Rheinheim, Reckingen, Bad Zurzach – Heike Mihailowitsch hätte viele Orte nennen können, die die Weltläufigkeit des MV Rheinheim aufzeigen. Fürs Herbstkonzert hatte man sich „Juliana“ aus den Niederlanden geangelt und, so David Graf, „Tönje for Tönje guude Kwaliteit“ plus reichlich Schmunzelbeilage vorbereitet.

Kraftvoll eröffneten die Rheinheimer Blasmusiker und das Schlagwerk mit „Olympic Fanfare And Theme“, dann schlossen sich die Holzbläser an und vereinten sich zu einem temperamentvollen Anfangsstatement. Fang Ihlow erläuterte, dass es nun ein „bizzle international“ werde. Beim „Geburtstagsmarsch“ – vor zehn Jahren erfolgte die Ausgründung einer „Juliana-Sitzgruppe“ – fielen die bereitstehenden Holländer spontan singend ein. Im folgenden „Bahir Blues„ warfen sich Urban Velten (Trompete), Markus Fricke (Posaune) und David Graf (Schlagzeug) mitreißende Soli zu.

Fabian Karlsch offerierte nun „Blumen aus Amsterdam„, die es sodann in flirrenden Klarinetten-Girlanden regnete. Zum „King of Swing“ rief David Graf seinen Dirigenten aus, der mit „Swinging Kilts“ auch den kleinen Zeh im hintersten Winkel des Saals in Wipp-Modus versetzte. Die beiden „Julianer“ Gert Jan und Wilbert van Arendonk gesellten sich für „See You Later Alligator“ mit Mundharmonika beziehungsweise Baritonsax hinzu. Die glänzenden Soli wurden im Schlussakkord von Lena Graf (Baritonsax) eiskalt pariert.

Es war nun das Ensemble „Juliana“ an der Reihe. Gert Jan, nach eigenen Angaben Absolvent der „Rudi-Carell-Sprachschule“, warnte vor den „dramatischen Deutsch-Ansagen“ seiner Mitstreiter. Understatement und feinste Lakonie würzten fortan die exquisiten Darbietungen. „Innuedo“ von Queen breitet hochkomplexe Rhythmen und Harmonien mit abrupten dynamischen Wechseln aus. Ein 5/4-Takt wird phasenweise von einer Instrumentengruppe gegen das restliche Orchester konterkariert.

Entfesselt: Tuba (Ralf Hoffahrt) gibt den Klarinetten die Sporen, Wilbert van Arendonk bemüht sich erfolgreich um den musikalischen Zusammenhalt.
Entfesselt: Tuba (Ralf Hoffahrt) gibt den Klarinetten die Sporen, Wilbert van Arendonk bemüht sich erfolgreich um den musikalischen Zusammenhalt. | Bild: Hans-Jörg Seilacher

Das Fehlen von Klarinetten verhalf in „Pacific Dreams„ den Querflöten zu Präsenz, führte jedoch bei „Clarinet Polka“ zu allgemeiner Ratlosigkeit. Eine Abordnung des Musikvereins sprang ein, kurze Unterweisung durch Maestro Wilbert. Dann allerdings ergriff Ralf Hoffahrt mit der Basstuba die Initiative und jagte über die Bühne. Die gemeinsam vorgetragenen Nationalhymnen beendeten den Konzertabend.

Openair-Konzert

Am 25. Juli 2020 steht dem Musikverein Rheinheim ein einzigartiges Großprojekt ins Haus: ein Openair-Konzert in der Kiesgrube der Firma Tröndle. Die Aktiven proben freitags ab 19.45 Uhr in der ehemaligen Zehntscheuer in Rheinheim und freuen sich über Wiedereinsteiger in Sachen Blasmusik.