Der Tourismus im Schwarzwald ist nach den Corona-Einschränkungen rasant auf dem Weg der Gesundung. Hansjörg Mair, Geschäftsführer der Schwarzwald-Tourismus GmbH (STG) – auch der Landkreis Waldshut ist Gesellschafter – überraschte vor Kreisräten mit einer „guten Botschaft“: Dass der Schwarzwald im Gastgewerbe in diesem Jahr fast die Rekordzahlen von 2019 erreichen dürfte.

Mit welchen Strategien wurden Touristen angelockt?

Tourismus-Manager Mair, der laut Landrat Martin Kistler während der Pandemie für die Übernachtungsbranche „ein sensationelles Feuerwerk“ abgefackelt hatte, berichtete von den Vermarktungsstrategien des in Freiburg ansässigen Dachverbandes auf allen Kanälen, vom Hochglanz-Prospekt bis zu den elektronischen Medien.

„Wir versuchen, den richtigen Kunden im richtigen Moment mit der richtigen Botschaft in richtiger Form auf der richtigen Plattform anzusprechen“, berichtete Mair dem Verkehrsausschuss des Kreistags.

Was ist außerdem geplant?

Die Touristiker unterstützen dabei auch andere Initiativen – etwa ein Kompetenzzentrum für Schwarzwälder Architektur, denn „Architektur macht Gäste“. Aktuell entwickeln sie eine App, über die sich der Gast auf dem Smartphone in Echtzeit über geöffnete Lokale oder aktuell verfügbare Busverbindungen in Standortnähe informieren kann.

Welche Bedeutung hat der Tourismus?

Der STG-Manager betonte die wirtschaftliche Bedeutung des Fremdenverkehrs. 125.000 Arbeitsplätze im Schwarzwald hängen direkt am Tourismus, 375.000 indirekt.

Welche Tourismus-Projekte sind im Kreis Waldshut geplant?

Projekte rund ums Wandern sind ein Schwerpunkt im Kreis Waldshut, erklärte die Tourismusbeauftragte des Landkreises, Corinna Steinkopf.

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In Arbeit sind zudem die Beschilderung der Ruine Hauenstein, der Sagenpfad Höchenschwand und die künftigen „One-Night-Camps“, Übernachtungsmöglichkeiten für Individual-Camper auf privat zur Verfügung gestellten Flächen. Über 80 sollen im Kreisgebiet bald freigegeben werden, auf privaten Wiesen, landwirtschaftlichen Grundstücken und Gemeindeflächen.

Was sagen die Kreisräte?

Kritisch sieht Kreisrätin Marita Höckendorf (Grüne) das Tourismusgeschäft. In der Zeitung habe man etwa gelesen, dass der Wasserpegel des Schluchsees mit Rücksicht auf die Feriengäste höher gehalten werde, statt Strom zu produzieren.

Die rosigen Aussichten des STG-Chefs bezweifelte sie mit Hinweis auf den erheblichen Personalmangel in der Branche. Letzteres gilt laut Mair überall, „aber wir können auch etwas tun“. Insgesamt habe sich der Tourismus als stabiler Wirtschaftsfaktor erwiesen, „eine Ferienlandschaft kann man eben nicht irgendwo ins billigere Ausland verlegen“.

Franz Brüstle (Freie Wähler) appellier-te mit Blick auf die vielen Wandertouristen an Mair, dafür zu werben, dass die Konus-Gästekarte – ein Gratis-Ticket für Bus und Bahn – auch in den bisher abseits stehenden Städten und Gemeinden angeboten wird.

Harald Würtenberger (FW) wünscht sich, dass der Schwarzwald im Fernsehen – Beispiel Tatort – nicht mehr nur mit „Deppen“ in düstern verregneten Tälern mit veralteten Sägewerken präsentiert wird. Klaus Denzinger (FDP) sieht es als Aufgabe, die „Urlauber, die bisher ins Ausland gingen, für uns zu gewinnen“.

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