An jeder Ritterburg unserer Kindertage gab‘s eine Zugbrücke. Die ließen wir beim Spielen hoch oder runter, je nachdem, ob Feind oder Freund vor den Toren stand. Waldshut war nie eine Ritterburg, schützte ihre beiden großen Stadttore jedoch ebenfalls mit Zugbrücken vor ungebetenen Gästen.

Das war in den Zeiten des Spätmittelalters, ist also längst in Vergessenheit geraten. Allenfalls die Brücke vor dem Oberen Tor lässt heute noch erahnen, dass sie einst auch die Funktion einer Zugbrücke erfüllte. Dass Ähnliches auch vor dem Unteren Tor existiert haben könnte, kam einem nicht in den Sinn.

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Bis am 12. April vor 30 Jahren bei Kanalarbeiten die Baggerschaufel den oberen Teil einer zweibogigen Brücke freilegte, die bis Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts den künstlich angelegten Graben vor der Stadtmauer überspannt hatte und die letzten Meter zum Unteren Tor hin mit einer Zugbrücke ausgestattet gewesen war.

Kein Keller, sondern eine Brücke

Baufirma und Stadtbauamt meinten zunächst, auf ein Kellergewölbe gestoßen zu sein. Doch ein vorsorglicher Anruf beim damaligen Stadtarchivar und Heimatforscher Konrad Sutter führte auf die richtige Spur. „Das kann nur die alte Brücke sein“, sagte Sutter und unterstrich diese Feststellung mit der Kopie einer Zeichnung der historischen Stadt, die nach Angaben des von 1901 bis 1943 tätigen katholischen Stadtpfarrers und Historikers Franz Josef Bieser angefertigt worden war.

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Sie zeigt eine zweibogige Brücke über dem künstlich angelegten Wallgraben, während die Brücke vor dem Oberen Tor damals wie heute das von der Natur geschaffene Seltenbachtal überspannt.

Stadtbauamt und Denkmalpflege verständigten sich darauf, die Brückenbogen zu erhalten und den Kanal trotz Mehrkosten daran vorbei zu führen. Aus der Überlegung, die Maße der alten Brücke genau zu erfassen und abzuklären, ob es sogar einen dritten Brückenbogen gegeben haben könnte, wurde jedoch nichts. Was künftigen Stadthistorikern überlassen bleibt. Die Brückenreste wurden wieder zugeschüttet und so für jenen fernen Tag konserviert, an dem vor dem Unteren Tor mal wieder tief gebuddelt wird.