Der entscheidende Meilenstein auf dem Weg zum Lörracher Zentralklinikum ist erreicht. Am 20. Juli beschloss der Lörracher Kreistag bei vier Enthaltungen endgültig den Bau des Zentralklinikums und gab damit die Finanzierung des Jahrhundertprojekts frei. Wie soll das Klinikum aussehen und was soll es leisten? Vertreter der Kliniken des Landkreises Lörrach GmbH geben Antworten.

Wie soll das Zentralklinikum in Lörrach aussehen?

Im neuen Zentralklinikum im Lörracher Osten, im Entenbad, sollen die Leistungen der derzeitigen Kreiskrankenhäuser Lörrach, Rheinfelden, und Schopfheim sowie des St. Elisabethen-Krankenhauses Lörrach an einem Ort gebündelt werden. Das Ludwigshafener Büro alsh Architekten hat ein Klinikgebäude in Form eines Kleeblatts geplant, mit drei Bettentrakten.

Vorplanung, Visualisiserung Februar 2019
Vorplanung, Visualisiserung Februar 2019 | Bild: a|sh sander.hofrichter architekten GmbH

Ein anfangs angedachter vierter Bettentrakt soll vorerst nicht gebaut werden. „Der Campus ist nicht begrenzt, eine Erweiterung in Zukunft ist möglich“, so Kliniken-Geschäftsführer Armin Müller.

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Der Campus wird durch weitere Gesundheitsanbieter ergänzt: Das Zentrum für Psychiatrie sorgt in einem eigenen Gebäude für die seelische Versorgung seiner Patienten. Außerdem entsteht ein Ärztehaus sowie ein Gebäude für Drittanbieter, eine Apotheke, Räume für ambulante Rehabilitation, sowie ein Parkhaus. Auch die neue DRK-Rettungswache wird auf dem Campus beheimatet. Alle Leistungen der Kliniken solle es auch in Zukunft geben. „Wir wollen damit in allen Bereichen wachsen“, so Müller.

Ein Video zum geplanten Campus finden Sie hier.

Wie hoch sind die Kosten?

Der Kostenrahmen liege aktuell bei rund 323 Millionen Euro, könne aber durch die bereits mit einkalkulierte Steigerung der Baupreise am Ende auf rund 356 Millionen Euro steigen. Es ist die bisher größte Einzelinvestition des Landkreises Lörrach.

Sind unerwartete Mehrkosten zu befürchten?

„Nein“, sagt der Bauherr, die Kliniken Lörrach GmbH. Denn die Preisentwicklung der Baupreise würden mit dem vom statistischen Bundesamt ermittelten Baupreisindex für Neubauten vierteljährlich in die Kostenberechnung einfließen. Dieser Index betrage aktuell 3,5 Prozent. „Jede Kostenänderung, die kommen könnte, wird geprüft und zur Entscheidung gebracht“, so Projektleiter Thorsten Stolpe. Aber: „Was die Baukonjunktur macht, haben wir nicht im Griff.“ Auch die begleitende unabhängige Kontrolle biete Sicherheit, so Landrätin und Aufsichtsratsvorsitzende Marion Dammann. Als Bauherr hätte die Kliniken GmbH außerdem kein Interesse an Mehrkosten, müsste sie diese doch selbst erwirtschaften, so Geschäftsführer Armin Müller. So sei man anfangs auch mit einer Nutzfläche von 47.000 Quadratmetern in die Planung gegangen und habe diese nun auf 41.000 reduziert. „Die Klinik muss sich selbst finanzieren, das wird auch der Leitgedanke der nächsten Jahre“, so Müller. Der Kreistag stimmte zudem einer Ausfallbürgschaft in Höhe von bis zu 180 Millionen Euro durch den Landkreis zu.

Landrätin und Aufsichtsratsvorsitzende Marion Dammann, Kliniken-Geschäftsführer Armin Müller und Projektleiter Thorsten Stolpe berichten über die Klinik-Pläne.
Landrätin und Aufsichtsratsvorsitzende Marion Dammann, Kliniken-Geschäftsführer Armin Müller und Projektleiter Thorsten Stolpe berichten über die Klinik-Pläne. | Bild: Verena Wehrle

Welche Fördermittel sind zu erwarten?

Noch gebe es keine Zusicherung der Fördermittel, jedoch eine Absichtserklärung des Ministeriums für Soziales und Integration Baden-Württemberg, das darin eine Summe zwischen 170 und 180 Millionen Euro in Aussicht stellt. Hinzu kommen 9,62 Millionen Euro, welche die Kliniken bereits für die Genehmigungsplanung erhalten haben.

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Wie sieht der Zeitplan aus?

„Die Bagger rollen demnächst auf die Baustelle“, so Projektleiter Thorsten Stolpe. Spatenstich für den Bau soll am 9. November sein. Die Gewerke sollen einzeln ausgeschrieben werden, es werde also keinen Generalunternehmer geben. Die Eröffnung des Zentralklinikums ist für das erste Quartal 2025 geplant.

Was passiert mit den bisherigen Klinikstandorten?

Bis zur Eröffnung des Zentralklinikums blieben alle Leistungen in den vier Kliniken bestehen, so Müller. Doch was passiert danach mit den Gebäuden? Die Kreiskliniken Lörrach und Schopfheim gehen laut Landrätin Marion Dammann an die Städte zurück und dann oblige es den Kommunen, was mit den Gebäuden passiere. Das Elisabethen-Krankenhaus gehört dem Orden. Für das Kreiskrankenhaus Rheinfelden sei der Landkreis derzeit im Dialog mit der Stadt, da man das Gebäude gerne verkaufen würde, so die Landrätin. Was genau dann in den Gebäuden passiere, sie noch unklar.

Der Standort für das geplante Zentralklinikum Lörrach
Der Standort für das geplante Zentralklinikum Lörrach | Bild: Südkurier-Grafik/Kerstan

Wie ist die Akzeptanz bei der Bevölkerung?

Im Jahr 2017 war der Entschluss gefallen, das Klinikum in den Lörracher Osten zu bauen. Die anfänglichen Kämpfe um andere Standorte seien völlig normal gewesen, so Landrätin Dammann. Nach dem Entschluss für den Standort sei das Interesse und die Freude über die Lösung groß gewesen. Eher die Verkehrsanbindung sorgte für Reibungsflächen. Doch auch hier habe man Lösungen finden können: Die Verlegung der L138 im Rekordtempo, die Anbidung der B317 sowie die Überbrückung mit einem Busverkehr bis zur Realisierung des S-Bahn-Anschlussses. Auch die 2.400 Mitarbeiter der Kliniken würden das Projekt untersützen, so Armin Müller, wenn auch paralell Abschiedsschmerz bestehe.

Das Eingangszenario des geplanten Zentralklinikums Lörrach.
Das Eingangszenario des geplanten Zentralklinikums Lörrach. | Bild: a|sharchitekten

Warum hat das Projekt Vorbildfunktion für andere Klinikstandorte?

Von Seiten des Ministeriums für Soziales und Integration wird der Bau als beispielhaftes Strukturprojekt in Baden-Württemberg gesehen, so Dr. Thilo Walker in der Absichtserklärung. „Auch der gesamte Planungsprozess und die politische Umsetzung ist beispielhaft und wird von uns gerne als Vorbild für andere Landkreise und Klinikverbünde herangezogen“, so Walker weiter. Auch der ambitionierte zeitliche Ablauf zeige, dass das Projekt mit aller Ernsthaftigkeit und dem notwendigen Engagement, umgesetzt werde.

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