Regional ist Trumpf – das gilt bei vielen Kunden, wenn es um Lebensmittel geht. Gründe dafür gibt es viele: Kleinere Erzeuger und Betriebe unterstützen, das Wissen, was genau man zu sich nimmt und woher es kommt. Darüber hinaus versprechen die kurzen Transportwege eine bessere Klimabilanz.

Immer mehr Verbraucher scheinen ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, was sie zu sich nehmen. Wir haben uns ein Grundnahrungsmittel genauer angeschaut: Mehl und Brot. So hat sich die Entwicklung auf Mühlen und Bäcker in der Region ausgewirkt.

Regionales Mehl als Trendbewegung?

„Auf jeden Fall“ sei ein Trend zum regionalen Einkaufen wahrzunehmen, sagt Thomas Gampp, Müllermeister und Inhaber der Albtal-Mühle im Görwihler Ortsteil Tiefenstein. Diese Entwicklung sei zwar nicht neu, sondern „schon über Jahre bemerkbar“, habe aber einen zusätzlichen Anschub durch die Pandemie bekommen. Die Leute möchten mehr backen – gerade im Lockdown im April 2020 war Mehl in den Supermarktregalen häufig nicht mehr zu finden.

Mehl aus dem Supermarkt scheint aber nicht für alle Verbraucher ausreichend zu sein. „Die Kunden sind interessiert, wo und unter welchen Bedingungen ihre Nahrungsmittel entstehen“, so Gampp. Er selbst bezieht sein Getreide von Landwirten aus dem Kreis Waldshut.

Einkaufsverhalten im Wandel

Thomas Hilpert von der Stadtmühle Tiengen beobachtet einen Strukturwandel bei den Mühlen.
Thomas Hilpert von der Stadtmühle Tiengen beobachtet einen Strukturwandel bei den Mühlen. | Bild: Simon Wöhrle

„Es gibt halt einen Trend“, sagt Thomas Hilpert von der Stadtmühle Tiengen, der habe aber mit Sicherheit nicht alle Menschen erreicht. „Es gibt Leute, die sehr stark auf ihre Ernährung schauen“, anderen sei das wiederum egal.

Doch im Allgemeinen bestätigt Hilpert, dass sich das Einkaufsverhalten der Menschen über die vergangenen Jahre hinweg verändert hat. Zur Stammkundschaft der Mühle würden auch stets neue Kunden hinzukommen.

Zu viel Marketing schadet dem Begriff

Den Trend zur Regionalität spürt auch Daniel Blattert, von der gleichnamigen Mühle in Bonndorf. Besonders im ersten Lockdown in 2020 sei „das Bewusstsein der Verbraucher dedizierter geworden“, nicht zuletzt durch Ausfälle in den internationalen Lieferketten. Mehl wurde zum Hamsterprodukt.

Davon hätten auch Direktvermarkter profitiert. Auch jetzt hat das Niveau laut Blattert nicht abgenommen, die Kunden bleiben treu.

Müllermeister Daniel Blattert führt die gleichnamige Mühle in Bonndorf in der sechsten Generation.
Müllermeister Daniel Blattert führt die gleichnamige Mühle in Bonndorf in der sechsten Generation. | Bild: Simon Wöhrle

Was den Müllermeister an der Frage nach regionalem Einkaufen stört: „Regionalität ist zum Standard im Marketing geworden“, der Begriff werde überstrapaziert.

Trend ist nicht überall zu spüren

Für Peter Birlin von der gleichnamigen Mühle in Rheinfelden-Degerfelden ist der Trend zum regionalen Einkaufen „nicht spürbar.“

Zumindest kann er keine Steigerung innerhalb der vergangenen Monate wahrnehmen. Ein konstanter Trend existiere, habe aber phasenweise Ausprägungen. So wurde etwa im Winter mehr Mehl nachgefragt, erklärt Birlin.

Für Peter Birlin ist in der gleichnamigen Mühle in Rheinfelden-Degerfelden der Trend zum regionalen Einkaufen nicht so deutlich ...
Für Peter Birlin ist in der gleichnamigen Mühle in Rheinfelden-Degerfelden der Trend zum regionalen Einkaufen nicht so deutlich sichtbar. (Archivbild 2016) | Bild: Heidi Rombach

Ob sich das Bewusstsein der Verbraucher geändert hat, sei schwer zu sagen. Manche würden gezielt kommen, „weil sie es direkt von der Mühle haben möchten“, für die meisten sei Mehl aber „oft ein Mitnahme-Artikel im Supermarkt.“

Was sagen Bäcker dazu?

