Bei der zum russischen Aluminiumkonzern Rusal gehörenden Alu Rheinfelden, Spezialistin für Alulegierungen, laufen die Geschäfte trotz des Krieges in der Ukraine weiter. Rusal ist nicht mit westlichen Sanktionen belegt. Nach Informationen der Redaktion könnte die russische Mutter die südbadische Tochter auch weiter direkt mit zusätzlichem Geld versorgen. Das Unternehmen stehe finanziell auf festen Füßen, sagte Alu-Chef Eric Martinet im Gespräch.

Rusal zählt zu den weltweit größten Aluminiumproduzenten. Im Jahr 2020 lag der Umsatz bei 8,6 Milliarden Dollar. Das waren 11,8 Prozent weniger als 2019. Der bereinigte Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) betrug 871 Millionen Dollar – ein Minus von 9,8 Prozent.

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Rusal war in der Vergangenheit Ziel von US-Sanktionen. Sie wurden jedoch im Januar 2019 aufgehoben, als Großaktionär Oleg Deripaska seinen Anteil deutlich reduzierte. Der Russe Deripaska gilt in den Augen der USA als Kreml-nah. Teil dieses Deals war auch der Rücktritt von Matthias Warnig als Rusal-Verwaltungsratschef. Warnig werden enge Beziehungen zu Wladimir Putin nachgesagt. Er wohnt in Staufen, ist Chef des Gaspipelinebetreibers Nord Stream AG und wurde von den USA im Zuge des Ukraine-Konflikts mit Sanktionen belegt.

Die damalige Aufhebung der Beschränkungen für Rusal bewerteten Beobachter auch als Reaktion auf die enorme Bedeutung des Rohstoffproduzenten für die US-Wirtschaft. Der Konzern ist sehr wichtig für die dortige Aluminiumversorgung. Das Element ist wegen seiner Leichtigkeit in den verschiedensten Branchen wie zum Beispiel im Flugzeugbau geschätzt.

Übernahme im Frühjahr 2021

Rusal übernahm die Alu Rheinfelden im Frühjahr vergangenen Jahres aus der Insolvenz heraus. Zuvor hatte die Investorengruppe Euroatlantic ebenfalls Interesse bekundet. Gleichzeitig entbrannte eine Diskussion darüber, ob mit dem Verkauf der Alu an Rusal wichtiges militärtechnisches Wissen nach Russland gelange. Die Insolvenzverwaltung bestritt dies – mit dem Hinweis auf viele abgelaufene Patente. Am Ende genehmigte das Bundeswirtschaftsministerium die Übernahme durch Rusal. Wie Alu-Rheinfelden-Chef Eric Martinet nach dem Rusal-Einstieg sagte, wolle der russische Konzern die Geschäftsbeziehungen mit westeuropäischen Autobauern stärken, die Wertschöpfung im Konzern erhöhen und über die Alu Rheinfelden das Alu-Recycling nach vorn bringen.

Das Unternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, die Klimabelastung durch die Aluproduktion zu senken. Mehr Recycling sei dafür unabdingbar, sagte Eric Martinet damals. Für dieses Jahr rechnet der Ingenieur mit einer schwarzen Null beim Betriebsergebnis, nachdem das Unternehmen lange Verluste verzeichnete. „Die Belegschaft der Alu hat hervorragende Arbeit geleistet und die Trendwende geschafft“, fügt er hinzu. Die Finanzierung des südbadischen Traditionsunternehmens sei sichergestellt. Die Alu beschäftigt 220 Menschen, 2020 lag der Umsatz bei 110 Millionen Euro.

Das sagt OB Klaus Eberhardt

Rheinfeldens Oberbürgermeister Klaus Eberhardt sagte, er habe gleich am ersten Tag des russischen Angriffs an Rusal geschrieben und um Informationen gebeten, kurz darauf telefonierten Alu-Chef Eric Martinet und dem Stadtoberhaupt, sagte Eberhardt. Dass weder Rusal noch die Alu mit Sanktionen belegt seien, erleichtere ihn. Auch die wirtschaftliche Entwicklung der Alu sei zufriedenstellend.

Oleg Deripaska ist laut BBC in den USA weiter von Sanktionen betroffen, in Großbritannien aber nicht. Vor wenigen Tagen postete er auf dem Internetdienst Telegram: „Friedensverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine müssen sofort starten.“ Der in der Ukraine geborene Michail Fridman, Gründer der Alfa-Bank und einer der reichsten Russen, sagte: „Krieg kann niemals die Antwort sein“, wie die „Financial Times“ schrieb.

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