Verhandlung vor dem Amtsgericht Schopfheim: Ein bereits einschlägig Vorbestrafter häuft innerhalb seiner Bewährungszeit weitere Anzeigen an.

Dümmer hätte es für einen 47-jährigen Schopfheimer wohl nicht laufen können. Als er mit einem Fahrrad beim Polizeirevier in Schopfheim vorsprechen wollte, um sich nach einem Mitbewohner zu erkundigen, fiel den Beamten auf, dass der Mann mit einem am Vortag als gestohlen gemeldeten Rad aufgekreuzt war. Prompt hatte er eine Diebstahlsanzeige am Hals.

Doch das war diesmal noch nicht Gegenstand der Verhandlung vor dem Amtsgericht Schopfheim.

Die Anklage

Verantworten musste sich der 47-Jährige wegen des unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln. Und dies, obwohl er schon wegen solcher einschlägiger Vorstrafen rechtskräftig verurteilt und ihm eine Bewährungsfrist auferlegt worden war, die noch zwölf Monate andauern sollte.

So soll der Angeklagte am Morgen des 1. Dezember 2021 um 2.37 Uhr von Passanten auf der Auffahrtrampe eines Schopfheimer Lebensmittelmarktes beobachtet worden sein, als er mit einem Beil herumgefuchtelt hatte. Die herbeigerufene Streife habe den offensichtlich unter Drogeneinfluss stehenden Angeklagten unverzüglich stellen können.

Dieser habe sich bei der Vernehmung durch die Polizeibeamten kooperativ gezeigt und das Beil anstandslos zur Seite gelegt. Die Axt habe er zum Selbstschutz vor einem seiner gewalttätigen Mitbewohner mitgeführt und weil er auf der Suche nach Brennholz für ein Lagerfeuer gewesen sei, erklärte er gegenüber der Polizei.

Schließlich war den Ordnungshütern bekannt, dass der Angeklagte schon vor einiger Zeit zwei Ster Holz gestohlen und an verschiedenen Orten verbrannt hatte, weshalb er auch schon wegen Diebstahls vorbestraft war. Bei einer anschließenden Durchsuchung fanden die Polizeibeamten bei dem Mann auch geringe Mengen Amphetamin und Marihuana. Dies führte dann auch zur Anklage wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln.

Die Plädoyers

Der Staatsanwalt sah denn auch nach der Beweisaufnahme den Sachverhalt als vollumfänglich erwiesen an und forderte für den Angeklagten eine Haftstrafe von vier Monaten, die nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden sollte, sowie die Übernahme der Verfahrenskosten.

Der Pflichtverteidiger indes wollte für seinen Mandanten eine Freiheitsstrafe, die noch einmal zur Bewährung ausgesetzt werden sollte, erreichen. In seinem Plädoyer wies er darauf hin, dass der Angeklagte wegen der Bedrohung durch eine gewalttätige Person in seiner Hausgemeinschaft einer erheblichen Drucksituation ausgesetzt war.

Das Urteil

Amtsrichter Stefan Götz indes verurteilte den 47-Jährigen schließlich zu einer Freiheitsstrafe von drei Monaten ohne Bewährung und zur Übernahme der Verfahrenskosten.

Weil der Angeklagte ein umfangreiches Vorstrafenregister mit 16 Einträgen im Bundeszentralregister aufzuweisen und auch die Bewährung gebrochen sowie die auferlegte Drogenberatung nicht eingehalten habe, müsse er nun als Konsequenz die Haftstrafe absitzen, begründete der Richter sein Urteil.