Das kleine Mädchen will ganz genau wissen, wie denn die Töne entstehen, die offensichtlich das Publikum verzaubern, und blickt gebannt in den hölzernen Kasten. Und Papa erklärt geduldig das Innenleben einer Drehorgel. Unter den Bäumen vor dem Verena-Münster in Bad Zurzach entlocken derweil die Örgeli-Mannen Ueli und Markus ihren „mechanischen Musikinstrumenten“ – was die Drehorgeln gemäß Wikipedia sein sollen – eine gar sehnsuchtsvolle Melodie. Was das daneben an den Baum gelehnte Gummiboot soll, sei dahingestellt. Vielleicht gehört‘s ja zum Antiquitäten- und Flohmarkt, der – zusammen mit den Drehorgeln – den Kur- und Badeflecken am Samstag buchstäblich in Nostalgie versinken lässt.

Zwischen Münster und reformierter Kirche, in der Hauptstrasse und der Schwertgasse, haben sich zwischen unzähligen Antiquitäten- und Flohmarktständen – sowie natürlich Verpflegungsständen – rund ein halbes Hundert Örgelimänner und Örgelidamen eingefunden. Die Herren meist in würdigem Gewande, mit Gilet und Uhrkette und Zylinder oder witterungsmäßig besser passender „Strohkreissäge“ auf dem Kopfe. Die Damen in eleganten Roben und zuweilen mit einem verwegenen Hütchen. Und erst die Melodien, die sie ihren prächtigen Drehorgeln entlocken. Das Repertoire reicht von „Amazing Grace“ über das unverwüstliche „Kufsteinerlied“ bis hin zu „Marina, Marina“ oder „Mariechen saß weinend im Garten“.

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Aus dem solothurnischen „Buechibärg“ ist Roland Schwab mit seiner Drehorgel angereist. „Weil es mir gefällt“, entgegnet er auf die sinnreiche Frage, weshalb er denn Drehorgel spiele. „Mein Großonkel hatte eine Drehorgel. Die kam bei Familienfesten stets zum Einsatz. Das hat mich inspiriert. Zu meinem 40. Geburtstag habe ich mir dann selber eine Drehorgel gekauft. Mittlerweilen habe ich deren fünf. Mich fasziniert das einfache System, mit dem man, ohne Strom, eine solche Musik machen kann.“ Und lachend verrät er: „Meine Orgel hat 31 Tonstufen und 124 Pfeifen – die 125. dreht an der Kurbel.“

Video: Louis Probst (Badener Tagblatt)

Mit Drehorgel, aber auch Gitarre, Kontrabass und Akkordeon, haben sich die „Stammtischler“ vor dem Brunnen in der Schwertgasse postiert. Mit Ohrwürmern wie etwa dem „Alten Jäger vom Silbertannental“ begeistern die gesetzten Herren das Publikum. „Wir haben mehr als hundert Lieder im Programm“, meint einer der „Stammtischler“ und dreht sich mit einer Besucherin in einem spontanen Tänzchen.

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Auch der Antiquitäten- und Flohmarkt lässt kaum Wünsche offen. Die Vielfalt reicht von Großvaters Hobel bis zu Blechformen für Osterhasen. Und was ist wohl aus jenem Hans Binder geworden, dessen Diplom für die 1923 mit einer Note von 1,36 bestandene Abschlussprüfung als Kaufmann auf dem Flohmarkt gelandet ist?

„Super“, freut sich jedenfalls, kurz vor dem Schlusskorso der Drehörgeler, Josef Haus vom Gewerbeverein Rheintal-Studenland, der für die Durchführung des Drehorgeltreffens und des Antiquitätenmarktes verantwortlich zeichnet. „So viele Leute. Es ist toll. Ich bin sehr zufrieden. Auch das Drehorgelkonzert vom Freitagabend war ein Riesenerfolg.“

Video: Louis Probst (Badener Tagblatt)