Die meisten Haushaltsbefragungen sind erledigt, zahlreiche Besucher haben die Zensus-Stelle des Landkreises in Waldshut den vergangenen Monaten besucht, etliche haben sich telefonisch gemeldet – um Kritik und Unmut zu äußern oder sich abzusichern. Nun ist der Zensus, die deutschlandweite Volkszählung auf der Zielgerade. Die Leiterin der Waldshuter Zensus-Stelle Kathrin Schumacher und Julian Zöller ziehen eine Zwischenbilanz – und zeigen was sie noch alles zu tun haben.

Wie lief die Arbeit mit den Ehrenamtlichen?

Als erhebliche Schwierigkeit erwies sich zunächst die Suche nach ehrenamtlichen Erhebungsbeauftragten, die die Haushaltsbefragungen übernehmen sollten, schildert Kathrin Schumacher. Vorbehalte seien immer wieder aufgetaucht.

Immerhin fiel der Schwerpunkt der Suchbemühungen in die spannungsbeladene Zeit des ausgehenden Frühjahrs: „Die Stimmung in der Bevölkerung war aufgrund der noch immer geltenden Corona-Beschränkungen gereizt und aggressiv. Gleichzeitig war nicht klar, wie lange das alles noch weitergeht“, so Schumacher. Das habe viele potentielle Interessenten abgeschreckt. Andere seien erst während des Erhebungsverfahrens abgesprungen.

Letztlich sei es aber gelungen, 240 Ehrenamtliche in Marsch zu setzen um immerhin 40.000 Menschen an 8200 Anschriften zu interviewen – immerhin ein Viertel der gesamten Kreisbevölkerung. „Es waren sehr viele hoch motivierte und engagierte Leute dabei, die eine tolle Arbeit geleistet haben“, so Zöller.

Wie war es mir den Haushaltsbefragungen?

„Überraschend reibungslos und mit vielen positiven Überraschungen“, so lautet die einhellige Einschätzung der der Zensus-Verantwortlichen.

Auch bei ihnen hätten sich aufgrund der Gesamtkonstellation gewisse Sorgen breitgemacht – letztlich jedoch unnötiger Weise, wie Schumacher und Zöller betonen. „Gerade auf den Dörfern wurden die Erhebungsbeauftragten oft sehr herzlich begrüßt, viele berichteten von schönen Erlebnissen“, so Schumacher.

Auch in der Geschäftsstelle in Waldshut hätten die Mitarbeiter viele angenehme Erfahrungen gesammelt: „Viele Leute waren geradezu euphorisch. Wir hatten sehr viele konstruktive Gespräche im Bürgerbüro.“

Natürlich habe es auch Kontrastprogramm gegeben: Kritik, nicht geöffnete Türen, rabiate Unmutsäußerungen oder der blanke Unwille, die Fragen zu beantworten. „Zumindest gab es keine Sicherheitsvorfälle. Schwierigkeiten gab es nur vereinzelt, insgesamt war viel Kooperationsbereitschaft zu spüren“, bilanziert Zöller.

An welchen Stellen gab es Probleme?

Tatsächlich gab es einige technische Schwierigkeiten, die erhebliche Verzögerungen bei der Verarbeitung der Online-Fragebögen mit sich gebracht hätten, bedauert Schumacher: „Das war ein bundesweites Problem, das aber auch dazu geführt hat, dass das Mahnverfahren nach hinten verlagert wurde.“

Weit problematischer war derweil, dass mehrere Befragungen gleichzeitig stattfanden, für die unterschiedliche Stellen zuständig waren. Neben dem großen Zensus fiel auch der jährliche Mikrozensus des Landes wie auch die Gebäude- und Wohnungszählung in den selben Zeitraum. „Das hat viele Menschen verwirrt und verärgert, zumal es oft inhaltliche Überschneidungen bei den Fragen gab“, so Schumacher.

Erst recht kompliziert wurde es bei den sich überschneidenden Mahnverfahren. „Das war alles wirklich nicht gut gesteuert.“ Die Zensus-Stelle habe letztlich die Irrläufer anderer Dienststellen einfach an die zuständigen Orte weitergeleitet.

Wie kam es zu den Postanfragen an Verstorbene?

In Bad Säckingen aber auch in anderen Orten sorgten Fälle für Aufsehen, in denen teils längst Verstorbene Post oder gar Mahnungen vom Statistischen Landesamt oder der Zensus-Stelle erhalten haben.

„Für die betroffenen Hinterbliebenen ist das natürlich sehr unangenehm“, bedauern die Zensus-Verantwortlichen. Dass es solche Vorkommnisse gab, führen sie aber auf den Grundsatz des Zensus zurück. Es gehe eben nicht darum, Register abzufragen, sondern quasi eine Inventur zu machen.

Das bedeutete in den konkreten Fällen: Bei Nichtantreffen einer in der Befragung vorgesehenen Person, gab es eine schriftliche Erinnerung. Diese wurde an den Namen versandt, der am Briefkasten angegeben war.

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„Wir hatten umgekehrt auch viele Fälle, in denen keine Namen hinterlegt waren. Hier wurden dann „Die Bewohner“ eines Hauses allgemein angeschrieben“, schildert Schumacher. Das habe wiederum zur Folge gehabt, dass sich einige Leute einfach nicht angesprochen fühlten.

Wie geht es jetzt weiter?

Aktuell laufen noch die letzten Nacherhebungen. Hierbei geht es um Menschen, an 160 Anschriften, deren Daten unklar oder falsch erfasst wurden. ‚Es geht um eine Plausibilitätsprüfung von Angaben und eine etwaige Korrektur‘, so Zöller. Es handle sich gewissermaßen um eine Maßnahme im Sinne des Qualitätsmanagements.

Ein weiterer Prüfschritt ist eine so genannte Wiederholungsbefragung, in deren Rahmen vier Prozent der befragten Haushalte erneut stichprobenartig vom Statistischen Landesamt kontaktiert werden.

Ein wesentlicher Teil der nächsten Wochen werde sich dann aber um die Mahnverfahren drehen, erklärt Schumacher. In diesem Zusammenhang werden Leute Kontaktiert, die weder direkt angetroffen wurden noch auf Erinnerungen reagiert haben: „Das ist in der Regel etwas kniffliger, weil die Grundhaltung nicht wohlgesonnen ist.“

Wann ist der Zensus offiziell beendet?

Die Planung sehe vor, dass bis Mitte November alle Daten zusammengetragen, erfasst und ans statistische Landesamt übermittelt sein sollen. Die Veröffentlichung der Ergebnisse ist für November 2023 vorgesehen: „Wir sind natürlich ebenso gespannt wie alle anderen, was am Ende herauskommt“, verrät das Team von der Zensus-Stelle. Denn genauere Einblicke in die Daten hätten auch sie aufgrund datenschutzrechtlicher Vorgaben ebenfalls nicht erhalten.