Durch den Ukrainekrieg ist die Energiefrage zum Thema mit höchster Priorität geworden. Deshalb setzt die Bundesrepublik Deutschland für die Zukunft auf mehr Unabhängigkeit und damit auf den starken Ausbau erneuerbarer Energien. Genau dies wird für die kommenden Jahre auch die Region am Hochrhein und ihre Landschaft prägen.

Denn auch die hiesigen Landkreise Lörrach, Waldshut und Konstanz müssen zum massiven Ausbau von Sonne- und Windanlagen ihren Teil beitragen. Im Klartext heißt das: Bis in drei Jahren will der Hochrhein zwei Prozent seiner Bodenfläche dafür ausweisen. Um genau diese Ziele zu erreichen, hat jetzt der Regionalverband Hochrhein-Bodensee in der Sitzung vor wenigen Tagen die notwendigen Weichen gestellt.

Ukrainekrieg wie ein Turbo für die Erneuerbaren

Die jüngsten weltpolitischen Ereignisse waren wie ein „Turbo“ für das Thema erneuerbare Energien – das sagte die Freiburger Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer bei der Sitzung des Regionalverbandes im Bad Säckinger Kursaal. Und das trifft auch für die Region zu. Schäfer machte deutlich, dass das Land um den Energiewandel nicht herumkomme, auch wenn der Umbau eine Herausforderung werde.

Baden-Württemberg hat sich um das Themen Windkraft gedrückt

Genau hier befindet sich der wunde Punkt Baden-Württembergs. Das Land ist mit seiner gigantischen Wirtschaftskraft einer der größten Energiefresser der Republik, gehört aber zu den Bundesländern, die bislang für den Energiewandel am wenigsten getan haben. Das Land hat sich selbst seit der grün-geführten Landesregierung hartnäckig um das Thema Windkraft gedrückt.

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Der Bund macht jetzt Dampf

Der Bundesgesetzgeber hat jetzt mit mehreren Gesetznovellen seit dem Frühjahr Fristen für den Ausbau vorgegeben aber gleichzeitig auch für eine Vereinfachung der Genehmigungsverfahren gesorgt. Eine wesentliche Erleichterung: Der Natur- und Artenschutz tritt in seiner Bedeutung gegenüber dem Klimaschutz zurück.

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Der Waldshuter Landrat Martin Kistler beschrieb es bildlich: „Die Sichtung eines Rotmilans wird künftig nicht mehr automatisch das Aus für eine geplante Windanlage bedeuten“. Zudem sind im behördlichen Verfahren die Widerspruchsmöglichkeiten abgeschafft. Die Klage vor Gericht existiert freilich weiterhin. Damit verspricht man sich bei der Genehmigung von Windanlagen eine Halbierung der Verfahrensdauer. Bislang liegt diese im Schnitt bei sieben Jahren. Bei Photovoltaikanlage auf Freiflächen seien die Befreiungen hingegen noch nicht so klar definiert, hieß es. Hier erwartet man weitere Schritte des Gesetzgebers in Berlin.

Hochrhein will bis 2025 Flächen ausweisen

Konkret wollen die drei Landkreise in der Regionalplanung nun bis 2025 geeignete Flächen für Wind und Sonne finden. Das müssen sie auch. Denn der Gesetzgeber setzt Fristen für die Ausweisung. Schaffen die Landkreise das nicht, ermöglicht das Gesetz, das überall gebaut werden kann – gewissermaßen „Feuer frei“, wie es die Landräte aus Lörrach, Waldshut und Konstanz beschreiben. Die Landkreise behalten also nur mit einer fristgerechten Ausweisung der Flächen ihre Steuerungsmöglichkeit.

Auf dem Hochblauen will eine Bürgergenossenschaft jetzt mehrere Windräder bauen. Im Hintergrund ist der Windpark bei Schopfheim-Gersbach ...
Auf dem Hochblauen will eine Bürgergenossenschaft jetzt mehrere Windräder bauen. Im Hintergrund ist der Windpark bei Schopfheim-Gersbach zu sehen, wo sich bereits fünf Räder drehen. | Bild: Erich Meyer

Wieviel sind zwei Prozent der Fläche?

Zwei Prozent der Fläche klingt zunächst überschaubar. Die Landräte machen klar, dass die Fläche in etwa mit der Summe aller Gewerbegebiete in den Landkreisen vergleichbar sei. In Zahlen: Der Landkreis Waldshut umfasst 1130 Quadratkilometer. Er muss demnach gut 22 Quadratkilometer Fläche für die Energiegewinnung durch Wind und Sonne ausweisen – und zwar in einem ersten Schritt 1,1 Prozent bis 2027 und den Rest bis 2032. Für die beiden Landkreise Lörrach und Konstanz – sind es jeweils um die 16 Quadratkilometer, gesamt also über 50.

Wo stehen die Landkreise im Moment?

Flächenmäßig stehen in der Region nur ein paar Hektar für die Windnutzung zur Verfügung. Am weitesten ist da der Landkreis Lörrach. Hier stehen laut Landrätin Marion Dammann aktuell neun Windräder. Im Landkreis Waldshut stehen nach Worten Kistlers zwei Windräder, zwei seien im Bau nahe der Gemeinde Häusern. Im Landkreis Konstanz stehen laut Landrat Zeno Danner bislang drei Windräder, drei seien im Genehmigungsverfahren.