Seit nunmehr einem Jahr herrscht in Deutschland der Ausnahmezustand. Besonders gefährlich ist das Coronavirus bekanntlich für Senioren. Eine verzwickte Situation, denn die Pandemie hat gerade für ältere und hilfebedürftige Menschen dramatische Auswirkungen. „Sie sehnen sich nach Gesellschaft und Abwechslung“, wie Sandra Kuppel, Geschäftsführerin des Nachbarschaftshilfevereins Jung und Alt Mauchen, beschreibt. Da die Helferinnen und Helfer gerade für ältere und hilfebedürftige Menschen Betreuungs- und Entlastungsleistungen erbringen – wie hauswirtschaftliche Hilfen im und ums Haus oder Alltagsbegleitungen bei Demenzerkrankungen – eine einschneidende Veränderung.

Einschneidende Veränderungen 2020

Sandra Kuppel, operative Geschäftsführerin Jung und Alt Verein Mauchen
Sandra Kuppel, operative Geschäftsführerin Jung und Alt Verein Mauchen | Bild: Monika Eichin

„Für die organsierte Nachbarschaftshilfe sind die aktuellen Rahmenbedingungen ein wahrer Spagat. Einerseits steigt die Nachfrage nach Betreuungs- und Entlastungsleistungen, andererseits gehört genau dieser Personenkreis zur Risikogruppe, die geschützt werden soll“, beschreibt Sandra Kuppel. Eine Herausforderung, die sich insbesondere im Frühjahr 2020 auswirkte: „Wir hatten unser Angebot für drei Wochen weitestgehend gestoppt“, so Kuppel. Die Klientinnen und Klienten wurden lediglich telefonisch betreut, ebenso wurden Einkaufsdienste angeboten. Allerdings wurde schnell klar: Der regelmäßige Kontakt durch die Nachbarschaftshelfenden fehlte den Menschen immens, zumal auch von Besuchen der Familienangehörigen strikt abgeraten wurde.

Als die Schulen wieder öffneten, startete dann auch wieder die Nachbarschaftshilfe – „unter größten Sicherheitsvorkehrungen“, wie die Geschäftsführerin sagt. Nach und nach Richtung Sommer 2020 seien die Tätigkeiten unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln sehr vorsichtig und nur mit Zustimmung beider Parteien wieder aufgenommen worden. Maskenpflicht, Abstand, Desinfektion – bis heute für die Helfenden grundlegend im Kontakt mit den Klienten. Kuppel ergänzt: „Den Helfenden wird ans Herz gelegt, das gratis Testangebot einmal wöchentlich zu nutzen. So sollen die Einsätze für alle Beteiligten möglichst sicher gestaltet werden.“

Die Angebote haben sich verändert

Doch nicht nur die Umstände der Hilfe, auch die Angebote selbst haben sich verändert. So bietet der Ja-Verein weiterhin zusätzlich Fahr- und Begleitdienste für Seniorinnen zum Impfzentrum an. Auch bei der Organisation der Impftermine für die über 80-jährigen Personen bei der großen Impfaktion in Bonndorf hat der Verein sowohl bei der Terminvereinbarung als auch bei den Vor-Ort-Impfterminen personell unterstützt.

Gut angenommen wurde der – nun mobile – Mittagstisch, wie Sandra Kuppel erklärt. Bis März 2020 hatte der Verein jeden Dienstag einen sehr beliebten Mittagstisch sowie eine monatliche Stubete im Generationenhaus Drei König angeboten. Doch Mona Basler – die Koordinatorin des Ja-Treffs – erarbeitete kurzerhand ein Konzept für eine mobile Lösung, die bereits Mitte Mai 2020 umgesetzt werden konnte.

Seither kehrt jeden Dienstag um 8 Uhr Leben in die sonst verwaiste Küche des Ja-Treffs im Generationen Haus Drei König in Mauchen: Es wird mit regionalen Zutaten und Hygiene- und Abstandsvorkehrungen ein frisches Drei-Gänge-Menü für durchschnittlich 70 Menschen gekocht. Kurz vor 11 Uhr wird das Essen in kompostierbare Verpackung aus Zuckerrohr verpackt. Dann kommen die Fahrer im Zehn-Minuten-Takt und übernehmen die Tüten für ihre Tour in die Gemeinden Stühlingen, Eggingen, Wutöschingen, Bonndorf sowie Ober- und Untermettingen. Kontaktlose Essensübergabe an der Haustür und ein kleiner Plausch auf Abstand, doch lieber wäre es allen, das Essen wieder in Gesellschaft im Ja-Treff einnehmen zu können.

Das Engagement des Ja-Vereins kommt bei den Klienten in der Region gut an. „Die Wertschätzung die wir erfahren, ist riesig“, freut sich Sandra Kuppel. Sie und das Team des Ja-Vereins hoffen, dass sich die Situation bald wieder normalisiert. Ein Lichtblick dabei sind die Vor-Ort-Impftermine und nun jüngst der Start der Corona-Impfungen bei den Hausärzten. Kuppel: „Man hat das Gefühl, es geht etwas voran und das tut richtig gut.“

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