Sandra Holzwarth und Melanie Völk

Fröhlich geht es in der Villa Kunterbunt zu, wenn Plappi, das kleine Plapperkrokodil im Einsatz ist. Die Kinder begrüßen ihren Freund regelmäßig mit dem Plappi-Song und die Kleinen freuen sich sichtlich, wenn sie dem plüschigen Kerl mit der großen Plapperschnauze liebevoll übers grüne Fell streichen dürfen.

Plappi hat in der Wutöschinger Kindertagesstätte eine ganz besondere Rolle. Er ist das Sprachkita-Maskottchen und treuer Assistent von Simone Schwarz. Seit die Villa Kunterbunt im Januar 2022 in das Bundesförderprogramm Sprach-Kita aufgenommen wurde, arbeitet die Sozialpädagogin 50 Prozent in der Kindertagesstätte und widmet sich dabei ganz der sprachlichen Bildung der Kinder.

Simone Schwarz mit den Kindern der Sprach-Kita vor dem Kamishibai, ein Erzähltheater, dass in der Sprachbildung ein wertvoller Begleiter ...
Simone Schwarz mit den Kindern der Sprach-Kita vor dem Kamishibai, ein Erzähltheater, dass in der Sprachbildung ein wertvoller Begleiter ist. | Bild: Sandra Holzwarth

„Ich begleite den Alltag in der Kita mit, so dass die Sprachbildung allen Kindern zugutekommt“, erklärt sie. In alltäglichen Situationen, wie beispielsweise beim Spielen, Basteln oder dem gemeinen Essen ist sie im Einsatz, um die Sprechfreude der Kinder zu wecken und auch das Selbstbewusstsein, vor anderen Kindern etwas zu erzählen und sich mitzuteilen.

„Wenn die Kinder so früh lernen, sich auszudrücken und mitzuteilen, vor anderen frei und ohne Scheu zu sprechen und etwas verstehen und wiedergeben können, dann wird das im späteren Leben ganz selbstverständlich sein und ihnen vieles erleichtern“, erklärt Simone Schwarz.

Die Kinder der Villa Kunterbunt sind ganz begeistert von dem Angebot, von Simone Schwarz und natürlich von Plappi. Wo immer sie auftauchen, werden die beiden mit großem Hallo begrüßt. Ebenso begeistert zeigt sich Simone Schwarz, die bisher in der Erwachseennbildung tätig war: „Es macht so viel Freude mit den Kindern zu Arbeiten. Sie sind mit Feuereifer dabei und die Erfolge sind wirklich toll.“

Wo Plappi auftaucht, ist immer was los: Im Rahmen eines Naturprojekts sind die Kinder vor Kurzem mit Tieren und Pflanzen auf Tuchfühlung gegangen und haben sie später in der Gruppe mit kleinen Präsentationen vorgestellt. Auch das Miniatur-Erzähltheater Kamishibai weckt die Sprachfreude der Kinder enorm und ist daher oft im Einsatz.

Mit vielen unterschiedlichen Projekten fördert Simone Schwarz die Kinder im Alltag, spielerisch, fast unbemerkt und doch ganz gezielt. Als nächstes möchte sie die Rahmenbedingungen in der Mensa verändern, damit gelungene Tischgespräche die Kommunikation noch mehr fördern.

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Die Arbeit mit den Kindern ist aber nur ein Teil von Simone Schwarz Aufgabe. Ebenso wichtig ist die Schulung und das Coaching der Erzieherinnen. Einmal die Woche trifft sich das Team mit der Pädagogin zur Weiterbildung: „Die Erzieherinnen sollen die sprachliche Bildung in den Kita-Alltag einfließen lassen“, erklärt Simone Schwarz das Projektziel.

