Nur eine schmale Straße führt zu dem am Waldrand in Oberkutterau gelegenen Wohnhaus mit der alten Scheune. Im Inneren brennt das Feuer in einem alten Kupferkessel. Das Geschehen hat der Moonshiner genau im Blick.

Damit nichts schiefgeht, verlässt er seinen Platz nicht, bis der wertvolle Spiritus fertig ist – den richtigen Moment darf er nicht verpassen. Das Rezept ist ein altes Familiengeheimnis, doch in einem wichtigen Punkt hat Kevin Smith mit der Familientradition gebrochen: Sein weißer Whisky auf Maisbasis ist legal gebrannt.

Was er tue, sei eher ein Kunsthandwerk, findet Kevin Smith. „Ich bin ganz traditionell, oldschool, einfach“, sagt der 50-jährige gebürtige Amerikaner. Vor zwei Jahren hat er sich zusammen mit seiner Frau Martina einen Traum erfüllt und eine eigene Brennerei eingerichtet.

Alles ganz legal

Moonshiner werden zwar die Schwarzbrenner in seiner Heimat genannt, doch hier ist alles legal – wenn die Destille in Betrieb ist, hat der Zoll alles im Blick. Der Moonshine ist ein von Schwarzbrennern hergestellter weißer, also nicht in Fässern gelagerter, Whisky mit hohem Alkoholgehalt, erklärt Smith. Er wird sofort in Gläser abgefüllt und verkauft. Solche Moonshiner gab es viele in seiner Familie – er ist der Erste seit fünf Generationen, der legal brennt, erzählt er.

Das Familienrezept, die guten Zutaten und die Sorgfalt bilden die Grundlage für die kleine Produktion. So wie er seinen Traum hier mit einfachen Mitteln verwirklichen kann, könnte er es in den USA nicht, sagt Smith. Hohe Investitionen seien dort nötig, um den vorgeschriebenen Anforderungen zu genügen und auf dem Markt bestehen zu können.

In seiner neuen Heimat will er sich als kleiner, aber besonders feiner Nischenanbieter etablieren. Zum Konzept gehören nicht nur die authentische Geschichte von der traditionellen Schwarzbrennerei und seiner eigenen Familie in Amerika sowie die angestrebte hohe Qualität. Möglichst viele der benötigten Zutaten sollen auch aus einem nicht allzu großen Umkreis stammen.

Die Produktion

240 Arbeitsstunden investiert er ungefähr in eine Charge, sagt Smith. Der Mais wird gekocht, die Maische nach seinem Rezept angesetzt. „Alles ist Natur“, betont er. Schon dieser erste Produktionsschritt läuft sehr langsam ab: Stundenlang wird die erhitzte Maische gerührt, das Wasser läuft langsam über ein Sieb in Gärfässer ab, die Hefe wird zugesetzt. Bis zu 21 Tage dauert es, bis sie fürs Brennen bereit ist.

Danach beginnt dann die schwere Arbeit. Wieder dauert es viele Stunden, bis das Buchenholzfeuer den Kessel auf die richtige Temperatur gebracht hat. Während die Moonshiner irgendwo in den Wäldern der US-Südstaaten ihren weißen Whisky herstellten, hält sich der in Dachsberg-Oberkutterau ansässige Smith an die Regeln: Der Brennkessel ist, so wie es vorgeschrieben ist, nur in der Zeit von 8 bis 20 Uhr in Betrieb. So lange muss er dafür sorgen, dass er weder zu kalt noch zu heiß wird. Vor zwei Jahren etwa starteten er und seine Frau Martina die Badger Mountain Moon­shine Company.

„Wir haben keine Konkurrenz“, sagt Smith, und vor 2019 hätte er seinen weißen Whisky auf Maisbasis auch nicht herstellen können. Erst seither seien die benötigten Rohstoffe zugelassen. „Mehlige Stoffe brennen kann nicht jeder“, weiß er.

Zwar wollen er und seine Frau mit der Zeit die Produktion ein wenig steigern, ein Massenprodukt soll ihr Moonshine, den sie „Rocket Fuel“ nennen, aber nicht werden. Mit der vorhandenen Kapazität können sie ohnehin nur etwa 1200 Halbliterflaschen abfüllen, die schon in Geschäften und Restaurants der Region angeboten werden. Die Feinschmecker sind ihre Zielgruppe, sagen Kevin und Martina Smith.

Das könnte Sie auch interessieren