Die Suche nach Kandidaten für die Wahl des Gemeinderats in Küssaberg wird von Mal zu Mal schwieriger, da sind sich alle Parteien in Küssaberg einig. „Früher hat da mal ein richtiger Wahlkampf stattgefunden“, erinnert sich Gemeinderat Bernhard Reichmann (SPD). Er wird nach 30 Jahren Kommunalpolitik in diesem Jahr nicht mehr kandidieren und sucht, genauso wie die anderen Parteien, Bürger, die bei der Wahl im Mai als Kandidaten antreten möchten. Nach derzeitigem Stand werden Bernhard Reichmann und Sascha Stauch (beide SPD), Brigitte Rossa, Peter Graf und Arthur Ips (alle CDU) nicht mehr für den Gemeinderat kandidieren. Für das Küssaberger Gremium sind 18 Sitze zu vergeben.

Bernhard Reichmann (SPD) war 30 Jahre Gemeinderat.
Bernhard Reichmann (SPD) war 30 Jahre Gemeinderat. | Bild: SK-Archiv

Bei der Küssaberger SPD sieht die Situation laut Bernhard Reichmann so aus: „Wir haben zwei Zusagen und vier Personen, die sich noch nicht entschieden haben. Mit sechs Kandidaten wäre ich zufrieden. Ideal wären acht.“ Ähnlich beschreibt Jürgen Fesser die Lage bei Bündnis 90/Die Grünen: „Wir haben einige Interessenten, aber bisher nur zwei definitive Zusagen. Da sollte schon noch was gehen. Mein Wunsch wären acht oder neun Kandidaten, gerne mehrheitlich Frauen.“ Für die CDU-Liste gibt es laut Clemens Stoll vier neue Kandidaten: „Wir brauchen noch mehr Kandidaten, gerade in Rheinheim und Kadelburg und gerne Frauen. Insgesamt acht wären super.“

Peter Graf (CDU) war zehn Jahre Gemeinderat.
Peter Graf (CDU) war zehn Jahre Gemeinderat. | Bild: SK-Archiv

Das aktuelle Gremium blickt auf große Projekte, wie zum Beispiel das neue Feuerwehrgerätehaus in Rheinheim oder den neuen Kreisverkehr mit allen umliegenden Baustellen in Kadelburg, zurück. Die neue Reckinger Gemeindehalle und der Bau der Schulmensa und damit verbunden die Umstellung auf die Ganztags-Grundschule haben optimal funktioniert. Auch die Modernisierung der Gemeinschaftsschule und damit verbundene Investitionen, die aktuell bis ins Jahr 2020 reichen, waren ein großes Thema.

Sascha Stauch (CDU) war fünf Jahre Gemeinderat.
Sascha Stauch (CDU) war fünf Jahre Gemeinderat. | Bild: SK-Archiv

Nicht zu vergessen sind die Bauprojekte zur Sanierung der Trink- und Abwasserversorgung. Hinzu kommen viele weitere Themen, die der Gemeinderat zusammen mit der Verwaltung bespricht und dann entscheidet, damit das Gemeindeleben weiterhin gut funktioniert. Egal, ob es darum geht, wird ein Baum am Campingplatz in Reckingen gefällt oder nicht, wie ist der Zustand unserer Feld- und Wanderwege, die Kindergartengebühren oder die Anschaffung neuer Fahrzeuge für den Bauhof – der Gemeinderat entscheidet auch hierüber.

Arthur Ips (CDU) war 30 Jahre Gemeinderat.
Arthur Ips (CDU) war 30 Jahre Gemeinderat. | Bild: SK-Archiv

Mit der Entscheidung mancher Mitglieder, nicht mehr zu kandidieren, geht einiges an Wissen verloren. „Gerade die ganzen Informationen über die Gemeinde werden mir sicher fehlen“, sagt Brigitte Rossa, die auch stellvertretende CDU-Ortsvorsitzende ist, mit einem lachenden und einem weinenden Auge zu ihrer Entscheidung, nicht mehr zu kandidieren. Sie bedauert sehr, dass es nach wie vor schwierig ist, Frauen von einer Arbeit als Gemeinderat zu überzeugen und hofft, dass sich doch noch die eine oder andere Person für das Amt interessiert.

Brigitte Rossa (CDU) war 20 Jahre im Gemeinderat.
Brigitte Rossa (CDU) war 20 Jahre im Gemeinderat. | Bild: SK-Archiv

„Es macht schon ein bisschen stolz“

Brigitte Rossa sitzt seit 20 Jahren als Mitglied der CDU-Fraktion im Küssaberger Gemeinderat. Sie will nicht mehr antreten, hofft aber, dass auch wieder Frauen dem neuen Ratsgremium angehören werden.

Frau Rossa, was macht, Ihrer Meinung nach, die Arbeit im Gemeinderat aus?

Die Arbeit im Gemeinderat ist sehr vielseitig. Man lernt die Gemeinde sehr gut kennen, das finde ich toll. Und bis zu einem gewissen Grad entscheidet man mit, was in der Gemeinde geschieht. Es macht schon ein bisschen stolz, wenn man durch die Gemeinde geht und weiß, man hat die eine oder andere Entwicklung mit auf den Weg gebracht.

Woran könnte es liegen, dass es immer schwieriger wird, Kandidaten für den Gemeinderat zu finden, speziell Frauen?

Es ist ähnlich wie bei den Vereinen: Immer weniger Menschen möchten Verantwortung für ein Amt übernehmen. Das ist sehr schade. Und dann ist da sicher auch noch ein gewisser Politik-Frust da. Zudem fühlen sich gerade Frauen mit Kindern und Beruf oft schon gut ausgelastet. Aber ich habe das vor 20 Jahren auch geschafft.

Was ist, wenn Interessenten für eine Kandidatur noch nicht von einer Partei angesprochen worden sind?

Man kennt natürlich nicht alle Bürgerinnen und Bürger. Meist haben wir schon jene Personen angesprochen, die wir kennen. Für alle, die sich, egal ob verbindlich oder unverbindlich, über die Arbeit im Gemeinderat informieren wollen, stehen wir Ratsmitglieder gerne für Gespräche zur Verfügung.

Fragen: Tina Prause