„Innovativ“: Das bedeutet übersetzt so viel wie „neue Ideen und Erfindungen“. Und die gibt es entlang des Hochrheins und im Südschwarzwald öfter, als man gemeinhin annehmen würde. Zukunftsweisende Technik kommt beispielsweise aus Ühlingen-Birkendorf: Motorräder mit Elektroantrieb, Entwicklungen im Bereich Wasserstofftechnik oder Campingkabinen und -aufbauten für Fahrzeuge von Individual-Urlaubern, die gerade im Corona-Jahr stark nachgefragt sind.

Die Unternehmer, die hinter diesen Innovationen stehen, sind mit der Region verbunden und Teil eines starken Netzwerks – und das in unterschiedlichen Bereichen. „Wir profitieren tatsächlich auch direkt voneinander“, erzählt Alexander Mehler, Gründer der Firma Nomadcamper.

Die Unternehmen

Wie das Miteinander in der Praxis aussieht? „Beispielsweise wenn einer ein spezielles Teil braucht, dann kann der andere entweder direkt aushelfen, oder weiß, wer der richtige Ansprechpartner ist, oder wir tüfteln sogar gemeinsam an einer alternativen Lösung“, geht Julian Schilling vom Wasserstoff-Experten IGT ins Detail. Dabei ist die Richtung des Denkens ganz klar vorgegeben: Nach vorne soll es gehen.

Klares Bekenntnis zur Region

Ob es nicht anderswo einfacher wäre, innovative Technologien und Konzepte zu verwirklichen? Vielleicht schon, aber: „Wir stehen zu unserer Region, das ist überhaupt keine Frage. Wir sind ein Teil davon“, bekräftigt Florian Bockstaller.

Dies zeige sich zum Beispiel an den Motorrädern mit Elektromotor, die sein und Romano Pohls Betrieb Pohlbock unter anderem fertigt. „Alle Teile, mit Ausnahme der Batterien, kommen aus der Region“, sagt Bockstaller. Und im Grunde kommen die Maschinen auch der Motorradlärm-geplagten Region zugute, denn sie machen keinen Krach und es gibt auch keine Abgase. Sind das richtige Motorräder? „Das muss man einfach ausprobieren. Wir konnten schon viele begeisterte Biker überzeugen“, sagt Pohl und schmunzelt.

Was den Standort ihrer Unternehmen angeht, so sparen die Unternehmer nicht an Lob. Ühlingen-Birkendorf ermögliche die Entwicklung, gehe offen auch an individuelle Lösungen für Erweiterungen heran, die Internet-Leistung sei sehr gut, und Rückhalt und Akzeptanz unter den Bürgern seien deutlich spürbar. „Wir fühlen uns hier einfach sehr wohl, auch wenn unser eigentlicher Markt über die Region hinausgeht“, beschreibt Schilling.

Doch nicht nur das Miteinander und die Bedingungen am Firmenstandort sind wichtig für die Unternehmer. Denn richtig kennengelernt haben sich die Nachbarn über das Innovationsforum der Wirtschaftsregion Südwest (WSW). Das Projekt hat das Ziel, Unternehmen untereinander, aber auch mit Intermediären, beispielsweise der Forschung oder öffentlichen Einrichtungen, zu vernetzen, um so den strukturellen Nachteil der Region auszugleichen.

Kontakte knüpfen, die allen Seiten Vorteile bringen (von links): Julian Schilling (IGT), Florian Bockstaller und Romano Pohl (Pohlbock), Monika Studinger (Projektleiterin Innovationsforum bei der Wirstchaftsregion Südwest) und Alexander Mehler (Nomadcampers).
Kontakte knüpfen, die allen Seiten Vorteile bringen (von links): Julian Schilling (IGT), Florian Bockstaller und Romano Pohl (Pohlbock), Monika Studinger (Projektleiterin Innovationsforum bei der Wirstchaftsregion Südwest) und Alexander Mehler (Nomadcampers). | Bild: Olheide, Monika

Und das mit Erfolg, wie Alexander Mehlers Schilderung deutlich macht: „Ich hatte großes Glück, dass ich gerade noch rechtzeitig von der staatlichen Förderung der Digitalisierungsprämie für meine CNC-Fräsanlage erfahren habe“, erklärt er. Kurz vor Ende der Zuschussfrist reichte er seinen Antrag ein und nun steht die Maschine, bei deren Anschaffungskosten der Unternehmer deutlich sparen konnte, im Betrieb. Sein Fazit: „Wenn man solche Fördergelder bekommt, bleibt mehr übrig für die Entwicklung des Betriebs.“

Von welchen Fördergeldern Unternehmen profitieren können, ist nur eine der Fragen, auf die die WSW Antworten zur Verfügung stellt. „Es ist wichtig, dass Informationen kurz, prägnant und übersichtlich sind“, erklärt Monika Studinger. Das schätzen die Unternehmer. Denn: „Als Einzelkämpfer kann man da gar nicht durchblicken und sich ständig auf dem Laufenden halten. Da kann einem einiges entgehen, was dem Unternehmen zugute kommt“, fasst Mehler zusammen.

Das Innovationsforum bietet weitere Inhalte, die für kleine und mittelständische Unternehmen ansonsten praktisch kaum zugänglich oder umzusetzen wären: Marketingtipps, Workshops zu agilem Arbeiten, Nachhaltigkeit oder der Nutzung von Social Media in der Unternehmenskommunikation. „Uns ist es wichtig in den Bereichen Hilfestellung zu geben, in denen sie gebraucht wird“, erklärt Monika Studinger. Die Projektleiterin der WSW bringt seit Anfang 2019 Unternehmer in der Region zusammen und schafft damit die Basis für Innovationen.

Das Innovations-Forum Südwest ist ein Projekt der Wirtschaftsregion Südwest: Hier Monika Studinger, Projektleiterin Innovationsmanagement, und Geschäftsführer Alexander Maaß.
Das Innovations-Forum Südwest ist ein Projekt der Wirtschaftsregion Südwest: Hier Monika Studinger, Projektleiterin Innovationsmanagement, und Geschäftsführer Alexander Maaß. | Bild: Juri Junkov

Wie viel Spaß ihr diese Aufgabe macht, ist nicht zu überhören: „Es ist so faszinierend, wie viele tolle und innovative Unternehmen wir haben. Es gibt kein Treffen, bei dem es nicht um Zukunftsprojekte geht und sich neue Möglichkeiten ergeben.“

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