Die Tränken auf den Allmendweiden am Südhang des Belchens in trockenen Sommern aufzufüllen, machte den Landwirten viel Arbeit. Mit Unterstützung durch das Biosphärengebiet Schwarzwald hat die Gemeinde Kleines Wiesental die Weideversorgung nun zum Teil an das öffentliche Wassernetz angeschlossen. Ein Beispiel, wie gezielt im kleinen Rahmen viel bewegt werden und Vorbild sein kann.

Seit Wochen kein Wasser mehr

Die Quelle der Kleinen Wiese ist versiegt. Das ist in heißen, trockenen Sommern nicht ungewöhnlich, sagt Weidewart Erwin Eiche. „Aber sie ist schon Ende Juni versiegt.“ Und das ist sehr früh. Die Quellen an den Tränketrögen auf der steilen Weide am Südhang des Belchens haben seit Wochen kein Wasser mehr.

Früher hätten die Landwirte das große Fass füllen müssen, vierzig bis fünfzigmal im Sommer, und die 2000 Liter Wasser über enge Wege zu den steilen Weiden bringen. Ungefähr drei Stunden Arbeit mussten dafür kalkuliert werden, sagt Gerd Schönbett, Bürgermeister des Kleinen Wiesentals.

Nach Feierabend, denn Haupterwerbslandwirte gibt es nicht mehr. Aber auf der Holder- und der Belchenweide sind diese Zeiten vorbei. Die Kühe haben jetzt ihren eigenen Anschluss ans Trinkwassernetz beziehungsweise Tränkewassernetz.

Neuenweg nun am Wassernetz

Neuenweg ist ein Ortsteil der Gemeinde Kleines Wiesental mit rund 300 Einwohnern, der aus vier Ortsteilen besteht. Einer davon sind die Oberen Belchenhöfe: zwölf Häuser, eine Gaststätte, eine Jugendhilfeeinrichtung. Bis vor drei Jahren waren sie nicht ans Wassernetz angeschlossen, berichtet Schönbett, sondern deckten ihre Versorgung aus Quellen.

Die seien immer häufiger ausgetrocknet, die Feuerwehr musste Wasser anfahren. „Trockenperioden sind nicht neu, aber es gab sie nicht in dieser Intensität“, sagt der Bürgermeister. Für 1,7 Millionen Euro wurden die Höfe an das Wassernetz angeschlossen.

Gespeist wird die Versorgung von der Quelle in Heubronn. Diese, sagt Schönbett, könne genug Wasser liefern – auch für die Weiden. Von der Quelle schieße das Wasser ins Tal, in die Pumpstation im Feuerwehrgerätehaus und werde von dort aus mit 21 Bar Druck 210 Höhenmeter hinauf gepumpt in den neuen Hochbehälter mit zwei jeweils zehn Kubikmeter großen Speichertanks oberhalb der Belchenhöfe, erklärt Wassermeister Günter Zimmermann.

Wassermeister Günter Zimmermann im Hochbehälter oberhalb der Belchenhöfe.
Wassermeister Günter Zimmermann im Hochbehälter oberhalb der Belchenhöfe. | Bild: Kathrin Ganter

Die Idee reifte, auch die Weiden anzubinden. Für die Infrastruktur und die 450 Meter lange Wasserleitung zur 44 Hektar großen Belchenweide beantragte die Gemeinde Mittel aus dem Fördertopf des Biosphärengebiets Südschwarzwald und bekam 10 000 Euro – die Hälfte der Kosten. Die 36 Hektar große Holderweide konnte über eine bestehende, 4,5 Kilometer lange Leitung angebunden werden.

Jede Kuh säuft mehr als 100 Liter Wasser am Tag

Erwin Eiche steht neben der Zisterne auf der Weide, die langsam mit frischem, klarem Wasser volläuft. Von dort aus werden die acht Tränken versorgt. Um kein Wasser zu verschwenden, wird die Pumpe zu den Weiden manuell betrieben. Der Vorsitzende des Weide- und Landschaftspflegevereins Neuenweg prüft täglich den Wasserdruck, wenn er nach der Herde schaut.

Auf den Allmendweiden des Vereins, gemeindeeigenen Flächen, zu denen neben den genannten auch ein Gebiet am Nonnenmattweiher gehört, grasen im Sommer Rinder verschiedener Bauern aus dem Kleinen Wiesental und anderen Gemeinden. Rund 100 Rinder und Mutterkühe sind es auf einer Fläche von rund 100 Hektar. Sie sind durstig: 80 bis 100 Liter Wasser säuft ein Rind pro Tag, eine Kuh sogar noch etwas mehr.

Ziegen und Kühe als Landschaftpflger

Gemeinsam mit der Umweltabteilung des Freiburger Regierungspräsidiums arbeite das Team des Biosphärengebiets an einer Konzeption für den Bereich Kleines Wiesental, Aitern, Böllen und Schönenberg, erläutert Christoph Huber, stellvertretender Geschäftsführer.

Bürgermeister Gerd Schönbett, Weidewart Erwin Eiche und Florian Brossette vom Biosphärengebiet erläutern vor Ort die neue ...
Bürgermeister Gerd Schönbett, Weidewart Erwin Eiche und Florian Brossette vom Biosphärengebiet erläutern vor Ort die neue Wasserversorgung für die Allmendweiden. Eine tragende Rolle spielt dabei die Zisterne. | Bild: Kathrin Ganter

Die Erkenntnisse aus dem Wiesental sollen auf andere Hochweiden im 63 000 Hektar großen Biosphärengebiet übertragen werden. Die Weiden sind prägendes Herzstück des Reservats. Ohne Beweidung würden die Höhen zuwuchern, verbuschen und verwalden. Ziegen und Kühe sind dabei zuverlässige Landschaftspfleger. „Die Offenhaltung wäre ohne die Landwirte nicht zu erreichen“, sagt Christoph Huber.

Sein Kollege Florian Brossette, Leiter des Fachbereichs Landnutzung, hebt die Bedeutung der Beweidung für den Naturschutz hervor. Doch gerade jener stellt hohe Anforderungen. Ein Großteil der Flächen liegt im europäischen FFH-Schutzgebiet, teilweise im Naturschutzgebiet, was hohe Auflagen bei der Bewirtschaftung mit sich bringt.

Das Biosphären-Team berät die Landwirte, versucht, mit ihnen Lösungen zu finden, die beiden Interessensgruppen gerecht werden. Bürgermeister Gerd Schönbett lobt die Zusammenarbeit. „Aber man muss die Chance auch nutzen.“ Er ist im Lenkungsausschuss, der sich mit der Vergabe der rund 200 000 Euro jährlichen Zuschüssen befasst. Beantragt werden können sie von Gemeinden, Unternehmen, aber auch Privatleuten. Abgerufen würden sie, sagt Schönbett. Aber die Anträge dürften ruhig noch etwas kreativer und im Sinne der Biosphäre sein.