Ein Deutschland-Spiel an der Weltmeisterschaft an einem frühen Nachmittag mitten unter der Woche? Das ist nicht gerade arbeitnehmerfreundlich, und daher besuchertechnisch mit gewissen Risiken verbunden. Der SC Lauchringen ist als einer der wenigen Veranstalter in der Region dieses Risiko eingegangen und bietet Fußballfans zu seinem 100-jährigen Bestehen in diesem Jahr ein Public-Viewing-Angebot.

In einer Halle im Lauffenmühle-Areal hat der Verein eine Leinwand, Bierbänke und Stehtische für die Fans aufgestellt, die Fußball am liebsten in Gemeinschaft genießen. Zum ersten Gruppenspiel der Deutschen gegen Japan am Mittwoch kamen etwa 80 Zuschauer. Die Halle wirkte nur spärlich besucht.

Ungünstiger Zeitpunkt

Warum es so wenige Gäste waren, erklärt sich Fabian Steffen vom SC Lauchringen vor allem mit dem Spiel-Zeitpunkt. Aber er bleibt positiv gestimmt: „Trotz der ungewohnten Uhrzeit sind mehr Menschen gekommen, als wir erwartet hätten. Wir schätzen, dass am Sonntag zum Spiel gegen Spanien dann drei bis 400 Fans kommen.“

Auch Steffen weiß, dass die Weltmeisterschaft in diesem Jahr unter dem Schatten der Menschenrechts-Debatte steht. Und dennoch: „Ich glaube, dass genug Fußballfans die politische Situation außen vor lassen können.“

Pasquale Herbrig, Sebastian Kaiser und Daniel Maier (von links) haben sich extra für den Nachmittag frei genommen.
Pasquale Herbrig, Sebastian Kaiser und Daniel Maier (von links) haben sich extra für den Nachmittag frei genommen. | Bild: Nico Talenta

Extra frei genommen

In der Halle waren Fans jeden Alters vertreten – vor allem aber Schüler und ältere Menschen. Für Arbeitnehmer dürfte es schwierig gewesen sein, extra wegen eines Fußballspiels frei zu nehmen. Sebastian Kaiser, Daniel Maier und Pasquale Herbrig haben aber genau das getan, um gemeinsam in Lauchringen um 14 Uhr den ersten Auftritt der Deutschen anzuschauen.

Schwer war das für die drei Männer nicht. „Sebastian und ich sind selbstständig und konnten es uns so recht leicht einrichten, heute an das Spiel zu kommen“, sagt Maier. Und Pasquale Herbrig?

Er ist Angestellter bei Sebastian Kaiser und weiß: „Ich habe einfach einen tollen Chef.“ Sowohl Sebastian Kaiser als auch Daniel Maier kamen im Deutschlandtrikot. Auffällig war, dass sie damit in der Unterzahl waren.

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Verhaltene Stimmung

Kaum ein anderer Zuschauer im Lauffenmühle-Areal trug zum Spiel ein Trikot. Etwas ungewohnt war auch, dass es dieses Jahr Glühwein und Schnupfnudeln neben Bier und Bratwurst gab. Überhaupt war die Stimmung während der Live-Übertragung verhalten. Selbst die Stadionkulisse, die über Lautsprecher auch nach Lauchringen übertragen wurde, war lauter als die Geräusche der Fans in der Halle.

Als die Japaner das erste Abseitstor trafen, schwieg Lauchringen. Das erste Raunen ging durch die Halle, als Deutschland in der 17. Minute eine Torchance bekam. Erst als das Spiel schon eine halbe Stunde läuft, bricht in Lauchringen das Eis: Zum Elfmetertor in der 33. Minute jubelten die Menschen. Kein Wunder, es war das 1:0 für Deutschland.

Fabian Steffen vom SC Lauchringen lässt sich vom verhaltenen Auftakt nicht entmutigen.
Fabian Steffen vom SC Lauchringen lässt sich vom verhaltenen Auftakt nicht entmutigen. | Bild: Nico Talenta

Das Ergebnis

Deutschland gegen Japan, das hat es das letzte Mal im Mai 2006 kurz gegeben. Seinerzeit konnte Sebastian Schweinsteiger, Ex-Profifußballer, das Endergebnis immerhin noch auf ein 2:2 retten. Dieses Mal endete das erste Gruppenspiel für die Deutschen bitter mit einer 2:1 Niederlage.