Wird nach Toilettenpapier, Mehl und Sonnenblumenöl jetzt auch der Deutschen Nationalgetränk knapp? Die Bierbrauer jedenfalls warnen vor drohenden Versorgungsengpässen in den Sommermonaten. Die Branche fürchtet, dass zu wenig Bierflaschen zur Verfügung stehen könnten. Dies, weil die Kosten für die Produktion der Flaschen enorm gestiegen seien und zu wenige Lastwagenfahrer zur Verfügung stehen würden. „Engpässe sehen wir spätestens im Sommer“, zitieren mehrere Medien Holger Eichele, den Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bunds. Wie beurteilen die Brauereien im Landkreis Waldshut die Situation?

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Genug Flaschen bestellt

Bei Rothaus in Grafenhausen sieht man die Situation bisher sehr viel entspannter. „Da wir in der Brauerei dem Sommer optimistisch und mit Freude entgegengeblickt haben, hat unser Team im Einkauf schon frühzeitig ausreichend neues Glas angeschafft. Wir hoffen, dass diese Vorkehrungen in Verbindung mit unserer Sortieranlage dem Durst unserer Konsumierenden standhalten werden“, sagt Ann-Kristin Lickert, Assistentin des Vorstands.

Flaschen mit Radler auf einem Förderband in der baden-württembergischen Staatsbrauerei Rothaus.
Flaschen mit Radler auf einem Förderband in der baden-württembergischen Staatsbrauerei Rothaus. | Bild: Patrick Seeger

Ihren Ausstoß will die Badische Staatsbrauerei, die 240 Menschen beschäftigt, nicht öffentlich kommunizieren. Medienberichte geben ihn für 2017 mit fast 710.000 Hektoliter an. Davon entfallen 90 Prozent auf Flaschenbier. 2017 hat Rothaus in eine neue Halle mit hochmoderner Sortieranlage und Lager investiert. „Wir haben dadurch jetzt die Leistung und die Flexibilität, um auf jedwede Entwicklung am Flaschenmarkt antworten zu können“, so Lickert. Die Brauerei füllt ihre Produkte in nur zwei verschiedene Gebinde ab: in die 0,5-Liter-NRW-Flasche und in die 0,33-Liter-Vichy-Flasche. Beides sind gängige und relativ leicht zu besorgende Flaschentypen.

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Auch Waldhaus sieht sich gut gerüstet: Flaschenbestand ist aufgrüstet

Auch die Brauerei Waldhaus in Weilheim, mit einem Ausstoß von 100.000 Hektolitern und 60 Mitarbeitern deutlich kleiner als die Konkurrenz in Grafenhausen, sieht sich gut gerüstet für den Sommer. „Wir haben glücklicherweise keine Probleme‘“, sagt Marketingleiterin Tanja Blum zu den Warnungen aus dem Brauer-Verband. „Unser Einkauf hat bereits rechtzeitig neues Leergut angeschafft.“ Rund 10 Millionen Waldhaus-Flaschen waren zum Ende des vergangenen Braujahrs im Umlauf, 2 Millionen davon in der Brauerei. Der Bestand wurde um 1,5 Millionen weitere Flaschen aufgestockt.

Das Logistikzentrum der Privatbrauerei Waldhaus.
Das Logistikzentrum der Privatbrauerei Waldhaus. | Bild: Bingold

Flaschen werden bis zu 50 Mal verwendet

Auch Waldhaus setzt ausschließlich gläserne Vichy- und NRW-Flaschen ein. Jede von ihnen wird bis zu 50 Mal verwendet. Blum erklärt, wie sich das Alter einer Flasche erkennen lässt: „Auf den Transportbändern der Abfülllinien berühren sich die Flaschen an zwei definierten Stellen der Flasche. Auf die Dauer erzeugt diese Berührung eine ringförmige Abnutzungsspur, das sogenannte Scarfing. Je deutlicher diese zu erkennen ist, desto älter ist die Flasche.“ Die Abnutzung werde mit einer Kamera erfasst, ab einem gewissen Verschleißgrad werde die Flasche nicht mehr abgefüllt wird und direkt ins Altglas aussortiert.

Getränkehändler fürchtet keine Bierknappheit, aber ein anderes Getränk könnte knapp werden

Produkte beider Brauereien hat Timo Strasser in seinem Getränkehandel in Niederhof im Programm. Außerdem führt er weitere regionale und bayrische Biermarken sowie Weine, Spirituosen, Fruchtsäfte, Limonaden und Mineralwässer. Strasser beliefert auch große Veranstaltungen und Einzelhändler. Auch er fürchtet derzeit keine Bierknappheit, schon gar nicht bei Marken, die in gängigen Flaschenformaten vertrieben werden. Dennoch macht sich Strasser Sorgen – wegen 0,33-Liter-Limonadenflaschen.

Video: Vonberg, Markus

Betroffen seien vor allem Produkte des Anbieters Coca Cola aber auch dessen Mitbewerber, die speziell designte Glasflaschen benutzten. Strasser: „Diese Woche habe ich vier Paletten Mezzo-Mix bestellt – und keine einzige Flasche habe ich bekommen.“ Grund seien in der Ukraine durch den Krieg zerstörte Produktionsstätten.

Strasser warnt vor Hamsterkäufen

Strasser hofft, dass die Kunden vernünftig blieben und jetzt nicht begännen, Cola oder andere Limonaden kistenweise im Keller zu bunkern. „Dann wird das wirklich knapp“, sagt er. Stattdessen appelliert Strasser an die Endverbraucher, auf 0,5-Liter-Glasflaschen oder Gebinde aus anderen Materialien auszuweichen.

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