Ein Fehler bei einer Bestattung in Zell zieht nun einen größeren Streit nach sich. Weil bei einer Beerdigung im April eine Urne versehentlich im falschen Grab bestattet worden war, hat nun der Sohn des Verstorbenen Dienstaufsichtsbeschwerden angestrengt, und zwar gegen Bürgermeister Peter Palme und Matthias Uihlein, zuständig für die Friedhofsverwaltung.

Der Angehörige wirft dem Bürgermeister vor, die Aufklärung des Vorfalls zu behindern, und fordert eine offizielle Entschuldigung. Die Stadt allerdings weist jede Schuld von sich – genau wie das Bestattungsunternehmen.

Was war vorgefallen?

Im April verstarb der in Zell recht gut bekannte Bürger Paul Weide. Dessen Sohn Heiko Weide ist in Schopfheim wohnhaft und hier als Vorsitzender der Unabhängigen lokalpolitisch tätig und bekannt.

Wie kommt die Urne in das falsche Grab?

Er schildert die Vorgänge rund um die Beerdigung auf dem Zeller Friedhof in einem Schreiben an die Kommunalaufsicht, das dem Berichterstatter vorliegt, so: Am 28. April sollte der Verstorbene beigesetzt werden. Für diese und eine weitere Bestattung waren auf dem Zeller Friedhof zwei Urnengräber ausgehoben worden.

Hier nahm das Unheil seinen Lauf: Auch während der Beerdigung bemerkte niemand, dass das Bestattungsunternehmen die Urne im falschen Grab beisetzte.

Ist die Urne immer noch am falschen Platz?

Nein. Der Irrtum fiel kurz darauf einem Mitarbeiter des auf dem Friedhof tätigen Gartenbauunternehmens auf, der den Bestatter informierte. Am nächsten Tag wurde die Beerdigung dann wiederholt, diesmal am richtigen Grab.

Wer trägt die Verantwortung?

Für die Trauerfamilie, so schildert es Heiko Weide auf Nachfrage, sei das eine absolute Zumutung. „Es will keiner erleben, einen geliebten Menschen zweimal beerdigen zu müssen“, so Weide. Er wache wegen dieses Vorfalls manchmal nachts noch schweißgebadet auf. Weide forderte nach dem Friedhofs-Fauxpas Aufklärung. Zunächst sei die Frage zu klären, wer für den Fehler die Verantwortung trägt – ob der Bestatter oder die Friedhofsverwaltung.

Das Bestattungsunternehmen Klingele aus Schopfheim nimmt Weide aus der Schusslinie – die Mitarbeiter hätten beim Begräbnis wegen fehlender Kommunikation der Stadtverwaltung gar nicht wissen können, dass es an betreffendem Tag zwei offene Gräber gab.

Was sagt das Bestattungsunternehmen?

Klingele-Geschäftsführer Benedict Mattes bestätigt das auf Nachfrage: „Es war einfach eine blöde Situation. Es gab zwei offene Gräber, wir hatten darüber keine Rückmeldung von der Stadt.“

Mattes erklärt, er habe sich persönlich um den Fall gekümmert, als er davon erfuhr. „Wir haben dann die Urne, alle Utensilien, die Grabbeigaben bei uns verwahrt.“ Schließlich sei unklar gewesen, wie es weitergeht. „Die Erreichbarkeit der Stadt ist auch da nicht gegeben gewesen“, so Mattes. Das Bestattungsunternehmen kam der Trauerfamilie finanziell entgegen: Klingele übernahm nach eigener Aussage die kompletten Grabkosten plus die Kosten, die durch die zweite Bestattung anfielen, insgesamt mehr als 1500 Euro. „Zwischen uns und der Trauerfamilie ist der Fall geklärt“, sagt der Geschäftsführer.

Gegen wen liegt nun Dienstaufsichtsbeschwerde vor?

