Hygieneregeln, Testen, Infektionsketten nachverfolgen und Impfen: Mit diesen Mitteln soll die Corona-Pandemie überwunden werden. Einen Einblick, wie die Strategie im Landkreis Lörrach umgesetzt wird und wie sich die Corona-Situation hier aktuell darstellt, gab Landrätin Marion Dammann gemeinsam mit Verantwortlichen des Landratsamts bei einem digitalen Pressegespräch. Das Fazit: „Einer dieser Bausteine für sich alleine genommen reicht nicht aus.“

Die Infektionslage

Einen Einblick in die Entwicklung des Infektionsgeschehens im Kreis Lörrach gab Katharina von der Hardt, die Leiterin des Kreisgesundheitsamts Lörrach.

7-Tage-Inzidenz stabil unter 50

Sehr erfreulich sei die Entwicklung der Sieben-Tage-Inzidenz, die im Kreis bereits seit einigen Tagen unter dem Grenzwert von 50 liegt. Allerdings: „Wir beobachten nach einem erst sehr steilen Rückgang nun ein langsameres Abflachen der Kurve.“ Und das wiederum sei Anlass zu großer Sorge, denn die Mutationen des Virus in den drei bekannten Varianten mit ihrer höheren Infektiosität, nimmt trotz Lockdown und Hygieneregeln zu.

Die Entwicklung der 7-Tage-Inzidenz im Kreis Lörrach seit Pandemiebeginn. Deutlich zu erkennen sind die erste Corona-Welle im Frühjahr und die zweite im Herbst. (Quelle: Dahboard des Landkreises, Stand: 24.Februar, 10 Uhr)
Die Entwicklung der 7-Tage-Inzidenz im Kreis Lörrach seit Pandemiebeginn. Deutlich zu erkennen sind die erste Corona-Welle im Frühjahr und die zweite im Herbst. (Quelle: Dahboard des Landkreises, Stand: 24.Februar, 10 Uhr) | Bild: Landratsamt Lörrach

Mit Blick auf die Infektionskurven von Großbritannien, Irland und Portugal erläuterte von der Hardt, dass es sich auch hier „eine Mutationswelle im Untergrund angebahnt“ habe.“ Dann sei die dritte Welle von Infektionen mit Virusvarianten stark angestiegen und habe die zweite Infektions-Welle deutlich übertroffen. Einen solchen Schluss lege die Datenlage in Deutschland nahe: Waren es Anfang Januar noch bei zwei Prozent der Coronainfektionen Virusvarianten nachgewiesen worden, so waren es Mitte Februar bereits 24 Prozent, erläuterte von der Hardt. Mit Blick auf die Besonderheiten von Corona-Infektionen – die Infektion kann möglicherweise ganz asymptomatisch verlaufen und das Coronavirus kann auch vor dem Symptombeginn unbemerkt weiterverbreitet werden – gelte es besonders nun besonders auf die Hygieneregeln zu achten.

Virusmutationen: Folgefälle und Ansteckungen

117 Infektionen mit Virusvarianten waren im Kreis Lörrach am 23. Februar bekannt. „Die Virusvariante ist da und sie verbreitet sich“, warnte von der Hardt. Sie nannte Betriebe, Pflegeheime und Kindergärten als Beispiele und beschrieb: „Wir haben mittlerweile ein ganzes Netz von Folgefällen und Ansteckungen – auch in Situationen, die man bislang nicht erwartet hätte.“ Eine wichtige Erkenntnis, die nun bei der Nachverfolgung von Infektionsketten der Virusvarianten sichtbar geworden ist: „Auch kleine Hygienefehler fallen viel stärker ins Gewicht“, so die Leiterin des Gesundheitsamts, die als Beispiel die Infektion ohne direkten Kontakt nur durch Aerosole in der Raumluft nannte.

Entsprechend dieser Erkenntnisse seien die Quarantänevorgaben verschärft worden: So müssen beispielsweise nun auch alle Haushaltsmitgliedern von Menschen, die Kontakt zu einer mit einer Virusvariante infizierten Person hatten, in häusliche Quarantäne. Ebenfalls ausgeschlossen ist das so genannte „Freitesten“ von Schülern am fünften Tag.

