Elf Jahre lang hat sich Thomas Gehr (64) als Schulleiter für die Justus-von Liebig-Schule in Waldshut eingesetzt – jetzt ist er im Ruhestand. Er war ein sehr beliebter und anerkannter Schulleiter, was auch bei seiner offiziellen Verabschiedung zum Ausdruck kam.

Landrat Martin Kistler überreichte ihm bei diesem Anlass im Namen des Landkreises Waldshut, dem Schulträger, für seine Verdienste die silberne Ehrenmedaille mit Urkunde. Nachfolger von Thomas Gehr ist Andreas Ackermann, langjähriger Lehrer und Abteilungsleiter an der Justus-von-Liebig-Schule.

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Erste Stelle in Bad Säckingen

Thomas Gehr war nie einer der lauten Sorte. In aller Bescheidenheit und Demut, wie er sagt, haben er und sein Kollegium ihren „Job“ gemacht und die Justus-von-Liebig-Schule weiter nach vorne gebracht.

Seine Schullaufbahn begann nach dem Studium der Wirtschaftspädagogik im Jahr 1984 als Lehrer an der Rudolf-Eberle-Schule in Bad Säckingen. Nach zusätzlichen Aufgaben in Kommissionen des Kultusministeriums und der Schulaufsicht, übernahm er 2011 die Stelle als Schulleiter an der Justus-von-Liebig-Schule in Waldshut.

Dort gelang es ihm, mehr Lehrer an die Schule zu holen. Etwa 60 waren es nach seiner Aussage bei seinem Amtsantritt, aktuell sind es gut 90. Unter seiner Regie wurde ein Förderverein gegründet und wie er sagt, durch gezieltes Anzapfen öffentlicher Quellen, mehr Geld generiert.

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In seiner Amtszeit wurde die Ausstattung der Schule, besonders auch in digitaler Hinsicht, verbessert. Baumaßnahmen wurden durchgeführt und neue Ausbildungsgänge eingerichtet wie die duale Erzieherausbildung PIA, Fernstudiengänge und die neue generalistische Pflegeausbildung.

Schule wird international

Seit rund einem Jahr ist die Liebig-Schule auch Erasmus-Schule, die damit auch Angebote im Ausland macht und hierfür auf EU-Fördermittel zurückgreifen kann. Im folgenden Interview gibt Thomas Gehr weitere Einblicke in seine Person und seine zurückliegende Tätigkeit als Schulleiter.

Thomas Gehr: „Es waren gute Jahre“

Herr Gehr, was war Ihnen in den elf Jahren immer besonders wichtig?

Meine Philosophie kann mit den Wörtern „Beziehung und Fachlichkeit“ umschrieben werden. Ein Lehrer muss Ahnung von seinem Fach haben und auf der Grundlage gegenseitigen Respekts eine Beziehung zu den Schülern aufbauen. Nur dann kann man gut lernen. Ich wollte immer, dass die Schüler gestärkt aus der Schule rausgehen, etwas können und sich was zutrauen. Wichtig war mir auch immer die Zusammenarbeit mit den benachbarten Schulen, den Ausbildungsbetrieben und dem Landkreis als Schulträger. Es braucht für den Erfolg auch ein funktionierendes „Drumherum“.

Sind Sie zufrieden, was Sie erreicht haben und wie wird die Justus-von-Liebig-Schule Ihrer Ansicht nach in der Öffentlichkeit wahrgenommen?

Ich bin sehr zufrieden und stolz, was wir gemeinsam in diesen elf Jahren erreicht haben. Die Justus-von-Liebig-Schule ist eine sehr anerkannte, starke Bildungseinrichtung mit einem guten Ruf. Sie ist eine Vorzeigeschule in Baden-Württemberg mit permanent steigenden Schülerzahlen, überdurchschnittlichen Prüfungsergebnissen und Übergangsquoten in andere Schularten. Unsere Maßnahmen zur Digitalisierung während Corona haben überregionale Beachtung gefunden. Ich finde, der Landkreis als Schulträger kann stolz auf die Justus-von Liebig-Schule sein. Er hat uns in diesen elf Jahren auch immer überaus gut unterstützt.

Jeder Schulleiter hat seinen eigenen Führungsstil – wie, glauben Sie, wurden Sie wahrgenommen?

Ich denke, als eher väterlicher, ruhiger Typ, der in sich ruht. Als Mensch, der andere ernst nimmt, versucht, sie zu verstehen und bei Problemen pragmatisch Lösungen sucht. Dazu hat in den elf Jahren auch gehört, dass ich ab und zu mein Herz in die Hand genommen habe und mögliche Ermessensspielräume genutzt habe.

Höre ich da raus, dass für Sie nicht alle Vorschriften Sinn machten?

Nicht alle Entwicklungen im Bildungsbereich sind gut. Das Kultusministerium erlässt vielfach Verordnungen, die an der Realität vorbeigehen und die Bedürfnisse der Schüler vernachlässigen. Es werden beispielsweise Programme zur Arbeitssicherheit im Lehrerzimmer aufgelegt, aber von Maßnahmen gegen den Lehrermangel im ländlichen Raum hört man wenig. In der Bildungspolitik wird allzu oft unüberlegt reformiert, was sich in bürokratischen Monstern niederschlägt, mit denen sich dann Regierungspräsidien und Schulen herumschlagen müssen.

Wie lautet in aller Kürze Ihr Fazit?

Es waren gute Jahre, ich habe viel gelernt, konnte viel umsetzen und habe mit guten Leuten zusammen gearbeitet. Es wird mir wahrscheinlich schon was fehlen, aber es geht weiter und bei Andreas Ackermann ist die Justus-von-Liebig-Schule in guten Händen.