Vor dem Klinikum Hochrhein in Waldshut treiben seit Ende November Spezialbohrer die Fundamente für den Anbau in die Tiefe. In ihm soll ab kommenden Jahr unter anderem die Intensivstation Platz finden. Doch wie der Name schon sagt, wird die Nutzung des sogenannten Interimsgebäudes nur von kurzer Dauer sein. Denn bereits im Jahr 2028 soll das neue Zentralkrankenhaus für den Landkreis Waldshut in Albbruck bezugsfertig sein. Die Basis auf dem Weg dorthin ist eine Masterplanung, die am 9. Dezember 2020 vom Waldshuter Kreistag beschlossen werden soll.

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Die Grundzüge des Masterplans und die damit verbundenen weiteren Schritte hin zum Gesundheitspark Hochrhein, dessen zentrale Einheit das Klinikum Hochrhein bilden soll, erläuterten Landrat Martin Kistler, Albbrucks Bürgermeister Stefan Kaiser und Michael Hajden, Leiter der Kreisfinanzen.

Vor dem Klinikum Hochrhein in Waldshut bohrt derzeit ein riesiger Bohrer Löcher ins Erdreich. In den Löchern werden später die Stelzen für den sogenannten Nordbau des Krankenhauses verankert, der ab dem Frühjahr 2021 eine Intensivstation mit 14 Betten sowie zwei Stationen mit jeweils 24 Betten beherbergen soll.
Vor dem Klinikum Hochrhein in Waldshut bohrt derzeit ein riesiger Bohrer Löcher ins Erdreich. In den Löchern werden später die Stelzen für den sogenannten Nordbau des Krankenhauses verankert, der ab dem Frühjahr 2021 eine Intensivstation mit 14 Betten sowie zwei Stationen mit jeweils 24 Betten beherbergen soll. | Bild: Juliane Schlichter

Neben dem neuen Zentralkrankenhaus als Herzstück des Gesundheitsparks sollen auf dem Grundstück zwischen B 34 und Rheinufer, das einstmals als Erweiterungsfläche für die inzwischen nicht mehr existierende Papierfabrik galt, weitere medizinische und medizin-nahe Dienstleistungsangebote angesiedelt werden. Darunter versteht Landrat Martin Kistler Einrichtungen wie beispielsweise eine Apotheke, ein Ärztehaus, ein Sanitätshaus, eine Kindertagesstätte, Personalwohnungen und möglicherweise auch ein Pflegeheim.

Der Gesundheitspark Hochrhein

Um herauszufinden, was tatsächlich möglich ist, soll ein sogenanntes Interessensbekundungsverfahren auf den Weg gebracht werden. Hinter diesem verwaltungstechnischen Ungetüm verbirgt sich nichts anderes, als ein Aufruf an potenzielle Interessenten. Landrat Martin Kistler: „Vielleicht kommen auf diesem Weg Ideen und Vorschläge, an die wir selbst gar nicht denken.“ Deshalb soll es keine Vorfestlegung geben. Einzige Prämisse: Einrichtungen oder Geschäfte müssen das Angebot des Gesundheitsparks ergänzen und abrunden. Unerwünscht sind also medizin-ferne Vorschläge. Und: Die dafür benötigten Flächen sollen im Eigentum des Landkreises verbleiben.

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In der bevorstehenden Sitzung des Waldshuter Kreistags (9. Dezember 2020) wird es auch um die Frage gehen, wer das neue Krankenhaus planen und bauen soll. Die Kreisverwaltung hält ein sogenanntes Partnering-Verfahren für die beste Variante. Das heißt, Planung und Bau sollen in einer Hand liegen. Landrat Kistler: „Diese Variante hat aus unserer Sicht viel Charme. Denn sie bietet eine frühe Kosten-, Termin- und Inhaltssicherheit.“ Die europaweite Ausschreibung soll eine dafür spezialisierte Anwaltskanzlei aus Stuttgart übernehmen.

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Parallel dazu erarbeitet die Gemeinde Albbruck einen Flächennutzungsplan, auf den später der Bebauungsplan für den Gesundheitspark Hochrhein aufbauen soll. Für Bürgermeister Stefan Kaiser bietet der Gesundheitspark nach eigener Aussage „eine riesige Chance für Albbruck„ – auch im Zusammenhang mit der angestrebten Überplanung des ehemaligen Papierfabrik-Areals in unmittelbarer Nähe.

Die Grobplanung für beide Vorhaben liegt beim Stuttgarter Stadtplanungsbüro Baldauf. Es sei eine große Herausforderung, die Gebiete zu entwickeln und in den Gesamtort zu integrieren, erklärte Stefan Kaiser. Die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem Landkreis vereinfache die „große Zukunftsaufgabe“.

Corona-Pandemie bremst nicht

Das Ziel, das neue Zentralkrankenhaus im Jahr 2028 in Betrieb zu nehmen, nennt Landrat Martin Kistler „ambitioniert, aber machbar“. Dafür gebe es unter anderem zwei Gründe. Zum einen habe die Corona-Pandemie für keinerlei Verzögerungen gesorgt und das Sozialministerium in Stuttgart „geht unseren Weg voll mit“, so Kistler. Das Neubauvorhaben sei inzwischen formal in das Landeskrankenhaus-Programm aufgenommen worden. Die Förderzusage erwartet der Landrat spätestens für Anfang 2021.

Auch stehe weiterhin die Zusage von Sozialminister Manfred Lucha, dass der Neubau des Zentralspitals mit der höchstmöglichen Förderquote bedacht werde. Das bedeutet, dass das Land Baden-Württemberg im Idealfall 100 Prozent der förderfähigen Kosten trägt. Darunter fallen in der Regel alle medizinisch notwendigen Investitionen, nicht aber solche in die umliegende Infrastruktur wie Erschließungsstraßen.

Kosten noch nicht kalkulierbar

Wie teuer das Zentralkrankenhaus genau wird, könne er zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Expertenschätzungen gingen derzeit von einem weit gespreizten Kostenrahmen von 160 bis 300 Millionen Euro aus, sagt Landrat Kistler.

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