Wenn billig am Ende teuer wird: Schwarzarbeit, illegale Beschäftigung und Lohn-Prellerei haben auch im vergangenen Jahr das Hauptzollamt Singen beschäftigt. Laut Statistik der Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS), die neben dem Standort Singen auch in Waldshut-Tiengen angesiedelt ist, wurden im gesamten Zuständigkeitsbereich 545 Arbeitgeber kontrolliert und 927 Strafverfahren eingeleitet. Der dadurch ermittelte Schaden für Staat und Sozialkassen: Rund 5 Millionen Euro.

Ein verhältnismäßig großer Teil an dieser Summe entfällt laut Angaben der Gewerkschaft IG Bau Südbaden mit 3,2 Millionen Euro auf die Baubranche. Das entspricht einem Anteil von rund 64 Prozent.

Einblick in die Statistik des Hauptzollamts Singen

Das Hauptzollamt Singen selbst veröffentlicht auch auf Nachfrage keine konkret nach Branchen aufgeschlüsselten Zahlen zu den Kontrollen, wie Sprecher Mark Eferl erklärt. Auch die Angaben der IG Bau werden vom Hauptzollamt nicht kommentiert. Die Gewerkschaft ihrerseits beruft sich auf eine Auswertung des Bundesfinanzministeriums und beziffert die kontrollierten Baufirmen im Singener Zuständigkeitsbereich auf 76 (rund 14 Prozent der 545 kontrollierten Arbeitgeber) und die Zahl der Ermittlungsverfahren auf 180 (19,4 Prozent der 927 Verfahren) in dieser Branche.

IG Bau befürchtet Image-Verlust

Das Statement von IG Bau-Bezirkschef Lukas Oßwald ist eindeutig, er spricht von einem „erschreckenden Ausmaß krimineller Energie“. Aus seiner Sicht stehe das Image der gesamten Branche auf dem Spiel: „Sauber wirtschaftende Firmen dürfen nicht wegschauen, wenn sich Konkurrenten nicht an die Regeln halten. Gerade die Coronakrise hat ja gezeigt, wie wichtig die Bauwirtschaft als Stütze der Konjunktur auch in der Region ist.“

Denn nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stiegen die Bau-Umsätze in den ersten fünf Monaten 2020 trotz Pandemie um rund sieben Prozent. Schwarzarbeit sei aber auch ein Problem für die Unternehmen selbst, denn kein Unternehmen, das seine Mitarbeiter ordnungsgemäß beschäftigt, könne preislich mit schwarzarbeitenden Anbietern konkurrieren.

Wie könnten Lösungen aussehen?

„Das beste Mittel gegen unerlaubte Geschäfte am Bau ist ein fairer Wettbewerb zu fairen Löhnen und Arbeitsbedingungen. Dazu muss sich die ganze Branche bekennen, wenn sie ihren Ruf nicht verspielen will“, so Oßwald mit Hinweis auf die laufende Tarifrunde.

Entscheidend sei aus Sicht der Gewerkschaft aber auch, dass der Zoll schwarze Schafe noch stärker in den Blick nehme. „Es kommt nicht nur auf die Zahl der Kontrollen an, sondern auch auf die Qualität. Hier braucht die Finanzkontrolle Schwarzarbeit mehr Personal“, so Oßwald. Auch hier beruft sich die Gewerkschaft auf das Finanzministerium, wonach beim Hauptzollamt Singen zu Jahresbeginn lediglich 76 Planstellen besetzt gewesen seien.

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