An vielen Schulen stellen Elterntaxis ein Problem dar. Morgens fahren viele Mütter oder Väter gleichzeitig ihre Kinder im Privatauto zum Schulunterricht und holen sie wieder ab – gerne möglichst nah am Schulgebäude. Dies führt nicht nur regelmäßig zu Verkehrsbehinderungen auf dem Schulgelände und in dessen Nachbarschaft. Hektische Park- und Wendemanöver können insbesondere für Schüler, die zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind, auch eine Gefahr darstellen. Der Elternbeirat der Karl-Tschamber-Schule in Weil am Rhein wollte etwas dagegen tun und hat zum Beginn des neuen Schuljahrs Haltezonen für Elterntaxis eingerichtet. Ist das ein Vorbild für andere Schulen?

Küss & Tschüss

In etwa 250 Meter Entfernung zur Schule wurden in Weil an der Käppelinstraße und am Oberbaselweg zwei sogenannte „Küss & Tschüss“-Haltezonen eingerichtet. Sie sind mit speziellen Elternhaltestellen-Schildern gekennzeichnet und wurden am 6. Oktober eröffnet. Die Haltezonen wurden nicht neu gebaut. Sie sind auf bereits vorhandenen Parkplätzen in unmittelbarer Nähe zur Schule untergebracht und dürfen zu ausgewiesenen Zeiten ausschließlich von Eltern benutzt werden.

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Die Standorte der beiden Elternhaltestellen haben der Elternbeirat und der Förderverein der Karl-Tschamber-Schule ausgewählt. Unterstützung kam von der Stadtverwaltung und vom ADAC Südbaden, der die Einrichtung auch publik machte. „Durch diese Aktion hoffen wir, den Verkehr direkt vor der Schule und am Zugang zum Schulhof zu reduzieren“, zitiert der ADAC Christiane Armbruster von der Aktionsgruppe für einen sicheren Schulweg des Elternbeirats. Matthias Dirrigl, Gründer der Aktionsgruppe ergänzte demnach: „Die ‚Küss & Tschüss‘- Zonen sollen Eltern sensibilisieren, die ausgeschilderten Standorte anzufahren, damit die Kinder ein Stück des Weges selbständig und ungefährdet zu Fuß zur Schule gehen.“

Der ADAC hat die Projektgruppe begleitet, mit Fachinformationen versorgt und mit Elternvertreter vor Ort eine Standortbeurteilung für potentielle Elternhaltstellen durchgeführt. Der Automobilclub hat auch für beide Elternhaltestellen die Beschilderung übernommen. Die Stadt hat die Elternhaltestellen markiert und die Schilder aufgestellt.

Auch an anderen Schulen gibt es bereits Elternhaltestellen

Die Elternhaltestelle in Weil ist nicht die erste. Janine Regel-Zachmann, die Rektorin der Laufenburger Hans-Thoma-Schule kennt diese Idee schon seit einigen Jahren beispielsweise von der Schule in Gurtweil. Hier werde sie sehr gut angenommen. Seit der Corona-Pandemie wollten viele Eltern ihren Kindern die enge Situation im Bus ersparen. Die Zahl der Elterntaxis habe zugenommen. „Das kann ich gut verstehen und wir sind auch froh, wenn die Busse entlastet werden“, sagt die Laufenburger Schulleiterin.

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Für ihre eigene Schule sieht Regel-Zachmann zumindest aktuell aber keinen Bedarf einer Elternhaltestelle. Die zur Schule führende Rappensteinstraße sei gut einsehbar und es gebe hier viele Parkmöglichkeiten, die Haltestelle sei gut abgesichert. „Vereinzelt ärgern wir Lehrkräfte uns über Eltern, die die Lehrerparkplätze blockieren, weil sie die Kinder dort ein- oder aussteigen lassen. Ein Sicherheitsrisiko ist das aber nicht.“ Grundsätzlich halte die Hans-Thoma-Schule wie viele andere Schulen auch ihre Schüler dazu an, zu Fuß oder mit dem Fahrrad in die Schule zu kommen. Regel-Zachmann: „Das machen auch einige, und die älteren Schüler kommen vereinzelt auch mit ihren Mopeds oder Mofas.“

Auch in Weil wird es zunächst einmal bei den beiden Elternhaltestellen an der Karl-Tschamber-Schule bleiben. Weitere derartige Einrichtungen seien nicht geplant, sagt Junia Folk. Die Stadt sei aber offen, wenn weitere Elternbeiräte an sie wegen dieses Wunschs heranträten. Doch sogar der ADAC ist der Meinung: Am besten ist es, wenn das Elterntaxi in der Garage bleibt. Schon Grundschüler sollten am besten zu Fuß zur Schule gehen.

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