Im Internet verbreitet sich aktuell ein Kettenbrief, der davor warnt, Kindern unter sechs Jahren eine (selbstgenähte) Maske aufzusetzen. Da sich unter der Maske zu viel CO2 sammle, führe dies zur Atemlähmung, heißt es. Dass es sich dabei um eine Falschmeldung handelt, weiß Kinderarzt Jochen Sperling aus Wehr: „CO2 ist ein sich schnell verflüchtigendes Gas und reichert sich hinter so einer Maske nicht nennenswert an“, erkärt er. Somit gebe es auch keine Intoxikationen.

„Bei meiner früheren Tätigkeit auf onkologischen Stationen oder im Operationstrakt trug das Personal den ganzen Tag chirurgische Masken, ausgenommen zur Frühstücks- und Mittagspause. Ich kann mich nicht erinnern, dass Beschäftigte kollabierten“, erläutert Jochen Sperling.

Diese Fake-News verbreiten sich aktuell im Internet. Gefährlich sind die Masken für Kinder nicht.
Diese Fake-News verbreiten sich aktuell im Internet. Gefährlich sind die Masken für Kinder nicht. | Bild: Verena Wehrle

Aber: Strangulationen möglich und Keimüberträger

Aber dennoch: Säuglingen und Kleinkindern würde Jochen Sperling keine Maske aufsetzen, nicht aus Gründen der CO2-Anreicherung, sondern aufgrund möglichen Verrutschens und eventueller Strangulationen durch Maskengummis oder Bänder. Außerdem könnten die Masken bei ständigem Anfassen durch die Kinder selbst Keimüberträger nach innen und nach außen sein, so der Kinderarzt.

Masken sind einfach selbst zu nähen.
Masken sind einfach selbst zu nähen. | Bild: Eva Marie Stegmann

Ab Montag, 27. März, gilt auch in Baden-Württemberg die Pflicht eine Alltagsmaske beim Einkaufen oder im öffentlichen Personennahverkehr zu tragen. Ein selbstgemachter Mund-Nasen-Schutz oder auch ein Schal, der Mund und Nase bedeckt, sind ebenfalls genehmigt.

Kinderarzt Jochen Sperling aus Wehr.
Kinderarzt Jochen Sperling aus Wehr. | Bild: Archiv

Was rät der Kinderarzt Eltern von Kleinkindern?

„Kindern dieser Altersgruppe wird man heute bis auf Weiteres zur Vermeidungsstrategie raten, also nicht in Supermärkte gehen oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren“, sagt er. Das heißt: Wenn möglich, sollten Eltern ohne Kinder einkaufen gehen und wenn dies nicht möglich ist, könnten sie einen Einkaufsservice beanspruchen.

Und noch etwas Wichtiges rät Kinderazt Jochen Sperling den Eltern: „Plexiglas- oder ähnliche Verkleidungen von Kinderwagen sollten wegen der Hitzeentwicklung gerade im Sommer tunlichst vermieden werden.“

Übrigens: Kinder unter sechs Jahren sind in der aktuellen Corona-Verordnung ohnehin von der Maskenpflicht ausgenommen.

Wie man mit welcher Maske sich und andere schützt.
Wie man mit welcher Maske sich und andere schützt. | Bild: SK

Die Maskenpflicht

Tipps zum Waschen

Sperling gibt zur Maskenpflicht noch weitere Tipps. Demnach sollten Textilmasken mindestens bei 60 Grad bei einer Tragedauer von maximal einem Tag gewaschen werden und luftig und bei Licht trocknen, so der Kinderarzt. „Also braucht man mindestens zwei zum Wechseln.“ Er sagt zudem: „Masken sollten kein falsches Sicherheitsgefühl vermitteln. Andere hygienische Maßnahmen bleiben weiterhin bestehen.“ Die Umsetzung des Infektionsschutzgesetzes werde bei späteren Generationen durch genetische Determinierung und Erlernen von Verhaltensweisen sehr ausgeprägt sein, so der Kinderarzt.

Und sein passendes Schlusswort: „Wir hoffen, dass unsere Kinder bald wieder zusammen spielen können und von Kopf bis Fuß schmutzig und glücklich nach Hause kommen.“

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