Schon in ihrem Wahlprogramm hatte die Ortsgruppe der Partei Bündnis 90/Die Grünen das Thema Carsharing angesprochen und auch direkt nach der Kommunalwahl beantragt, das Thema auf die Tagesordnung des Gemeinderats aufzunehmen. Bereits in einigen Städten und Gemeinden, wie beispielsweise Waldshut-Tiengen oder Jestetten, wurde das Konzept erfolgreich eingeführt und wird auch rege genutzt. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats haben nun Michael Nowack, Geschäftsführer von My-E-Car, und Cornelia Kammerlander von Stadtmobil CarSharing Südbaden das Konzept vorgestellt.

So würde Küssabergs erste Carsharing-Auto aussehen: Ein Renault Zoe.
So würde Küssabergs erste Carsharing-Auto aussehen: Ein Renault Zoe. | Bild: Tina Prause

Grob zusammengefasst, würde die Gemeinde Küssaberg mit einer Rate von monatlich 695 Euro einen Renault Zoe mit Elektromotor leasen. „Das ist ein komplett alltagstaugliches Auto“, stellte es Michael Nowack dar. Die erste Stunde „leihen“ kostet mit seinem Modell fünf Euro, jede weitere Stunde vier Euro. Am Abend sind die Tarife günstiger. Ab der zweiten Stunde liegen die Leihgebühren bei zwei Euro pro Stunde. Pro Stunde sind 50 Kilometer frei, die man über die Leihdauer flexibel aufteilen kann. Jeder weitere Kilometer kostet 0,33 Cent. Vor dem ersten Leihen des Autos muss der Führerschein kontrolliert werden.

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Etwas kritisch äußerte sich ein Teil des Gemeinderats über den bürokratischen Aspekt eines solchen Projekts. „Ich sehe da noch einen recht hohen Verwaltungsaufwand dahinter“, sagte beispielsweise Dieter Tritschler. Weiter wurden intensiv die Fragen diskutiert, ob der Bedarf in Küssaberg wirklich vorhanden sei und wie das Konzept umsetzbar wäre.

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Cornelia Kammerlander hat die Unterstützung durch eine Initiativgruppe empfohlen, die das Projekt mit auf den Weg bringen sollte. „Ich glaube, es ist eine positive Grundstimmung vorhanden“, fasste Liselotte Noth die Diskussion zusammen. Als nächster Schritt soll die mögliche Struktur der Initiativgruppe vorgestellt werden, die mittlerweile Rolf Küpfer, Peter Niemann und Susanne Böger gegründet haben. Interessierte Bürger können sich per E-Mail (mobilitaetinkuessaberg@gmx.net) an das Team wenden.

„Die Lebensqualität steigt“

Peter Niemann und Susanne Böger, Mitbegründer der Initiativgruppe „Mobilität in Küssaberg“, sprechen über das Carsharing.

Warum macht Ihrer Meinung ergibt das Konzept Carsharing in einer Gemeinde wie Küssaberg Sinn?

Peter Niemann: Nachhaltige Mobilität ist ein topaktuelles Thema. Flexibel und umweltverträglich mobil zu sein, bedeutet auch eine Verbesserung der Lebensqualität.

Susanne Böger: Mit Carsharing könnten wir weniger Autos vor den Häusern haben, so auch den Geldbeutel der Einwohner entlasten und automatisch bewegt man sich mehr. Die Lebensqualität steigt.

Wie wichtig ist Ihnen und der Initiative hierbei die E-Mobilität?

Susanne Böger: E-Mobilität ist eine Alternative, vor allem hier, wo wir am Rhein leben und 100 Prozent regenerativen Strom aus dem Wasserkraftwerk beziehen können. Man kann sich so an die E-Mobilität herantasten. Außerdem haben wir hier in Küssaberg bereits gute Voraussetzungen mit bereits zwei vorhandenen Ladestationen – eine davon ja sogar eine Schnellladestation.

Wo sehen Sie und die Initiative die Zielgruppe für ein solches Projekt?

Peter Niemann: Mit einem Carsharing-Modell vor der eigenen Haustür würde die Gemeinde unter anderem für junge Familien noch attraktiver. Ob für den Wocheneinkauf, Termine mit Kindern oder für Besuche bei der Verwandtschaft. Nur die wenigsten Menschen benötigen ihr Auto rund um die Uhr. Grundsätzlich ist Carsharing aber vor allem für Wenig- und Gelegenheitsfahrer preislich interessant.