„Da habt ihr ja einen tollen Fang gemacht“, ließ sich eine Besucherin nach einem der ersten Gottesdienste vernehmen, die Pfarrer Marcus Maria Gut in Küssaberg vor zwölf Jahren gefeiert hatte: eine mächtige Stimme, eine Direktheit der Ansprache, die jedem vermittelte: Du bist gemeint.

Seine tieferen Qualitäten lernte man in den folgenden Jahren kennen. Ein Mensch, der seine ganze Energie unter das Zeichen seiner Glaubensgewissheit stellt und der sich selbst nicht schont, wenn er Bedarf an Trost und Zuwendung spürt.

Nicht nur die eifrigen Kirchgänger konnte er schon bald mit Namen begrüßen, er hatte auch viele persönliche Lebensumstände jederzeit parat – zumal die schwierigen und traurigen. Wer wüsste besser als ein Seelsorger, wie schwer Gemütsverfassung in Worte zu übersetzen ist, und doch ist es für die Küssaberger über Konfessionsgrenzen hinweg undenkbar, dem scheidenden Hirten keinen Gruß ins Reisegepäck zu schmuggeln.

Welch ein Glück, ihn in den vergangenen Jahren bei uns gehabt zu haben, welch ein Chance für die Kirche, durch solch einen Streiter menschlich erkennbar zu bleiben. Wer sich auch nur sporadisch diesem Mann und seiner Sache geöffnet hat, der konnte den tieferen Sinn der Institution und ihrer Traditionen erleben.