Es dürfte die hoffnungsvolle Nachricht für rund 200 Familien im Landkreis Waldshut sein, die ein Kind haben, dem es aufgrund einer schweren Krankheit momentan nicht gut geht.

Fünf Jahre nachdem im Landkreis Lörrach der erste ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst vom Malteser Hilfsdienst seine Arbeit aufgenommen hat, wird auch im Landkreis Waldshut solch ein ambulanter Dienst eingerichtet, der ausschließlich mit ehrenamtlichen Helfern arbeitet.

Bisher sind die Familien aus dem Landkreis Waldshut von dem Dienst im Nachbarlandkreis betreut worden. Doch längst ist klar: Soll die Betreuung längerfristig sein, benötigt es kurze Wege. Voraussichtlich im Frühjahr des kommenden Jahres nimmt der Dienst seine Arbeit auf.

Wie soll die Struktur im Landkreis Waldshut aussehen?

Insgesamt 36 solcher ambulanter Einrichtungen für schwerstkranke Kinder und Jugendliche gibt es in Baden Württemberg. 13 davon werden vom Maltester Hilfsdienst betrieben. Um den großen Landkreis besser abdecken zu können, sollen voraussichtlich zwei Büros – eins in Bad Säckingen und eins in Lauchringen – eingerichtet werden.

Gleichzeitig ist der Malteser Hilfsdienst auf der Suche nach ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, die bereit sind, Familien mit einem schwerstkranken Kind zu betreuen. Mit der neuen Einrichtung im Landkreis Waldshut, wird eine weitere Lücke zwischen Freiburg und dem Bodensee geschlossen.

Wie war die Situation bislang?

„Bisher waren die Landkreise Lörrach, Waldshut bis zum Bodensee ein weißes Feld auf der Karte“, erklärte Elisabeth Freifrau Spies von Büllesheim, Leiterin der Malteser in der Erzdiözese Freiburg. „Doch die Anfragen häuften sich in unserem Hospizdienst in Freiburg.“

Derzeit sind im Landkreis Waldshut rund 200 Kinder und Jugendliche von einer lebenslimitierenden oder chronisch voranschreitenden Erkrankung betroffen. „Und somit auch deren Familien“, erklärt Verena Berg-Oestringer, Referentin der Malteser Hospizarbeit in der Erzdiözese Freiburg.

Werden Helfer gesucht?

Ja. Wer sich in dem neuen ambulanten Hospizdienst für Kinder und Jugendliche engagieren möchte, kann eine der Informationsveranstaltungen im Landkreis besuchen.

Wie sehr dieses Ehrenamt gebraucht wird, kann Verena Berg-Oestringer, nur einmal mehr verdeutlichen.

„Es geht um Würde im Sterben und um Würde im Leben“, sagt Berg-Oestringer, die den neuen Hospizdienst gemeinsam mit Elisabeth Freifrau Spies von Bühlersheim und Stefanie Schneider im Landkreis Waldshut ins Leben rufen möchte.

Welche Aufgaben haben die Helfer?

Die Helfer des ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienstes begleiten Familien, in denen ein Kind oder Jugendlicher an einer fortschreitenden und lebensverkürzenden Krankheit leidet.

„Was ein sterbenskrankes Kind für ein Familiensystem – Eltern, Geschwister und Freunde – bedeutet, ist für Nichtbetroffene schwer nachvollziehbar“, erklärt Verena Berg-Oestringer. „Der gesamte familiäre Alltag ist durch die Erkrankung des Kindes oder Jugendlichen geprägt und wird danach ausgerichtet“. Nicht selten kommen Geschwisterkinder zu kurz und das Familiensystem gerät an seine Grenzen. Und genau da greift die Arbeit der Ehrenamtlichen. Die Helfer haben keine pflegerischen oder medizinischen Aufgaben.

Es geht alleine darum, Zeit zu schenken und damit diese Familien zu entlasten. „Das kann ein Ausflug mit den Geschwisterkindern sein oder eine Betreuung, damit die Mutter vielleicht mal zum Friseur kann“, zählt Freifrau Spies von Bühlersheim, auf.

Die Helfer begleiten die Kinder und junge Menschen bereits ab der Diagnose, spenden Trost und geben Halt oder konkrete Hilfe bei der Bewältigung des Alltags.

Gibt es Schulungen?

Ja, um die ehrenamtlichen Helfer auf ihre Aufgabe vorzubereiten, werden sie in mehreren Modulen geschult. So gibt es eine Vorbereitung, der eine Praktikumszeit sowie eine vertiefende Schulung folgen. „Unsere Helfer werden darauf vorbereitet, dass es auch schwere Momente geben wird“, so die Freifrau.

Der künftige Dienst kooperiert mit der Spezialisierten ambulanten Palliativversorgung Pädiatrie Südbaden und wird Mitglied im Netzwerk Kinder- und Jugendhospizgemeinschaft Südbaden „Lebenszeit für Familien“ sein. Auch mit dem Universitätsklinikum Freiburg und mit der Lebenshilfe findet eine enge Zusammenarbeit statt.

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