Natürlich verlange die weiterhin bestehende Gefahr durch das Virus sowohl den Azubis als auch den ausbildenden Betrieben viel zusätzliche Eigeninitiative ab, fasst Aron Jehle, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Waldshut, die Situation zusammen. Dennoch gebe es keine Anzeichen, dass eine Ausbildung im Handwerk an Attraktivität verloren habe: „Im vergangenen Jahr gab es durch die ungewisse wirtschaftliche Lage weniger Bewerber, aber die Bereitschaft der Betriebe zur Ausbildung war und ist weiterhin sehr hoch. Viele bieten inzwischen auch wieder Praktika zur Orientierung an,“ so Jehle weiter.

Berufsschule im Fernunterricht

Der Berufsschulunterricht findet bis auf die Abschlussklassen weitgehend in Form von Fernunterricht statt. Das bedeute für die Auszubildenden im Schulbereich mehr noch als sonst am Ball bleiben, um die Stoffmenge zu bewältigen, heißt es laut Jehle aus den Betrieben. Eventuell auftauchende Lücken ließen sich durch den lediglich indirekten Kontakt zu den Lehrkräften aber schwerer identifizieren. „Für die Jugendlichen ist die Lage nicht einfach. Vielen fehlen auch ein angemessener Ausgleich und soziale Kontakte in ihrer Freizeit“, so Jehle.

Auch gebe es noch kein Patentrezept, falls es aufseiten der Ausbildungsbetriebe gibt, gibt Aron Jehle zu bedenken: „Normalerweise sind die Auszubildenden im Handwerk sehr stark in die betrieblichen Abläufe eingebunden. Gibt es aber beispielsweise einen Corona- oder Quarantänefall, ist es an den einzelnen Betrieben, individuelle Lösungen zu finden, um die Lehre aufrecht zu erhalten,“ so Jehle weiter.

Malergeschäft Borho: Tücken der Technik konnten beseitigt werden

Das Bad Säckinger Malergeschäft Borho kennt die pandemiebedingten Herausforderungen bei der Ausbildung sehr genau durch seine Auszubildende Cora Schmidle, wie Geschäftsführer Alexander Borho darstellt. Sie sei sehr motiviert, die Tücken der Technik hätten aber insbesondere den Berufsschulunterricht deutlich erschwert, denn dieser finde weitgehend digital statt. „Aber seit die Online-Lernplattform für die Berufsschule endlich besser funktioniert, läuft auch dieser Teil der Ausbildung wieder runder,“ stellt Borho fest.

Derweil blieben auch bei Borho 2020 Bewerbungen für die Lehrstellen aus. Dieses Jahr gebe es aber bereits drei Bewerber. „Wir konnten alle drei zu einem Praktikum einladen,“ freut sich Alexander Borho. Das Baugewerbe sei voll ausgelastet und brauche dringend guten Nachwuchs, die Betriebe seien als Ausbilder daher weiterhin sehr attraktiv, meint Borho. Der Betrieb habe sich inzwischen gut an die Umstände angepasst, betont Borho: „Die Arbeit auf der Baustelle funktioniert auch unter Corona-Bedingungen, auch wenn einige Tätigkeiten dadurch mehr Zeit benötigen, und Büroarbeiten werden im Home-Office erledigt.

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Bugge Haustechnik: „Enger Austausch hilft Lehrling weiter“

Thomas Bugge von der Bad Säckinger Firma BGL Bugge Haustechnik bildet derzeit einen Lehrling aus, und mindestens einmal wöchentlich gebe es ein Treffen mit der Möglichkeit, Fragen zu stellen und Probleme frühzeitig ansprechen zu können. „Unser Lehrling ist kein Muttersprachler, manchmal bleiben Details im Fernunterricht teilweise unklar, gezieltes Nachfragen kann über das Internet bei aller Motivation manchmal schwer sein,“ sagt Bugge.

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Umso wichtiger sei daher ein offener Austausch im Betrieb, bei Bugge kümmern sich außerdem die Jungmeister besonders um die Belange des Auszubildenden. „Bewerbungen auf einen Ausbildungsplatz haben wir zwei bis drei im Jahr, daran hat sich bislang wenig geändert. Allerdings zeigen viele Bewerber im Vorfeld Mängel bei wichtigen Grundkenntnissen,“ beklagt Bugge.

Miriam Oeschger macht eine Überbetriebliche Ausbildung zur Ausbau Managerin, eine Verbindung aus praktischer Ausbildung, unternehmerischem und betriebswirtschaftlichem Lehrprogramm.
Miriam Oeschger macht eine Überbetriebliche Ausbildung zur Ausbau Managerin, eine Verbindung aus praktischer Ausbildung, unternehmerischem und betriebswirtschaftlichem Lehrprogramm. | Bild: Daniel Volz

Gipser Oeschger: „Azubis wird deutlich mehr abverlangt“

Der Gipser-Fachbetrieb Oeschger aus Niederhof sieht ebenfalls die Betriebe in der Pflicht. Kommunikation und Absprache seien derzeit wichtiger denn je, meint Sabine Oeschger. „Unsere Tochter absolviert bei uns einen Teil ihrer überbetrieblichen Ausbildung, und durch die Pandemie ist viel Blockunterricht im Ausbildungszentrum ausgefallen.“ Die ausgebliebene zusätzliche Praxisausbildung vor Ort könne außerdem sehr nachteilig für die Azubis sein, wenn die Betriebe da nicht gegensteuern, so Oeschger weiter. In den vergangenen Jahren habe der eigene Betrieb wenige Bewerbungen erhalten. Dieser Trend halte noch an. „Da müssen wir wohl abwarten,“ meint Sabine Oeschger.