Der Tod des früheren Bundestagsabgeordneten und Ersten Beigeordneten der Stadt Waldshut-Tiengen, Werner Dörflinger, nimmt Alt-Landrat Bernhard Wütz im Gespräch mit dieser Zeitung zum Anlass für eine sehr persönliche Würdigung „eines engen Freundes und politischen Weggefährten“. Die Summe seiner Arbeit sei einfach enorm, stellt Bernhard Wütz am Telefon fest. „Sie verdient den Dank und Respekt der gesamten Bevölkerung.“

Das Lebenswerk Dörflingers vergleicht Wütz mit einem großen Baum mit vielen Wurzeln, die in Waldshut-Tiengen, am Hochrhein, im Schwarzwald und auf Bundesebene ihren guten Niederschlag gefunden hätten. Werner Dörflinger sei eine bedeutende Persönlichkeit gewesen – weitaus bedeutender als viele denken, so der Alt-Landrat, der sich an viele politische Herausforderungen erinnert, die er gemeinsam mit Werner Dörflinger gemeistert habe.

Bescheidenheit kennzeichnen Leben und Wirken

Aber, das Leben und Wirken Dörflingers sei gleichzeitig von großer Bescheidenheit gekennzeichnet gewesen. Ein Wesenszug, der den Macher und Schaffer auf allen politischen Ebenen stets ausgezeichnet habe und sein Wirken und seine Erfolge nicht immer so strahlen ließen, wie er es verdient gehabt hätte.

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Von den vielen starken Wurzeln des Lebensbaums von Werner Dörflinger skizzierte Bernhard Wütz drei näher, obwohl viele weitere Wurzeln zu seinem Charakter gehörten. So seine christliche Überzeugung, die weit mehr gewesen sei als reiner Glaube, seine Liebe zu den Menschen und seine enorme Heimatverbundenheit. Alle Verdienste Dörflingers seien auf diese Wurzeln zurückzuführen, sagt Bernhard Wütz.

Kämpfer für die Eigenständigkeit Tiengens

Als er 1970 erstmals nach Waldshut kam, sei ihm der Name Dörflinger bereits bekannt gewesen. Wenig später, Bernhard Wütz arbeitete inzwischen als Referent im Innenministerium in Stuttgart, kreuzten sich beider Wege erneut. Es ist jene Zeit, als die baden-württembergische Kommunalreform viele einstmals selbstständige Kommunen zwangsverheiratete. So habe auch Werner Dörflinger vehement für die Eigenständigkeit von Tiengen gekämpft, nach dem Zusammenschluss mit Waldshut „schloss er sich aber denen an, die sich für die neue Stadt einsetzten“, erinnert sich Bernhard Wütz.

Eng arbeiteten beide später im Kreistag und auch im Regionalverband Hochrhein-Bodensee zusammen, dessen Vorsitzender Wütz von 1980 bis 2009 inne hatte. Dörflingers Kompetenz in Planungsfragen sei erstklassig. Durch seine Erfahrungen als Stadtrat, Beigeordneter und Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Raumordnung habe er diese Fähigkeiten in seiner Person vernetzen können.

Werner Dörflinger auf dem Kirchplatz in Tiengen. Der frühere Bundestagsabgeordnete ist im Alter von 80 Jahren gestorben.
Werner Dörflinger auf dem Kirchplatz in Tiengen. Der frühere Bundestagsabgeordnete ist im Alter von 80 Jahren gestorben. | Bild: Peter Rosa

Wütz: „Eine einmalige Kombination.“ Ihre Wege kreuzten sich zudem regelmäßig bei unzähligen repräsentativen Veranstaltungen, „die wir oft gemeinsam besucht haben“ – auch mit den beiden Bundestagsabgeordneten der SPD. Auch zu Karin Rehbock-Zureich und Rita Schwarzelühr-Sutter sei er bis heute freundschaftlich verbunden, erzählt Wütz.

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Neben seiner Liebe zur Heimat und den Menschen habe Wütz Dörflingers Fähigkeit beeindruckt, sich eine eigenständige Meinung zu bilden und diese selbstredend später auch zu vertreten. „Er hat sich immer sehr gründlich und intensiv in Themen eingearbeitet.“ Beeindruckt habe ihn aber auch, wie es Werner Dörflinger verstanden habe, seine kommunalpolitische Erfahrung in die Bundespolitik einzubringen und umgekehrt. Für Bernhard Wütz steht fest: „Der Beruf des Bundestagsabgeordneten war für Werner Dörflinger Berufung.“

Seine Wurzeln wirken weiter in der Heimat

Der Lebensbaum Werner Dörflingers ist nicht mit ihm gestorben, ist Bernhard Wütz fest überzeugt. Denn dessen Wurzeln „wirken weiter in seiner Heimat“. Doch bei aller Trauer vertraut Wütz darauf, dass die vielen gemeinsamen Erinnerungen auch trösten und seine Verbundenheit zu Werner Dörflinger nicht mit dem Tod endeten.

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