„Man merkt das auf jeden Fall“, sagt Tonja Küpfer von der gleichnamigen Bäckerei in Waldshut. Gerade im ersten Lockdown 2020 habe sich der Trend zum regionalen Einkaufen bemerkbar gemacht. Kleine Läden und Familienbetriebe unterstützen, aber „auch die Qualität zählt“, erklärt Küpfer sich die Einstellung der Kunden.

Die Bäckerei Küpfer in Waldshut musste ihre Preise erhöhen.
Die Bäckerei Küpfer in Waldshut musste ihre Preise erhöhen. | Bild: Simon Wöhrle

Clemens Pfeiffer, Inhaber von Pfeiffer Beck in Bad Säckingen, tut sich schwer damit, von einem klaren Trend zu sprechen. „Grundsätzlich ja“, er würde es allerdings eher als ein „gewisses Umdenken bei einem gewissen Teil der Bevölkerung“ bezeichnen.

Einige würden Wert darauf legen, regional, eventuell sogar in Bio-Qualität, vor Ort zu kaufen. Andere dagegen würden nur auf Preise schauen. Eine Frage des Geldes sei das nicht, eher eine Lebenseinstellung, sagt Pfeiffer.

Gestiegene Mehlpreise

Bei der Frage nach dem gestiegenen Mehlpreis tut sich Blattert schwer. Prozentual gesehen sei die Steigerung zwar groß, in der Realität entspricht sie allerdings nur wenigen Cent pro Kilo. Für Verbraucher sei das eher zu vernachlässigen, die professionelle Branche „setzt es schon vor Herausforderungen“, sagt Blattert.

Den Preisanstieg für Mehl bezeichnet Gampp als „nicht übermäßig, aber doch gestiegen.“ Der Grund dafür ist schnell benannt: Die Ernte „war geringer als im Durchschnitt“, außerdem hätten große Teile die Anforderungen für Brot nicht erfüllt. So entstand mehr Futtergetreide als solches fürs Backen.

Die Gründe sind bekannt – und nicht zu ändern

Auch für Hilpert ist der Grund für die gestiegenen Mehlpreise klar: „Das liegt an den Rohstoffen“, die Gründe für die verhältnismäßig schlechte Ernte seien vielfältig. Das Getreide, das in der Stadtmühle Tiengen verarbeitet wird, stammt ebenfalls aus dem Kreis Waldshut. Bei weniger Getreide müssten die Preise zwangsläufig steigen. „Man hofft schon auf die neue Ernte“, so Hilpert, vorbereiten auf das kommende Jahr könne man sich aber nur bedingt.

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Die Preissteigerung liege zum einen an der Ernte, sagt auch Peter Birlin. Er selbst musste beispielsweise vom Großhandel zukaufen, da es lokal kaum etwas gab. Darüber hinaus seien aber auch die Preise für Energie, Verpackung und Transport gestiegen. All das spiegle sich dann im Preis wieder. Die tatsächlichen Auswirkungen seien dann vermutlich erst in den kommenden Monaten zu sehen.

Führt teures Mehl auch zu teurem Brot?

„Man zahlt mehr, aber bekommt auch mehr“, sagt Küpfer. Vor etwa zwei Monaten mussten die Preise in der Bäckerei erhöht werden. Grund dafür seien neben gestiegenen Preisen für Rohstoffe besonders Energiekosten. Für Brot macht die Erhöhung etwa zehn bis 20 Cent pro Kilo aus. „Die Leute haben das direkt gemerkt“, so Küpfer, das Verhältnis zur Qualität der Backware sei aber weiterhin ausschlaggebend.

„Der Markt spaltet sich auf“, sagt Clemens Pfeiffer, „regionale Produkte und echtes Bäckerhandwerk, das ist, womit ich punkten kann“, fährt er fort. Gleichzeitig beobachtet er, wie Selbstbedienungstheken in Supermärkten immer beliebter werden. Beide Seiten hätten ihre Berechtigung.

Clemens Pfeiffer setzt in seinen Filialen auf Qualität anstatt möglichst günstiger Preise, wie er sagt. (Archivbild)
Clemens Pfeiffer setzt in seinen Filialen auf Qualität anstatt möglichst günstiger Preise, wie er sagt. (Archivbild) | Bild: Verena Wehrle

Der Preisanstieg sei ein schleichender Prozess, der schon seit Mitte des vergangenen Jahres im Gange wäre, erklärt Pfeiffer. Das spiegelt sich auch in seiner Bäckerei wieder. etwa um zehn Prozent teurer wurden die meisten Produkte, Süßwaren häufig noch teurer. „Ich weiß nicht, ob das das Ende der Fahnenstange ist“, sagt Pfeiffer.

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