigartige grenzüberschreitende Rheinüberquerung leisten sich die Gemeinden Küssaberg und Bad Zurzach in der heutigen Form seit 1972. Die Fährverbindung besteht ursprünglich seit 1451, und als Fährschiff diente damals ein Weidling. Bis 1907 war als Personenfähre eine Wagenfähre im Einsatz, ihre Zufahrten sind heute noch gut erhalten.

Anlege Manöver: Marcel Wyss hat das Fährboot an der Schweizer Seite angelegt.
Anlege Manöver: Marcel Wyss hat das Fährboot an der Schweizer Seite angelegt. | Bild: Karin Wichert

Der Pontonierverein Bad Zurzach sorgt dafür, dass die Fähre in Betrieb bleibt. 14 Schweizer wechseln sich als Pontoniere mit Motorboot-Lizenz ab. Sie laden jeweils samstags und sonntags von Mai bis Mitte Oktober, 14 bis 17 Uhr, zur Rheinüberquerung ein. Heute ist am Ruder Marcel Wyss, er findet: „Es ist immer wieder faszinierend, wie nur mit dem Naturantrieb und in Ruhe alles funktioniert und zusammenspielt“. Nahezu geräuschlos legt er das Boot vom Ufer ab und dreht es in die Strömung. Die Stromschnelle im Rhein unterstützt sogar die Querfahrt am Seil die Geschwindigkeit zu beeinflussen. „Einzig genügend Wasserstand benötigt es, dann ist die Querung gesichert“, so Wyss.

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An den Anlegestellen hängen jeweils Glocken. Sie bitten wie seit Jahr und Tag den Bootsführer: „Fährmann hol‘ über.“ Bis zu 20 Personen fasst das Schiff und sogar Fahrräder finden auf der Fähre Platz. Somit können es in einer Saison 800 bis 1000 Personen sein. „Der optimale Wasserstand liegt zwischen 500 m3/s – 1000 m3/s“ erklärt Willi Wyss, Obmann des Pontonier-Teams.

Gierseil wird eingefettet

Damit das Boot schön „giert“, fetten die Männer vom Pontonierverein vor jeder Saison das Gierseil quer über den Rhein ein. Es hängt fünf Meter über dem Wasserspiegel. Den Männern wird dabei einiges abverlangt – wenn gleich Routine und Erfahrung den Vorgang erleichtern. Marcel Wyss legt das Boot behutsam in der Nähe der Barzmühle auf der Schweizer Uferseite an und sichert es mit dem Seil am Erdpfosten ab. Es warten bereits wieder Ausflugsgäste für die nächste Flussquerung nach Kadelburg. „Meine kuriosesten Gäste waren eine Hochzeitsgesellschaft und ein Junggesellenabschied mit Wägeli“, erzählt Marcel Wyss“. Da es jetzt eine Fahrpause geben wird, greift er zur Gitarre und verzaubert die Natur mit melancholischen Akkorden.

Letzte Fahrt in Saison

Der letzte Fährtag der Barz-Fähre war am 14. Oktober. Bis zum Saisonstart im Mai 2020 wird das Boot aus dem Wasser gehoben und ins Winterquartier im Hof des Tiefbauamts in Bad Zurzach transportiert. Übergesetzt wird von Mai bis Mitte Oktober, samstags und sonntags, 14 bis 17 Uhr.