Auch die Eltern werden in das Thema Sprachförderung integriert, was Simone Schwarz mit regelmäßigen Veranstaltungen noch intensivieren möchte. „Dadurch wachsen Erziehungspartnerschaften, die sehr wertvoll sind.“ Gerade im Kleinkindealter, wo die Wurzeln der sprachlichen Bildung gelegt werden, ist die Förderung enorm wichtig. Wird erst in der Schule damit begonnen, ist der Einstieg einfach zu spät und für die Kinder schwierig die Defizite aufzuholen.

Nicht nur das Sprach- und Bildungsniveau, auch die soziale- und emotionale sowie kognitive Entwicklung werden in den Sprach-Kitas gefördert. „Sprache ist eine Voraussetzung für bessere Bildungschancen und soziale Integration. Wer sich mitteilen und ausdrücken kann, hat es viel leichter sich in die Gesellschaft zu integrieren, Kontakte aufzubauen und Gemeinschaft zu leben“, weiß Simone Schwarz.

Förderprogramm läuft aus

Sprache ist der Schlüssel zur Welt, deshalb fördert das Bundesfamilienministerium mit dem Programm „Sprach-Kita“ die alltagsintegrierte sprachliche Bildung. Die Villa Kunterbunt wurde Anfang 2022 in das Förderprogramm aufgenommen, allerdings wurde angekündigt, das Programm, trotz des großen Bedarfs, zum Jahresende einzustellen.

Für Bürgermeister Georg Eble, Simone Schwarz und viele andere Betroffene ist das unverständlich: „Die Sprachförderung ist so wichtig, nicht nur für die Kinder mit Migrationshintergrund“, berichtet Simone Schwarz. Auch Bürgermeister Georg Eble weiß, wie wichtig das Projekt für die Kinder seiner Gemeinde ist und verspricht: „Wir werden das Angebot aufrechterhalten, auch wenn das Förderprogramm nicht verlängert wird. Der Gemeinderat hat für die Finanzierung aus der Gemeindekasse dafür bereits grünes Licht gegeben.“

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Auch die Bundestagsabgeordneten aus dem Landkreis Waldshut, Felix Schreiner (CDU) und Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD) haben sich bereits im August in Mitteilungen für den Erhalt des Förderprogramms ausgesprochen. „Sprache ist der Schlüssel zu einer gelungenen Integration. Gerade an dieser Stelle zu kürzen, ist ein Fehler mit weitreichenden Konsequenzen“, wird etwa Felix Schreiner seiner Mitteilung zitiert.

Auch Schwarzelühr-Sutter wolle sich für den Erhalt einsetzen: „Der Bedarf ist ohne Frage da. Ukrainische Kinder, Kinder ohne deutschsprachlichen Hintergrund oder Kinder, in deren Haushalte selten Deutsch gesprochen wird: Ohne entsprechende Förderprogramme riskieren wir deren sprachliche Entwicklung“, so Rita Schwarzelühr-Sutter in ihrer Mitteilung.

Wie geht es jetzt weiter?

Im August wurde eine Petition für die Fortführung des erfolgreichen Bundesprogrammes eingereicht. Bis zum Ablauf der Frist haben 277.882 Menschen unterzeichnet.

In einer Mitteilung vom 19. Oktober nimmt das Kultusministerium des Landes zur Debatte rund um das Programm „Sprach-Kitas“ Stellung: „Es ist wichtig, dass die Fachkräfte und Fachberatungen Planungssicherheit erhalten. Deshalb setzen wir uns dafür ein, dieses Personal auch zu halten und wollen eine nahtlose Weiterbeschäftigung der im Programm tätigen Fachkräfte erreichen“, wird Staatssekretär Volker Schebesta (CDU) zitiert.

Dazu stehe das Ministerium in engem Austausch mit den anderen Bundesländern und mit dem Bundesministerium „um gemeinsam eine gute Lösung zu finden“. Baden-Württemberg halte demnach eine Fortführung des Bundesprogramms zumindest bis Mitte 2023 für einen wichtigen Schritt zum Erhalt der Sprach-Kitas. „Das Land möchte die Sprach-Kitas langfristig fortführen.“