Seit gut einem halben Jahr leeren die Kinder des Waldkindergartens täglich die von ihnen aufgestellten Aschenbecher an den fünf Bänken entlang ihres Weges von der Bushaltestelle bis zu „ihrem“ Wald und einer Himmels-Liege. „Der Dorfputz gab die Initial-Zündung“, sagt Dagmar Schöpflin, die Leiterin des Waldkindergartens der evangelischen Kirchengemeinde. Gemeinsam mit zwei weiteren Erzieherinnen, ein paar Kindern und deren Eltern hatte sie an der Aufräum-Aktion teilgenommen.

Eine weggeworfene Zigarettenkippe verseucht bis zu vierzig Liter Grundwasser. Mit der Einweisung zu Beginn der Putzaktion wurde diese Information an die fleißigen Helfer weitergegeben. Das und die hohe Anzahl achtlos weg geworfener Kippen gerade an Grill- und Rastplätzen haben bei allen Eindruck hinterlassen.

Großes Ärgernis

Die Problematik vermüllter Grillplätze war schon mehrfach Thema im Gemeinderat. Immer wieder wurden mehr Möglichkeiten zum korrekten Entsorgen auch von Zigaretten-Kippen gefordert. Für Bürgermeister Manfred Weber steht fest, dass „die Sauberkeit unserer Gemeinde wichtig ist“. Weiter erklärte er allerdings auch: „Unsere Kollegen des Bauhofs sammeln im Vergleich zum Jahr 2000 mittlerweile die dreifache Müllmenge in der doppelten Zeit.“ Oft seien auch illegal entsorgter Hausmüll in öffentlichen Müllbehältern oder ganze Müllsäcke direkt daneben abgestellt. Es ist „eine Riesenarbeit, die unser aller Respekt verdient. Aber mehr geht einfach nicht“, betont der Bürgermeister.

In der Gemeinde Murg soll ein Bauernhof-Wald-Kindergarten entstehen. Es wird zwar einen Schutzraum geben, aber die Kinder sind vor allem draußen in der Natur unterwegs. Im Bild die Kinder des Waldkindergartens Küssaberg.
In der Gemeinde Murg soll ein Bauernhof-Wald-Kindergarten entstehen. Es wird zwar einen Schutzraum geben, aber die Kinder sind vor allem draußen in der Natur unterwegs. Im Bild die Kinder des Waldkindergartens Küssaberg. | Bild: Tina Prause

„Bewusstsein schaffen“

Unabhängig davon beschlossen Dagmar Schöpflin und ihr Team aktiv zu werden. „Es war auch das Anliegen der Kinder“ erinnert sie sich an die Reaktionen derer, die bei der Putzaktion dabei waren. „Man muss Bewusstsein schaffen“, findet sie. Mit zwei Wasserkanistern des Waldkindergartens, die zusammen exakt vierzig Liter Wasser beinhalten, wurde den Kindern erklärt, was ein kleiner Zigaretten-Stummel anrichten kann. Die Kinder bemalten kleine Tongefäße, füllten sie mit Sand und stellten sie zusammen mit einem Erklärschild auf jede Bank.

Positives Fazit

Jetzt, zum Saisonende, ist das Fazit des Waldkindergartens durchweg positiv. Die Zigarettendiener werden tatsächlich genutzt und es liegen kaum noch Stummel auf dem Boden. Kein Gefäß wurde zerstört, weggeworfen oder ähnliches. Die Kinder leeren fast täglich mit Hilfe einer Pinzette die Aschenbecher und lernen so „ich kann was bewirken“. Auch bei den Eltern kommt das Projekt sehr gut an. „Meine Tochter hat mir erklärt, dass gerade bei der Himmelsliege besonders viele Kippen rumlagen. Jetzt ist das nicht mehr der Fall, denn die Leute schmeißen sie in den Kippendiener“, berichtet Andrea Sutter.

In Kürze werden die Akteure des Waldkindergartens ihre Kippendiener wieder abbauen, im Frühjahr werden sie erneut aufgestellt.

Hohe Belastung

Man sagt, dass eine achtlos weggeworfene Kippe ungefähr 15 Jahre braucht, bis sie sich zersetzt. In dem benutzten Filter sind viele Schadstoffe wie beispielsweise Nikotin, Arsen oder Blei. Einmal weggeworfen, gelangen diese Stoffe in die Böden und so ins Grundwasser. Weiter können Tiere die Stummel mit Nahrung verwechseln, was im schlimmsten Fall bis zum Tod führen kann.