Die Jahresstatistik des Hauptzollamts Lörrach zeigt, dass die Zollverwaltung in ihrer Doppelfunktion als Sicherheits- und Finanzbehörde ein breites Tätigkeitsspektrum hat: „Kaum einer Behörde sind so viele unterschiedliche Aufgaben übertragen“, so Matthias Heuser, kommissarischer Leiter des Hauptzollamts Lörrach. Allerdings: „Die Öffentlichkeit nimmt uns überwiegend als Vollzugsbehörde wahr.“

Zöllnerinnen und Zöllner, die in Dienstkleidung und mit Waffe an den Grenzübergängen, auf Bundesstraßen und Autobahnen oder im Kampf gegen Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung kontrollieren, prägen das Bild.

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„In der gewerblichen Warenabfertigung bei den Grenz- und Binnenzollämtern und im Backoffice sozusagen spielt sich daneben noch viel mehr ab“, so Heuser.

Arbeit am Zoll während der Corona-Krise

Von 16. März bis 15. Juni 2020 waren im Rahmen der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie die Grenzen zur Schweiz und Frankreich geschlossen. Die Bundespolizei wurde in dieser Zeit bei den Grenzkontrollen von den Zollbeamten unterstützt. Dies „durch unseren gesetzlichen Auftrag bei der Wahrnehmung der grenzpolizeilichen Einreisekontrollen“, so Heuser. Darüber hinaus sorgte der Zoll dafür, dass der Warenfluss innerhalb Europas erhalten blieb.

Weiterhin durften die Einnahmen von Zöllen, Einfuhrumsatz- und Verbrauchsteuern nicht aus den Augen gelassen werden. „Was den Schutz von Bürgerinnen und Bürgern sowie von Flora und Fauna angeht, sind wir konsequent wie eh. Markenschutz, Produktsicherheit, Artenschutz, lebensmittelrechtliche Bestimmungen – keine importierte Ware darf zur Gefahr für die Verbraucher werden und weder Tier- noch Pflanzenreich gefährden“, wird der kommissarische Leiter des Hauptzollamts Lörrach zitiert.

Einnahmen

Mit mehr als 2,4 Milliarden Euro an Gesamteinnahmen zeige sich, wie schon 2018, eine leichte Steigerung gegenüber dem Vorjahr. In der Summe enthalten sind Zölle in Höhe von 51 Millionen Euro, die der EU zufließen, Einfuhrumsatzsteuer in Höhe von 2,1 Milliarden Euro sowie Verbrauchsteuern einschließlich Energie- und Stromsteuer mit einer Summe von 259 Millionen Euro. Die Einnahmen werden bei den Zollämtern, die 2019 unter anderem 5,2 Millionen Warenpositionen zum sogenannten Freien Verkehr abgefertigt haben, im Zeitpunkt der Wareneinfuhr erhoben.

Weit über 800.000 Lastfahrzeuge haben im vergangenen Jahr Warensendungen über das Zollamt Weil am Rhein-Autobahn und 565.000 über das Zollamt Rheinfelden-Autobahn in beide Richtungen befördert.

Einsätze des Hauptzollamts Lörrach.
Einsätze des Hauptzollamts Lörrach. | Bild: Hauptzollamt Lörrach

Doch nicht nur die Abfertigung vor Ort selbst, sondern auch die folgenden Abläufe beschäftigen das Hauptzollamt: Betriebsprüferinnen und -prüfer, die in Im- und Exportunternehmen die Produktionsabläufe und Warenbewegungen nachprüfen, stellen gegebenenfalls Abweichungen zur ursprünglichen Zollabfertigung fest, die zu beträchtlichen Nacherhebungen, natürlich auch zu Erstattungen führen können.

85 Millionen Euro aus offenen Forderungen

Offene Forderungen treibt die Zollverwaltung selbst bei und vollstreckt daneben öffentlich-rechtliche Geldforderungen von Fremdgläubigern, wie beispielsweise den Arbeitsagenturen, den Rentenversicherungen oder den Krankenkassen. Im Jahr 2019 gingen bei der Vollstreckungsstelle des Hauptzollamts Lörrach, die in diesem Bereich auch für die benachbarten Hauptzollämter Karlsruhe und Singen, also im gesamten badischen Raum bis in die Südpfalz tätig wird, 276.000 Vorgänge ein, 85 Millionen Euro konnten realisiert werden.

Finanzkontrolle Schwarzarbeit

Um Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung, Sozialversicherungsbetrug und Leistungsmissbrauch aufzudecken und damit die Unternehmen, die ihr Geschäft seriös betreiben, vor einem Wettbewerbsnachtteil zu schützen, wurden im vergangenen Jahr 1400 Betriebe geprüft. Im Ergebnis mussten über 1600 Strafverfahren und rund 650 Bußgeldverfahren eingeleitet werden. Der gesamtgesellschaftliche Schaden betrug 6,4 Millionen Euro. „In diesem Bereich stehen die Prüf- und Ermittlungseinheiten immer in intensivem Kontakt mit den Justiz- und Partnerbehörden des Landes und der Kommunen, so können in einem Zug bei unterschiedlichen Zuständigkeiten komplexe Sachverhalte überprüft werden“, so Heuser. Auch in Zeiten der Corona-Krise komme dieser Aufgabe eine besondere Bedeutung zu.

Berufsperspektiven

„Wir sind eine Behörde mit aktuell mehr als 1.000 Beschäftigten und haben weiteren Bedarf an qualifiziertem Personal“, schildert Heuser. Der Zoll biete krisensichere und interessante Arbeitsplätze. „Schulabgänger, die sich bei uns erfolgreich zur zweijährigen Ausbildung im mittleren Dienst und zum dreijährigen dualen Studium im gehobenen Dienst an der Hochschule des Bundes bewerben, haben nach erfolgreichem Abschluss derzeit grundsätzlich eine Übernahmegarantie“, wird der kommissarische Leiter zitiert. Weitere Informationen über die Aufgaben, Ausbildungsmöglichkeiten und Stellenangebote sind auf www.zoll.de abrufbar.

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