Die Maßnahmen der Landesregierung zur Eindämmung der Corona-Pandemie zeigen offenbar auch im Landkreis Waldshut erste Wirkungen. So meldete das Landratsamt am Dienstag nach den Osterfeiertagen keinen einzigen neuen Corona-Fall.

Und auch im Klinikum Hochrhein fällt die Zahl der zu behandelnden Corona-Erkrankten niedriger aus, als die Verantwortlichen zunächst angenommen hatten. „Gott sei Dank kam es bislang zu keinem erhöhten Patientenaufkommen in Bezug auf Covid-19“, schreibt der Geschäftsführer der Klinikum Hochrhein GmbH, Hans-Peter Schlaudt, in einer Mitteilung.

Seit März sind im Waldshuter Krankenhaus nach Angaben des Klinikums bislang 47 an Covid-19 Erkrankte behandelt worden. Vier dieser Patienten haben aufgrund ihres Gesundheitszustands auf der Intensivstation liegen, drei Menschen haben beatmet werden müssen. Zehn Patienten seien gestorben. Das Durchschnittsalter der Verstorbenen liege bei 86,5 Jahren. Jeder dieser Patienten habe bereits an Vorerkrankungen gelitten, teilt das Klinikum mit.

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Bis auf einen 37-jährigen Patienten erkrankten keine Patienten unter 60 Jahren schwer. Im Durchschnitt waren die Patienten sechs Tage in stationärer Behandlung. Aktuell befinden sich 18 positiv getestete Patienten im Klinikum Hochrhein, darunter zwei auf der Intensivstation, von denen ein Patient beatmet wird.

„In den letzten Wochen haben wir uns mit aller Kraft auf das schlimmste denkbare Ereignis vorbereitet. Alle Mitarbeiter und der Betriebsrat haben hierbei Unterstützung geleistet. Der Krisenstab des Klinikums hatte es sich auf die Fahnen geschrieben, angemessene und zielführende Maßnahmen zum Schutz der Mitarbeiter, aber auch zur Versorgung der Patienten umzusetzen“, schreibt der Geschäftsführer.

Engpässe bei Masken und Desinfektionsmitteln

Schlaudt weiter: „Bereits Ende Januar haben wir angefangen, unser Materiallager aufzustocken und unsere Lagerumschlagszeit auf drei bis vier Monate zu erhöhen, um Engpässe zu vermeiden.“ Dennoch sei es bei den Masken und dem Desinfektionsmittel bereits zu Engpässen gekommen. „Die Engel-Apotheke hat daher kurzfristig Desinfektionsmittel für uns hergestellt, und unserem Einkauf ist es gelungen, Masken und Schutzkleidung zu organisieren“, fügt der Geschäftsführer hinzu.

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Im Klinikum Hochrhein wurde die Intensivstation dauerhaft um drei Betten erweitert, so dass derzeit zwölf Betten zur Verfügung stehen. Durch Umstrukturierungen sei es außerdem gelungen, insgesamt 30 Beatmungsplätze einzurichten. „Mein Dank und großer Respekt gilt all jenen, die diese Vorbereitungen so professionell vorangetrieben- und umgesetzt haben“, schreibt Hans-Peter Schlaudt, der vor allem jene Berufsgruppen aufzählt, an die man im Zusammenhang mit Corona vielleicht nicht sofort denke: die Hygienebeauftragten, das Patientenmanagement, der Einkauf, die Technik sowie die Personalabteilung. „Dank der gesamten Teamleistung fühlen wir uns sehr gut gerüstet“, erklärt der Geschäftsführer.

Austausch mit Kollegen aus Italien

In enger Abstimmung mit dem Landkreis und dem DRK habe das Klinikum Hochrhein außerdem die sogenannte Behandlungssteuerung strukturiert. Dabei haben sich die Mitarbeiter auch an den Erfahrungen aus Italien orientiert und mit den dortigen Verantwortlichen ausgetauscht. Die Konzepte „ambulant vor stationär“ und „konsequente Isolation von Verdachtsfällen“ seien dabei zur wichtigsten Maxime geworden.

Die ambulant notwendigen Corona-Tests erfolgen vor allem in der Fieberambulanz, die Ende März in der Chilbisporthalle in Waldshut ihren Betrieb aufnahm. Das Klinikum selbst habe sich in den vergangenen Wochen auf die Behandlung von Notfällen beschränkt und alle ambulanten Kontakte an den Rand des Klinikums verlagert.

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Dadurch wurde die Belegung im Klinikum auf 150 Betten reduziert und freie Kapazitäten für die erwarteten stationären Covid-19-Behandlungen geschaffen. Ein Teil des Gebäudes mit zwei Stationen und rund 70 Betten wurde zum Isolationsbereich erklärt, um sowohl Verdachtsfälle als auch Covid-19-Patienten von den anderen Patienten abzuschotten.

Sprechstunden und Eingriffe nach und nach wieder hochfahren

Bisher seien die erwarteten Patientenzahlen ausgeblieben. „Daher machen wir uns nun Gedanken, wie wir den Weg zurück zum Regelbetrieb gehen wollen“, so Hans-Peter Schlaudt. Der Klinikum-Chef weiter: „Viele Patienten konnten in den vergangenen Wochen
ihre geplanten Behandlungen nicht erhalten, diesen Menschen muss nun auch wieder unsere Aufmerksamkeit gelten.“

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Man wolle daher sowohl die Zahl der Sprechstunden als auch der Eingriffe nach und nach erhöhen. „Klar ist, wir werden den Schutz der Patienten und der Mitarbeiter weiterhin im Fokus behalten“, betont der Geschäftsführer.

Nach den bisherigen Erkenntnissen des Klinikums ist die Personengruppe mit dem höchsten Risiko jene über 80 Jahre, die vor allem durch Kontaktpersonen infiziert werden. „Somit rücken die Alten- und Pflegeheime, die Pflegedienste und die Angehörigen dieser Gruppe besonders in den Fokus“, so Schlaudt. Vor allem in diesen Bereichen und in Kliniken seien die Abstands- und Hygieneregeln beim Umgang mit älteren Menschen einzuhalten.

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