Herr Schroeder, die Bühne in Lörrach ist für Sie ja sozusagen ein Heimspiel. Wie fühlt sich das an?

In Lörrach ist alles sehr entspannt. Ich bin tatsächlich nicht aufgeregter als sonst, es ist ja im Prinzip eine Show unter vielen. Aber natürlich sind die jetzigen Bedingungen nochmal ein bisschen anders.

Was erwartet die Besucher bei Ihrem Bühnenprogramm „Neustart“?

Es ist kein reines Coronaprogramm. Ich werde aus meiner Wahlheimat, dem Prenzlauer Berg, erzählen und warum Männer das eigentlich benachteiligte Geschlecht sind. Außerdem werden wir uns den Abend über damit beschäftigen, den neuen Messias zu finden und ich werde meine Kanzlerkandidatur erklären. Ich muss in die Politik, da führt nun einfach kein Weg mehr dran vorbei.

Ihr Auftritt bei einer Stuttgarter Querdenker-Demo sorgte vor einigen Wochen in ganz Deutschland für großes Aufsehen. Dafür bekamen sie jede Menge positives Feedback, es gab allerdings auch sehr aggressive und hasserfüllte Reaktionen...

Das stimmt. Es ist ja auch ganz bewusst gewollt, dass sich die Menschen mit Satire auseinandersetzen. Was die negativen Rückmeldungen angeht: Mich als Privatmenschen erreichen solche Botschaften gar nicht. Man muss sich immer klar machen: Die Debatten verschieben sich ins Internet und dort ist auch der Hass am größten. Allerdings muss man lernen, die Dynamik des Netzes zu verstehen. Denn es sind nicht viele Menschen, die Hass verbreiten – aber sie sind sehr laut. Das muss man sich immer wieder vor Augen führen. Die Masse der Leute kommentiert nicht im Internet.

Kommt bei Ihnen keine Sorge auf, dass sich tatsächlich einmal hasserfüllte Schroeder-Kritiker unters Publikum mischen könnten?

Nein, ich glaube, dafür ist der Eintritt zu meinen Programmen zu teuer. Auch wenn tatsächlich schon Menschen im Publikum saßen, die erstaunlich viel an den falschen Stellen gelacht haben.

Ist der Gesellschaft die Fähigkeit zum Umgang mit Satire abhanden gekommen?

Ja, es wird tatsächlich schwieriger. Man darf als Satiriker keine Ängste haben. Selbstbeschneidung aus Sorge vor Empörungswellen ist überhaupt keine Option, denn dann würde ich ja meinen eigenen Job aufgeben. Im Gegenteil: Das Wissen um die Beschränktheit reizt mich eher, Neues auszuprobieren.

Kabarettist Florian Schroeder
Kabarettist Florian Schroeder | Bild: Frank Eidel/HN-PR

Viele Künstler trifft die Corona-Pandemie und ihre Folgen hart, teils sogar existenziell. Sie selbst haben allerdings an Popularität und Bekanntheit gewonnen. Wie erklären Sie sich das?

Bei mir lag es daran, dass ich mich auf Neues eingelassen habe und das Glück hatte, frei von Existenzsorgen zu sein. Grundsätzlich agierten Künstler unterschiedlich in dieser Zeit. Einige haben die Zeit des Lockdowns genutzt, um sich zurückzuziehen und eine neue Show zu entwerfen, andere haben einfach die Pause genossen und wieder andere haben neue Formate und Bereiche ausprobiert. Beispielsweise indem sie übers Internet gesendet haben und präsent geblieben sind, so wie ich auch. Das geht allerdings tatsächlich nur, wenn man keine existenziellen Sorgen hat, sonst ist der Kopf dazu möglicherweise nicht frei.

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