Zwei Jahre Corona-Pandemie  im Landkreis Lörrach: Anfang März 2020 tauchten hier die ersten Fälle auf. Einer der ersten Infizierten im Landkreis ist Michael Sladek aus Schönau – weithin bekannt als Hausarzt, Stadtrat der Freien Wähler und nicht zuletzt als Gründer der Elektrizitätswerke Schönau (EWS) und „Stromrebell“. Sladek hatte einen sehr schweren Corona-Verlauf, der ihm heute noch zu schaffen macht. Als Arzt teilt er seine Erfahrungen mit den Patienten und wird nicht müde, auf die Gefahren durch die Pandemie hinzuweisen.

Es war vor zwei Jahren eine Frage der Zeit, wann auch im Landkreis Lörrach die ersten Corona-Fälle auftauchen. Am 3. März 2020 wurde der erste Fall registriert und einen Monat später, am 9. April – bis zu diesem Tag verzeichnete das RKI in der Summe bereits 445 Corona-Infektionen im Landkreis – merkte Michael Sladek plötzlich Symptome.

„Ich habe mir das höchstwahrscheinlich in der Praxis geholt“, erinnert sich der 75-Jährige. Es war eine Infektion mit der allerersten Variante des Virus, von dem man seinerzeit noch nicht viel wusste und gegen das es logischerweise auch noch keinen Impfstoff gab.

Schwere Verläufe vor allem bei Senioren

Vor allem Senioren waren von Beginn an von schweren Verläufen der Krankheit Covid-19 gefährdet – so auch Michael Sladek. „Das habe ich als älterer Mensch noch nie erlebt, zwischen 40 und 41 Grad Fieber, dann geht die Sauerstoffsättigung im Blut immer weiter runter“, berichtet Sladek.

Michael Sladek
Michael Sladek | Bild: Hauke-Christian Dittrich

Er wurde auf die Intensivstation verlegt, musste aber zum Glück nicht beatmet werden – „obwohl ich kurz davor war“. Dafür bekam er mit, wie zwei Patienten, die gleichzeitig mit ihm im Krankenhaus lagen, an einem schweren Verlauf der Krankheit starben – trotz Beatmung. „Das hat man während der Erkrankung im Hinterkopf, auch wenn man nicht ständig in Todesangst ist“, erinnert sich Sladek. „Angst ist allerdings kein guter Ratgeber.“

„Bleibende Schäden werden nicht mehr weggehen“

Ob er heute wieder völlig gesund ist? „Akut bin ich geheilt und über eine hohe Klippe hinweggekommen. Aber ich habe einen bleibenden Schaden, der wird nicht mehr weggehen“, sagt der Hausarzt. Eine Lungenfibrose, die Sladek und die Mediziner, die ihn untersuchten, ganz klar auf Corona zurückführen, hat das Organ geschädigt. „Ich merke es, wenn ich unterwegs bin und eine kleine Steigung kommt“, beschreibt Sladek die Symptome. Da geht ihm schnell die Puste aus.

Dennoch: Fast mehr als die eigene Erkrankung an Covid-19 und ihre Folgen bereiten Michael Sladek die gesellschaftlichen Zerwürfnisse im Zuge der Pandemie Sorgen. Ihm ist es ein Rätsel, wie einige Menschen – darunter auch Patienten von ihm – die Gefährlichkeit der Krankheit infrage stellen und sich der aus seiner Sicht einzigen Lösung des Problems – einer Impfung – verweigern. „Nach einer Impfung, speziell nach einer Boosterung, haben wir einen guten und langfristigen Schutz vor einem schweren Verlauf“, sagt der Hausarzt.

Kein Verständnis für falsche Masken-Atteste

Bei einigen Menschen sei die Frage nach der Impfung auch durch „Fake News“ zu einer „Glaubensfrage“ geworden – „und über Glauben lässt sich schlecht streiten“. Auch ihm als Hausarzt wurde von Patienten vorgeworfen, mit einer Aufforderung zum Impfen Vertrauen zu verspielen. Er habe in Ausnahmefällen schon Patienten gebeten, sich einen anderen Hausarzt zu suchen – „wenn Patienten kein Vertrauen mehr zu ihrem Hausarzt haben, kann ich nicht mehr ihr Arzt sein“.

In diesem Zusammenhang hat Michael Sladek auch eine klare Haltung gegenüber einigen wenigen seiner Kollegen, gegen die zurzeit wegen Ausstellens falscher Atteste zur Vermeidung der Maskenpflicht Strafverfahren laufen. „Dafür habe ich überhaupt kein Verständnis. Ich finde das verantwortungslos. Die haben von Medizin nicht viel verstanden.“

Welche Hoffnungen verbindet er mit dem Jahr 2022?

„Wir haben saumäßiges Glück, dass wir mit Omikron zurzeit eine Variante mit sehr mildem Verlauf haben“, sagt Sladek. „Dieses Virus könnte noch Varianten bilden, von denen wir alle noch nichts ahnen.“ Die derzeitige Entwicklung mache ihm jedoch Mut: „Omikron rechtfertigt keine harten Eingriffe mehr. Ich habe die Hoffnung, dass wir in eine Lage hineinlaufen, die uns so etwas wie ein normales Leben ermöglicht.“

Voraussetzung dafür sei allerdings, „dass die Nicht-Geimpften immer weniger werden und die Geimpften mehr“. Dass das neue, als „Totimpfstoff“ betitelte Novavax-Vakzin tatsächlich alle Impfskeptiker von einer Immunisierung überzeugen wird, glaubt Michael Sladek nicht. „Wir werden mit einer Gruppe von ideologisierten Fanatikern immer umgehen müssen“, ist Sladek überzeugt. „Aber das sollten nach Möglichkeit nicht mehr als fünf Prozent sein.“

Entsetzt habe ihn diese zunehmende Radikalisierung in manchen Kreisen, sagt Michael Sladek. „Das macht mich immer noch betroffen und ich kann das rational überhaupt nicht nachvollziehen. Man wird schauen müssen, dass es da eine Versöhnung gibt.“

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