Heiko Weides Zorn richtet sich folglich gegen die Stadtverwaltung. Nun liegen zwei Dienstaufsichtsbeschwerden Weides bei der Kommunalaufsicht und warten auf ihre Überprüfung.

Weide erhebt vor allem Vorwürfe gegen den Chef der Friedhofsverwaltung, Matthias Uihlein, im Rathaus auch für Ordnungs- und Standesamt sowie für das Bürgerbüro zuständig. Es gebe „massive Mängel im organisatorischen Ablauf“, die Uihlein „grob fahrlässig wissentlich hingenommen“ habe.

Bürgermeister Peter Palme wiederum verhindere aus Sicht von Weide „aktiv die Aufklärung dieses Vorfalls“. Es habe zwar ein Gespräch gegeben, um den drohenden Streit zu verhindern – dieses sei jedoch „aus meiner Sicht her sehr unzufrieden verlaufen“, so Weide. Der Bürgermeister habe die Schuld auf das Bestattungsunternehmen geschoben, auch mit Blick auf Schadenersatzforderungen, die Weide erhebt.

Was sagt der Friedhofsverwalter zu den Vorwürfen?

Matthias Uihlein räumt am Telefon ein, dass „es sehr unglücklich gelaufen“ sei. „Menschliche Fehler passieren überall, wo gearbeitet wird.“ Allerdings sei die Stadt Zell „nicht der Hauptschuldige“. Es habe sehr wohl eine Information für die Bestatter gegeben, sagt Uihlein, der aber um Beschwichtigung bemüht ist: „Die Kommunikation ist verbesserungswürdig. Aber wir wollen mit dem Unternehmen weiterhin vertrauensvoll zusammenarbeiten.“ Inzwischen seien „Mechanismen eingebaut“ worden, um solche Fälle in Zukunft zu verhindern.

Wie reagiert Bürgermeister Peter Palme?

Peter Palme weilt zurzeit im Sommerurlaub, man erreicht ihn auf dem Diensthandy. Und dabei kommt etwas Licht ins Dunkel: „Auf unserem Friedhof gab es bis vor Kurzem ein eingespieltes Team zwischen dem bisher hier tätigen Bestatter und der Gartenbaufirma“, so Palme. Aus gesundheitlichen Gründen falle der Bestatter langfristig aus, ebenso sei der Chef der von der Stadt beauftragten Gartenbauer verhindert gewesen. Beide hätten das Missverständnis womöglich rechtzeitig bemerkt – so aber seien am betreffenden Tag mehrere ortsunkundige Mitarbeiter auf beiden Seiten am Werk gewesen.

Verhindert Palme die Aufklärung?

Dass er die Aufklärung behindere, weist Palme von sich. Die Stadt habe sich bemüht, die Angelegenheit für alle Seiten verträglich zu lösen. Er habe sich persönlich bei der Witwe entschuldigt. Bürgermeister-Stellvertreter Thomas Kaiser habe sogar noch einen Pfarrer organisiert, der das neue Grab gemeinsam mit der Trauerfamilie erneut eingesegnet habe. Und die Stadt sei der Familie auch finanziell entgegengekommen, mit einer kleinen Minderung der Grabgebühren um rund 160 Euro.

Der Bürgermeister kann nicht nachvollziehen, warum Weide den Streit nun einerseits vor die Kommunalaufsicht, andererseits auch in die Öffentlichkeit trägt. Welche Folgen die Beschwerde haben kann, ist derzeit völlig unklar, die Kommunalaufsicht gibt mit Verweis auf den Datenschutz auf Nachfrage keine Auskunft zu den Vorgängen. Weide erhofft sich von diesem Schritt ein offizielles Schuldeingeständnis der Stadt und eine schriftliche Entschuldigung. „Mir geht es darum, dass sich so etwas nicht wiederholt“, so Weide – ein Punkt, in dem sich allerdings alle Beteiligten einig sind.

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