Er war kein unbeschriebenes Blatt der 63-jährige Angeklagte, der sich jetzt vor dem Amtsgericht in Waldshut verantworten musste. Auf stattliche 22 Eintragungen im Bundeszentralregister hat er es bereits gebracht. Jetzt musste er sich wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung verantworten – und wurde am Ende freigesprochen. Direktorin am Amtsgericht Maria Goj hatte den Angeklagten freigesprochen. Sowohl Verteidiger Jörg-Armin Schlichtholz und als auch der Vertreter der Staatsanwaltschaft, Referendar Zenthöfer, hatten entsprechend plädiert.

Dabei hatte es der ursprüngliche Tatvorwurf ganz schön in sich: Der 63-Jährige, der zum Tatzeitpunkt ein Zimmer bei einer Frau in Lottstetten gemietet hatte, sollte demnach verschreibungspflichtige Schmerztabletten im Wassertank der Kaffeemaschine der Vermieterin aufgelöst haben. Zwar lag laut Untersuchungen des Landeskriminalamts keine gefährliche Überdosierung vor. Das Amt hatte aber schwere Komplikationen bei Verabreichung ohne ärztliche Betreuung nicht ausschließen können.

Die Vermieterin wollte damals Kaffee zubereiten, hatte die Tabletten im Tank entdeckt und erst ihre Schwester und dann sofort die Polizei informiert, die das Wasser aus dem Tank samt den teilweise bereits aufgelösten Tabletten mitnahm. Der Angeklagte gab zu, dass ihm das Präparat verschrieben worden war, er habe die Tabletten aber nicht in den Wassertank gegeben, so seine Aussage.

Er habe allerdings einem Mitbewohner ein bis zwei Tabletten gegeben, weil dieser über Schmerzen geklagt hatte. Der Angeklagte vermutete hinter der Anzeige einen Racheakt, weil er Avancen seiner Vermieterin abgewiesen habe. Das Verhältnis zwischen beiden sei dann so zerrüttet gewesen, dass er das Zimmer vorzeitig gekündigt habe.

Die Vermieterin stritt ein persönliches Interesse an dem Angeklagten rundheraus ab. Sie wisse, dass er diese Tabletten eingenommen und auch einem Mitmieter gegeben habe. Der Mitmieter, der ebenfalls als Zeuge geladen war, sagte aus, er sei eigentlich nur zum Schlafen dort gewesen. Der Angeklagte habe ihm einmal zwei bis drei Schmerztabletten ausgehändigt. Er habe nur eine genommen und den Rest in einer Schatulle aufbewahrt. Diese seien nach dem Vorfall noch da gewesen.

Es sei dem 63-Jährigen nicht nachzuweisen, dass er die Tabletten in den Wassertank gemacht habe, erklärte der Vertreter der Staatsanwaltschaft in seinem Plädoyer. Ebenso sah es die Verteidigung. Unstrittig sei, dass die Tabletten im Wassertank gelandet waren. Es konnte aber nicht nachgewiesen werden wer sie hinein getan hatte. Es hätten drei Menschen Zugang zum Zimmer des Angeklagten gehabt. Es sei dem Angeklagten nicht nachzuweisen, dass er die Tabletten im Wassertank aufgelöst habe.

Die Vermieterin habe Zugang zu sämtlichen Räumen gehabt, erklärte auch Richterin Goj. Der Besitz der Tabletten war nicht nachzuweisen. Die Gefahr durch die Tabletten sei allerdings sehr hoch gewesen.