Küssaberg – Wer durch das geschmiedete Eingangstor in den Garten des Schloss Zurzach eintritt, der passiert das Vermächtnis von Hansjörg Stöckl. „In den geschmiedeten Arbeiten rund um das Schloss steckt mein Charakter", sagt der Kunstschmied aus Küssaberg. Das alles ist zwar schon eine Weile her, von seiner Kreativität im Handwerk hat der gebürtige Tiroler seitdem nichts verloren. Durch Hämmern, Pressen oder Verdrehen verformt Stöckl in seiner Kunstschmiede seit 1980 Stahl, Kupfer oder Messing. Im Feuer geschmiedet entstehen dadurch geschwungene Balkongeländer, bronzene Briefkästen oder kunstvolle Lampen – alles individuell angefertigte Einzelstücke.

Doch das ist nicht das Einzige, was in der Werkstatt im Ortsteil Kadelburg produziert wird. Der Beruf hat sich die Jahre über gewandelt, die Kunden verlangen nach schnell produzierten Metallwaren. „Unser Ziel ist es deshalb, die Schmiedekunst mit dem modernen Metallbau zu verbinden", sagt Stöckl. Der Betrieb verfügt deshalb über einen Experten in der Arbeit des Metallbaus, der glücklicherweise aus der Familie kommt. Christian Stöckl tritt im Familienunternehmen in die Fußstapfen seines Vaters, im vergangenen Jahr schloss er seinen Meister ab. „Der Metallbau zeichnet sich durch geradlinige Formen aus, wir machen unter anderem Überdachungen und Treppengeländer. Das moderne Aussehen kann bei uns aber auch mit geschmiedeten Stücken verbunden werden", sagt der junge Handwerker.

Das persönliche Gespräch mit dem Kunden ist für die handwerkliche Umsetzung entscheidend. Der Entwurf wird selbstgezeichnet, oft in Originalgröße, und dem Kunden präsentiert. Bis das Werk fertig ist, kann die Arbeitszeit je nach Umfang ein Vierteljahr dauern. Dann sind die Wünsche des Kunden umgesetzt und die Qualität geht nicht verloren, so Christian Stöckl. Unterstützt werden die beiden durch ihren Lehrling Pascal Sackmann, der als Klassenbester in der Berufsfachschule Waldshut ausgezeichnet wurde. „Ich bin begeistert. Wenn das so bleibt, dann gibt es eine gute Mannschaft", sagt Hansjörg Stöckl, dem in diesem Jahr auch eine besondere Anerkennung zuteil wurde. 40 Jahre Meisterarbeit im Handwerk: Dafür bekam der 64-Jährige den goldenen Meisterbrief verliehen.

So lange ist auch seine Frau Astrid mit dabei, die im Unternehmen die Arbeit im Hintergrund regelt. Sie ist der eigentliche Chef des Betriebs, sagt ihr Mann schmunzelnd. Damit die Arbeit auch in der Zukunft nicht zum Erliegen kommt, hat sich die Kunstschmiede zertifizieren lassen. Damit werden neben den Privatkunden nun auch deutlich mehr öffentliche Aufträge bearbeitet. Wer sich von der Qualität der Arbeiten überzeugen will, wird in den Ausstellungsraum geführt. Hier befinden sich geschmiedete Kunstwerke von Hansjörg Stöckl. Wer seine Geschichten zu den Stücken erzählt bekommt, der weiß, dass in jedem dieser Werke genauso viel Charakter steckt, wie im eisernen Eingangstor des Schlosses Zurzach.