Aber: „Wir kommen immer zu spät“, mahnte von der Hardt. „Die Kontaktpersonenverfolgung allein reicht nicht aus. Sie kann eine Infektionswelle nicht verhindern, sondern nur bremsen.“ Um so wichtiger sei es, dass jeder Einzelne noch stärker auf die Einhaltung der Hygieneregeln achte.

Erweiterte Teststrategie

Michael Lassmann, Leiter des Dezernats für Recht, Ordnung und Gesundheit, rückte in diesem Zusammenhang die erweiterte Teststrategie für Erzieher und Lehrkräfte in den Fokus und wies auch auf weitere mögliche Testpflichten nach der Corona-Einreiseverordnung der Länder hin. Er erläuterte die Ausnahmen, die in Baden-Württemberg gelten würden, wenn eines der Nachbarländer zum Hochinzidenzgebiet erklärt werden würde. Dann würde normalerweise bei jeder Einreise ein negatives Coronatestergebnis vorgelegt werden. Mit der nun erlassenen Allgemeinverfügung soll es hier Erleichterungen für Grenzpendler geben. Welche das sind, ist hier zusammengefasst.

Mehr Impftermine im KIZ

Eine gute Nachricht kam von den Leitern des Lörracher Kreisimpfzentrums (KIZ), Susann Franke und Daniel Dröschel: „Bis 23. März werden alle Zweitimpfungen in den Alten- und Pflegeheimen im Kreis abgeschlossen sein.“ Dann ist die Arbeit des mobilen Impfteams des Landkreises zunächst getan. Wie es mit den mobilen Impfteams dann weitergeht, sei bislang aber noch offen. „Das Abschlusskonzept des Landes für die mobilen Impfteams steht noch aus“, erklärte Landrätin Marion Dammann. Und mit Blick auf den östlichen Nachbarlandkreis Waldshut, wo derzeit dezentrale Vor-Ort-Impftermine in einigen Gemeinden angeboten werden, sagte sie: „Hier läuft derzeit ein Test und zeitgleich entwickelt das Land den Folgeeinsatz für die mobilen Impfteams.“ Es gäbe allerdings Gespräche mit Städten und Gemeinden im Kreis, auch hinsichtlich der Teststrategien.

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Das Tempo im Kreisimpfzentrum soll gesteigert werden. Dröschel und Franke erläuterten, dass neben der Impfung mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer weitere Sammeltermine mit dem Impfstoff Astra Zeneca eingerichtet werden. „Es wird mehr Termine für Erstimpfungen geben“, so Dröschel. Die Zahl der Terminslots soll im März zeitweise vervierfacht werden. Damit soll vor allem den Mitarbeitern der Kliniken des Landkreises die Möglichkeit zur Impfung gegeben werden. Wie groß die Impfbereitschaft hier sei? „Das Vertrauen wächst“, sagte Dröschel dazu. Gemäß der Entscheidung des Landes soll es außerdem weitere Impftermine für neue Gruppen geben: Lehrer, Erzieher, aber auch weitere Mediziner wie Zahnärzte, sowie Mitarbeiter ehrenamtlicher Hilfsorganisationen.

Und welche Erwartung hat Landrätin Marion Dammann an die Politik hinsichtlich des weiteren Vorgehens in der Coronapandemie? „Wir brauchen Stufenpläne. Es muss klar sein, in welcher Weise welche Lockerungen bei welchen Inzidenzen vorgesehen sind.“ Sie halte eine transparente Datengrundlage auch für Wirtschaft und Handel für sehr wichtig und betont: „Wir wollen an die Bevölkerung appellieren, aber keine Ängste schüren. Wir müssen noch eine Zeit mit dem Virus leben, aber es gibt eine Strategie. Darum ist es so wichtig, dass sich auch jetzt alle penibel an die Regeln halten.“

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