Wohnen auf dem Land verbindet man im Allgemeinen mit Natur und Ruhe. In vielen Ortschaften sieht das mittlerweile anders aus, wie zum Beispiel in Küssaberg. Seit Jahren wird die Gemeinde mit einem konstant steigenden Verkehrsaufkommen konfrontiert und somit auch mit einer erhöhten Lärm-, Abgas- und Feinstaubbelastung. Bis zu 12.000 Fahrzeuge nutzen täglich die Hauptverkehrsstraßen, nicht wenige davon sind Lastwagen. Hauptsächlich betroffen sind die L 161 von der Abzweigung nach Ettikon bis zum Kreisel in Rheinheim und die L 162 in Rheinheim/Zurzacher Straße. 

Eine Entlastung durch den Bau einer Umgehungsstraße, wie es in manch anderer Gemeinde möglich ist, scheide in Küssaberg allein von der Topographie her aus, und auch der Bau eines Tunnels sei rein finanziell keine Option, hieß es in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Nun soll ein sogenannter Lärmaktionsplan für Küssaberg Hilfe bringen.

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Das Unternehmen Rapp Trans AG, vertreten durch Wolfgang Wahl, präsentierte dem Gemeinderat in der Sitzung die heutigen Möglichkeiten durch die Beauftragung eines solchen Plans. Wurde beispielsweise vor fünf Jahren noch der von der Gemeinde Küssaberg gestellte Antrag für ein Tempo-40-Limit von der Verkehrsbehörde abgelehnt, stehen die Chancen heute aufgrund der neuen gesetzlichen Lage besser. Das hängt unter anderem mit der Neufassung des „Kooperationserlasses Lärmaktionsplanung“ vom 29. Oktober 2018 zusammen.

Anwohner in Kadelburg versteht bei offenem Fenster sein eigenes Wort nicht

Die Notwendigkeit eines solchen Plans machten auch die anwesenden Anwohner der betroffenen Straßen deutlich. Schon zu Beginn der Sitzung nutzten sie die Möglichkeit, in der öffentlichen Frageviertelstunde für Bürger ihrer Hoffnung Ausdruck zu verleihen, die sie in einen solchen Lärmaktionsplan setzen. Bernhard Reichmann, ehemaliges Gemeinderatsmitglied und betroffener Anwohner in Kadelburg, schilderte eindrücklich die Situation: „Wer von Ihnen hat schon einmal morgens oder abends zum Lüften die Wohn- oder Schlafzimmerfenster geöffnet und dabei schlagartig sein eigenes Wort nicht mehr verstanden?“

Das Gremium sprach sich für die Aufstellung eines qualifizierten Lärmaktionsplanes aus, die auch die gesamte Ortsdurchfahrt Rheinheim erfassen soll, ebenso wie die Ortsdurchfahrten Dangstetten und Bechtersbohl. Die ersten Grundlagenergebnisse des Büro Rapp Trans AG werden bis zum Frühjahr 2020 erwartet. Danach folgt eine Beteiligung der Öffentlichkeit und der Behörden.

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