Katholiken können mit Briefwahl noch bis zum 5. April ihren Pfarrgemeinderat wählen. Doch vielfach ist es keine Wahl, in der Mehrzahl der Seelsorgeeinheiten im Landkreis Waldshut gibt es Lücken auf den Wahllisten. In zehn von 14 Seelsorgeeinheiten stehen weniger Kandidaten zur Verfügung als Plätze im Pfarrgemeinderat. Und wie schwach die Wahlbeteiligung bei der diesjährigen Wahl ausfällt, wird sich zeigen. Corona könnte die Wahlbeteiligung weiter senken, meint man in Kirchenkreisen, anderseits könnte die neuerliche Möglichkeit der bequemen Online-Wahl auch ein Vorteil sein. Fest steht, die Wahlbeteiligung war auch vor fünf Jahren mit 17,6 Prozent im Erzbistum schon ein Kellerwert.

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Was ist mit der katholischen Kirche los?

Driften Gesellschaft und katholische Kirche auseinander? Warum treten immer mehr Menschen aus? Wir haben mit Dekan Peter Berg darüber gesprochen, warum es unter anderem schwer ist, Menschen für das Engagement im Pfarrgemeinderat zu finden und warum das Interesse der Katholiken an der Wahl so mager ist.

Wohin geht die Kirche? Dekan Peter Berg, Münsterpfarrer in Bad Säckingen, hat klare Vorstellungen über die künftige Orientierung.
Wohin geht die Kirche? Dekan Peter Berg, Münsterpfarrer in Bad Säckingen, hat klare Vorstellungen über die künftige Orientierung. | Bild: Gerber

Wo sind die Gründe für die Kirchenkritik?

„Es ist in der Tat mühsam, die Wahllisten zu füllen“, räumt Dekan Peter Berg ein. An was liegt das? Fehlende Einbindung der Frauen, Zölibat, Missbrauchsskandal? Es gebe eine Vielzahl von Gründen, sagte Dekan Berg, die genannten gehörten sicherlich dazu. Denn er stellt in diesem Zusammenhang auch eine gewisse Frustration bei den Gläubigen fest und er hat Verständnis dafür. Pfarrer Peter Berg, bekannt für seine Bodenhaftung und seine Nähe zum Kirchenvolk, ist wohl der letzte, der für solche Stimmungen kein Gespür hat.

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Kann der Pfarrgemeinderat etwas bewirken?

Gleichwohl kann er sie im Moment nur aufnehmen und zur Mitarbeit in der Kirche und im Kirchengemeinderat appellieren. Natürlich kennt Berg die Frage: Was kann der Pfarrgemeinderat denn überhaupt bewirken? „Auch in dem Gremium sind Mitentscheidungen möglich“, sagt er, beispielsweise über den künftigen Zuschnitt der Pfarreinheiten im Rahmen von Pastoral 2030, über Leitbild in der Gemeinde, über Veranstaltungen, sprich übers das Innenleben der Pfarrei.

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Freilich weiß er, dass es den engagierten Laien in der katholischen Kirche um weitergehende Einflussnahme geht. Das hat auch die teils offene Unzufriedenheit gezeigt. So hat Pfarrgemeinderat St. Wendelin Hotzenwald in einem offenen Brief an Erzbischof Stephan Burger heftige Kritik geübt, in anderen Pfarreien – etwa in Lauchringen – legten Frauen ihre Ehrenämter in der katholischen Kirche während eines Kirchenstreiks nieder.

Dekan Peter Berg sieht Papst Fransziskus auf dem richtigen Weg

Peter Berg begrüßt es, dass Menschen sich mit der Kirche auseinandersetzen. Aber bestimmte, auch von Katholiken in der Region immer wieder beklagten Themen seien nicht am Hochrhein zu lösen. Berg: „Das Zölibat können wir halt nicht an der Basis abschaffen“. Die Kirche als Gemeinschaft habe einen rechtlichen Rahmen. Allerdings sieht er Papst Franziskus auf einem guten Weg in dieser Richtung. Aber warum hat er sich dann nicht der Bischofssynode angeschlossen und das Priesteramt im Amazonas für verheiratete Männer zugelassen? Der Dekan ist sich bewusst, dass solche Fragen im Kirchenvolk gären, gibt aber zu bedenken: Die Situation in der römischen Kurie sei nicht so einfach, wie man sich das gemeinhin vorstelle. Es gebe verschieden, einflussreiche Fraktionen und Widerstände gegen die Abschaffung des Zölibats. „Ich denke, Franziskus befürchtet eine Kirchenspaltung“, vermutet Peter Berg, und das wolle er verhindern. Franziskus‘ Verdienst sei hingegen die Öffnung des Themas: „Er lässt die Diskussion über das Zölibat zu“, und das sei neu, so Berg.

Kirche – weg von der Macht, hin zu den Wurzel

Dekan Peter Berg will eine Reform der katholischen Kirche denn auch nicht nur an dem einen Stichwort „Zölibat“ festmachen. Wenn man das Zölibat abschaffe und die Kirche ansonsten belasse, sei nichts gewonnen. „Wir als Kirche müssen uns in der heutigen Gesellschaft neu finden“, fordert Berg. Den Kirchen gehe es ähnlich wie den Parteien: Früher hätten sie den Alleingeltungsanspruch gepachtet, heute verlieren sie an Einfluss. So hinterfragt er die althergebrachte „priester-zentrierte Kirche“. „Wir müssen uns der Tatsache stellen, dass die Kirche nicht mehr die Autorität ist, die sie einmal war.“ Das bedeute vor allem die Bereitschaft für einen Weg „weg von der Macht“ – einer Macht, die seit dem Mittelalter auf den Absolutheitsanspruch aufbaute Was hat die Kirche dann für eine Aufgabe heute? Was Berg antwortet, geht zurück zu den christlichen Wurzeln, hat aber an Aktualität nichts verloren: Gottes Auftrag sei für ihn, mitzuhelfen eine Welt zu gestalten mit Menschenwürde, Dienst am Nächsten und dem Aufruf zur Versöhnung.

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