Der Schock in der Bevölkerung ist noch immer spürbar: Mitten im beschaulichen 200-Einwohner-Dorf Riedichingen, einem Ortsteil von Zell im Wiesental, wurde am Abend des 28. April 2020 ein 38-Jähriger getötet, zwei weitere Männer verletzt. Die beiden mutmaßlichen Täter flüchteten, konnten aber einen Tag später in Frankfurt am Main festgenommen werden.

Nun hat die Staatsanwaltschaft Waldshut-Tiengen ihre Ermittlungen abgeschlossen und erhebt Anklage gegen die zwei 27 und 22 Jahre alte Männer bulgarischer Staatsangehörigkeit beim Schwurgericht des Landgerichts Waldshut-Tiengen. „Wegen des Verdachts des Mords, des versuchten Mords, des schweren Raubs mit Todesfolge, des schweren Raubs und der gefährlichen Körperverletzung„, wie die Staatsanwaltschaft in einer Mitteilung informiert.

Rekonstruktion der Ereignisse

Zur Begründung der Anklage schreibt die Staatsanwaltschaft, dass die beiden Brüder zu einer Gruppe von Bauarbeitern derselben Firma gehört, die in einer Unterkunft in Zell-Riedichen nächtigten und tagsüber Arbeiten in der Gegend durchführten. „Ihnen wird vorgeworfen, geplant zu haben, zwei ihrer ebenfalls in der Unterkunft wohnenden, türkischen Kollegen zu töten, um in Besitz ihres Bargelds und ihrer Wertgegenstände zu gelangen.“

Mit Brutalität seien die Angeklagten am Abend des 28. April vorgegangen, wie die Staatsanwaltschaft weiter beschreibt: So hätten sich die Brüder zu diesem Zweck mit zwei Rundholzstangen von einem Nachbargrundstück bewaffnet. Anschließend hätte jeder von ihnen zwischen 22 Uhr und 22.30 Uhr eines der Zimmer ihrer beiden Kollegen betreten und dort mehrfach mit den Rundholzstangen auf die schlafenden Tatopfer eingeschlagen.

29. April 2020: Die Tür zur Wohnung in Riedichen ist versiegelt.
29. April 2020: Die Tür zur Wohnung in Riedichen ist versiegelt. | Bild: Martin Klabund

Das eine Opfer sei noch vor Ort an den Folgen der ihm an seinem Hinterkopf zugefügten Verletzungen verstorben. Das andere Tatopfer sei infolge der auf seinen Kopf, Oberkörper und Beine ausgeführten Schläge erwacht und habe sich zur Wehr gesetzt.

Flucht mit 1300 Euro

Die beiden Brüder hätten daraufhin mit den von ihren Opfern erbeuteten Geldbeuteln mit Bargeld in Höhe von insgesamt rund 1.300 Euro die Flucht ergriffen. Vor Verlassen der Wohnung habe einer der beiden noch einen weiteren durch den Kampflärm erwachten und hinzueilenden afghanischen Kollegen mit dem mitgeführten Rundholz attackiert und verletzt.

Auch ein Polizeihubschrauber flog im Rahmen der Großfahndung nach den mutmaßlichen Tätern. (Symbolbild)
Auch ein Polizeihubschrauber flog im Rahmen der Großfahndung nach den mutmaßlichen Tätern. (Symbolbild) | Bild: Wolfram Kastl

Nachdem die Brüder das Tatortanwesen verlassen hätten, seien sie von einem in einem Auto auf sie wartenden Landsmann nach Offenbach gefahren worden. Auch er wird sich vor Gericht verantworten müssen: „Dem Fahrer wird vorgeworfen, gewusst zu haben, dass die beiden Brüder sich durch einen Raub in Besitz von Bargeld bringen wollten. Gegen ihn wurde deshalb wegen des Tatvorwurfs der Beihilfe zum Raub und zur gefährlichen Körperverletzung gesondert Anklage vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts Bad Säckingen erhoben“, heißt es in der Mitteilung der Staatsanwaltschaft.

Großfahndung in Region und darüber hinaus

Noch in der Tatnacht leitete die Polizei eine Großfahndung nach dem 27-Jährigen mutmaßlichen Täter und dessen Bruder ein. Zunächst wurde vermutet, dass beide zu Fuß geflüchtet seien, deshalb wurden Autofahrer in der Region gebeten, keine Anhalter mitzunehmen. Auch über die sozialen Netzwerke verbreitete sich die Nachricht des Tötungsdelikts und der Suche nach den mutmaßlichen Tätern. Erst am Folgetag gab es dann Entwarnung: Die beiden flüchtigen Männer waren in Hessen festgenommen worden.

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