Aktuell läuft die dritte und letzte Etappe der Standortsuche für ein geologisches Tiefenlager. Noch in der Auswahl sind: Jura Ost (Kanton Aargau), Nördlich Lägern (Zürich, Aargau) und Zürich Nordost (Zürich, Thurgau). Die Entscheidung gibt die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) erst nächstes Jahr bekannt. Der Aargauer Regierungsrat hat nun dazu Stellung bezogen.

Eigentlich will der Regierungsrat kein Tiefenlager auf Aargauer Kantonsgebiet. Schon heute trage der Kanton überproportional hohe Lasten für die ganze Schweiz, wie etwa die Stromproduktion aus Kernkraftwerken, das Zwischenlager Würenlingen (Zwilag) oder die sehr hohe Verkehrsbelastung auf Straße und Schiene. Eine weitere Belastung könne dem Kanton Aargau deshalb nicht zugemutet werden. Trotzdem ist der Regierungsrat aber bereit, im Standortauswahlverfahren konstruktiv mitzuarbeiten.

Zu den Standortvorschlägen der Nagra zur Oberflächeninfrastruktur stellt der Regierungsrat verschiedene Forderungen. Der Kanton weist auf diverse Nutzungskonflikte und Schutzinteressen hin, für die Lösungen entwickelt werden müssen. Neben dem Wildtierkorridor Böttstein-Villigen oder dem Auenschutzpark Klingnauer Stausee betrifft dies beispielsweise auch die nachfolgenden Punkte.

Grundwasserschutz

Das Thema hat im Laufe des Verfahrens bereits zu großen Diskussionen und Überprüfungen geführt. Die Nagra hat für das Gebiet Nördlich Lägern erstmals eine technische Lösung vorgeschlagen, um die Auswirkungen auf das Grundwasser zu minimieren. Der Regierungsrat fordert aber, dass bei sämtlichen potenziellen Standorten, die über dem Grundwasser liegen, Lösungen zu dessen Schutz ausgearbeitet werden.

Paul-Scherrer-Institut und Innovationspark InnovAARE

Der Regierungsrat unterstützt keine Planungen und Tätigkeiten, die Arbeiten und Forschungsprojekte des Hightech-Standorts beeinträchtigen könnten, die eine räumliche Weiterentwicklung der Standorte behindern oder die dem Image schaden. Zudem müssten entstehende Erschütterungen beim Bau eines Tiefenlagers minimiert und zeitlich mit dem PSI und dem InnovAARE abgestimmt werden.

Zwilag Würenlingen

Bereits in einer früheren Phase des Verfahrens wurde das Zwilag Würenlingen als möglicher Standort für eine externe Verpackungsanlage aufgeführt. Die Ausführungen der Nagra dazu überzeugten den Kanton Aargau jedoch nicht. Die zusätzlich erforderlichen Transporte seien eine potenzielle Gefährdung – auch durch Störfaktoren wie etwa Demonstrationen. Erst falls tatsächlich ein Tiefenlager am Standort Jura Ost realisiert werde, könne man eine Verpackungsanlage beim Zwilag prüfen.

Das Bundesamt für Energie (BFE) hat die Standortkantone aufgefordert, ihre Positionierungen zu den Vorschlägen der Nagra einzureichen – was der Aargau nun getan hat. Anschließend nehmen die beteiligten Regionalkonferenzen im 2. bis 3. Quartal 2021 zu diesem Thema Stellung. Die Nagra gibt schließlich 2022 ihre Standortwahl bekannt und reicht für die gewählten Standorte Ende 2024 Rahmenbewilligungsgesuche ein. Diese werden anschließend von den Behörden geprüft. 2029 entscheidet dann der Bundesrat über die Bewilligung der Gesuche.