Der brutale Überfall vom 28. April auf zwei Arbeitskollegen in Zell-Riedichen, der für einen 38-Jährigen tödlich, für das andere Opfer mit schweren Verletzungen endete, wird seit Freitag vor der Schwurgerichtskammer am Landgericht Waldshut-Tiengen verhandelt. Am Eröffnungstag beleuchteten vor allem die Zeugenaussage und Opferfotos eines Polizisten die Brutalität der Tat. Sie wird einem Brüderpaar, Arbeitskollegen der Überfallenen, zur Last gelegt. Beide legten kein Geständnis ab und äußern sich zum Tathergang nicht. Staatsanwalt Tobias Haselwander warf den beiden Gelegenheitsarbeitern gemeinsam begangenen Mord, versuchten Mord und schweren Raub mit gefährlicher Körperverletzung vor.

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Das Tatmotiv sieht die Anklage in den rund 1200 Euro Bargeld, die nach dem nächtlichen Überfall mit den Tätern verschwanden. Die beiden Angeklagten sollen gewusst haben, dass die beiden Arbeitskollegen, von denen einer schwer verletzt überlebte, an diesem Tag einen Lohnvorschuss erhalten hatten. Nach den tödlichen Schlägen mit Rundhölzern flohen die Täter zunächst spurlos. Am Bahnhof in Frankfurt führte die Fahndung zum Erfolg.

Nur ein Bruder äußert sich zur Person

Nur der ältere der 27 und 22 Jahre alten Brüder äußerte sich beim Prozessbeginn zu seiner Person. Nach Grundschule und einer Fachschule für Informatik in Bulgarien, die er nach eigener Aussage nach vier Jahren abgeschlossen hatte, folgten zahlreiche meist kurze Episoden als Bauhelfer, Restaurant-Geschirrspüler, Frühstücksbäcker, Schweißer, Wachmann oder Hilfskraft einer Abbruchfirma zwischen seiner bulgarischen Heimat einerseits, und immer wieder in Deutschland im Raum Sachsen und im Norden. Mit dem verdienten Geld finanzierte der Pendler seinen zuletzt überbordenden Alkoholkonsum, gelegentlich auch Drogen und Besuche in Spiellokalen.

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Den Tageskonsum von einer Flasche Schnaps und zehn bis 15 Flaschen Bier am Tag zitierte der Kammervorsitzende Martin Hauser aus einem Protokoll, was der Angeklagte bestätigte. Warum diese Mengen? „Meiner Seele geht es dann gut“, so die Antwort. Seine Freundin gebar im August 2019 ein Kind, mit der Frau habe es „nicht mehr geklappt“, sagt der Vater des Jungen.

Nach Spannungen des 27-Jährigen mit den Arbeitskollegen im Wiesental fragte der Staatsanwalt, der Angeklagte bestritt Streitigkeiten innerhalb des Arbeitskolonne, die in Ferienwohnungen im Wiesental untergebracht war.

Die Gruppe war eher unauffällig

Von Ärger mit den Gästen konnte auch der Vermieter der Wohnung nicht berichten. Die Gruppe war eher unauffällig, ehe in der Tatnacht gegen 23 Uhr einer der Mieter klopfte und mit Blutspritzern im Gesicht um Hilfe bat. Der Rentner fand das Opfer des Überfalls blutüberströmt und bereits leblos auf einer Liege. Auch der Schichtführer der alarmierten Polizei konnte bei dem 38 Jahre alten Türken keinen Puls mehr fühlen. Die Fotos, die der Hauptkommissar am Tatort machte, dokumentierte die Wucht der Schläge, die vor allem auf die Schädeldecken des Getöteten und des Schwerverletzten, der offenbar wach geworden war und sich wehrte, einwirkten.

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Der jüngere Angeklagte äußerte sich wie der Bruder nicht zur Tat und bestätigte lediglich einige Lebensdaten. Den 22-Jährigen belastet der Prozess, er benötigte nach zwei Stunden eine Verhandlungspause. Nach bisheriger Weigerung will er sich nun doch dem Einzelgespräch (Exploration) durch den psychiatrischen Gutachter Ralph-Michael Schulte stellen. Verteidigt werden die Angeklagten durch Urs Gronenberg und Jan Tschentscher.

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